Der Spitzenkandidat: Filmrezension zum Polit-Drama mit Hugh Jackman
In dem Polit-Drama "Der Spitzenkandidat" schlüpft Hugh Jackman in die Rolle des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Gary Hart, der aufgrund einer Affäre gezwungen ist, seine Kandidatur abzubrechen. Um sich auf seine Rolle vorzubereiten und Gary Hart besser kennenzulernen, verbrachte Jackman einige Tage im Haus des Ex-Politikers. An Jackmans Seite spielen Stars wie Vera Farmiga und J. K. Simmons.
Die Anforderungen an einen US-Präsidentschaftskandidaten haben sich in den letzten 30 Jahren anscheinend erheblich geändert. Nur so kann man es sich erklären, dass Gerüchte um eine außereheliche Affäre 1987 ausreichten, um als Kandidat aus dem Rennen zu sein. Denkt man dagegen an die Kandidatur von Donald Trump und an die Vorwürfe, die gegen ihn im Wahlkampf erhoben wurden, wundert man sich wieder einmal, wie er jemals Präsident werden konnte.
Gary Hart, der demokratische Spitzenkandidat, um den es in Jason Reitmans Biopic geht, sah damals auch eine Zeitlang wie der sichere Sieger aus. Doch dann wurde ihm seine Schwäche für schöne junge Frauen zum Verhängnis. Reitman beleuchtet die Hintergründe dieses Skandals, indem er sich in die Impulskammern des Wahlkampfes begibt - in die Redaktionskonferenzen der "Washington Post" und des "Miami Herald", und in die Meetings von Harts Kampagnenteam. Und so erlebt man hautnah mit, wie groß die gegenseitige Abhängigkeit ist und wie schwierig die Beziehungen von Politikern beziehungsweise Wahlkämpfern zu Journalisten werden können, wenn die Wahlprognosen bestens und die Auflagenzahlen zumindest höher als bei der Konkurrenz sein sollen.
Hugh Jackman spielt den eigenwilligen Hart, der sich immer mehr in die Enge gedrängt und unter Druck gesetzt fühlt, sehr facettenreich und zunehmend sperriger und aggressiver. Reitman, der nicht nur Regie geführt, sondern auch am Drehbuch mitgeschrieben hat, erzählt seine Geschichte elegant und mit trockenem Witz. Im Fall Hart wurde zum ersten Mal politische Berichterstattung mit Boulevardjournalismus vermischt und damit unter anderem der Boden für die mediale Schlammschlacht um Bill Clintons Lewinsky-Affäre bereitet, die weltweit wesentlich mehr Aufsehen erregte.
FAZIT: Sehr gelungene Nahaufnahme eines US-Politskandals der 1980er-Jahre, der die Art der Berichterstattung veränderte.
