Der König und seine Ringe
Der Bürokomplex-Dschungel der Electronic-Arts-Zentrale im kalifornischen Redwood City wird dem Anspruch "Weltgrößter Computerspiele-Macher" gerecht: Die Empfangsdame drückt mir eine Karte des umliegenden Terrains in die Hand und gibt Anweisungen, wie ich das Nebengebäude des Der Herr der Ringe-Teams finde: "Den Ausgang zur rechten, am großen Rasen entlang, im Rücken der Parkgarage kreuzend, sollst du finden die Spieleschmiede ..." Nach einer Abkürzung durchs Blumenbeet habe ich mich natürlich verlaufen, aber eine gütige EA-Mitarbeiterin führt mich auf den rechten Weg. Bei einer solchen Anreise regt sich fast schon Gefolgschafts-Feeling, auch wenn es den Grünanlagen eindeutig an Orks mangelt. Dafür begrüßt mich ein gut gelaunter Neil Young, auf dessen Schultern eine ähnliche Verantwortung lastet wie auf denen des Thronfolgers Aragorn: Der Entwicklungsleiter von Electronic Arts führt rund 120 Mitarbeiter in die Programmier-Schlacht, um die Herr der Ringe-Filmtrilogie in packende Spiele zu verwandeln.
Die Filmlizenz bringt's
Golden schimmernde Kringel
weisen auf benutzbare
Objekte wie dieses Seil hin.
Während die Ringe-Spiele von Vivendi-Universal "nur" auf der Buchlizenz basieren, hat Electronic Arts vollen Zugriff aufs Filmmaterial. Deshalb sehen die Charaktere aus wie die Filmhelden und sprechen mit deren Stimmen. Schlüsselszenen aus dem Kino werden als wiedererkennbare 3D-Kulissen nachgebaut, der Original-Soundtrack wummert aus den Lautsprechern. Stuntmen der Filmproduktion wurden für Motion-Capturing-Sessions engagiert und als Cut-Scenes dienen Original-Clips aus der Leinwand-Vorlage, noch bevor sie überhaupt in die Kinos kommt. In Sachen Atmosphäre-Aufwand dürfte Die Rückkehr des Königs neue Film-Spiel-Maßstäbe setzen - und das auch auf Windows-PCs. Die zwei Türme waren letztes Jahr den Konsolen-Besitzern vorbehalten. Damals lief dem Team die Entwicklungszeit davon, wie Neil Young einräumt: "Das war nicht die Schuld der Leute, die daran arbeiteten; vielmehr war es die zu kurze Zeitspanne, die ihnen für die PC-Version zur Verfügung stand. Letztendlich wollten wir nichts veröffentlichen, von dessen Qualität wir nicht überzeugt waren."
Ausbaubare Prügelknaben
Die verbündeten Bogenschützen können nichts gegen den Drachen ausrichten, hier ist Gandalfs Magieeinsatz gefordert.
Die Rückkehr des Königs wurde dagegen von Anfang an auch auf für den PC konzipiert und steht in den Startlöchern für eine November-Veröffentlichung. Dem Spieldesign merkt man freilich seine Konsolen-Wurzeln auf den ersten Axthieb an. Bei Außenansicht steuern Sie sechs Filmhelden durch authentische Filmschauplätze und verringern im Eiltempo die Ork-Population. Separate Tasten sorgen für schnelle und wuchtige Angriffe, Blocken und Kicken. Das Aneinanderreihen bestimmter Manöver löst Kombos aus, mit denen zum Beispiel bestimmte Gegnertypen sofort zu Boden gehen oder ihrer Schilde beraubt werden. Sie haben jeweils eine Nahkampf- und eine Distanzwaffe zur Hand, zwischen denen beliebig gewechselt wird. Je weniger Treffer Sie einstecken und je öfter Ihre Kombos treffen, desto mehr Erfahrungspunkte landen auf dem Heldenkonto. Die werden zwischen den Levels für den Zukauf weiterer Spezialmanöver ausgegeben. Auch bessere Ausrüstung und mehr Lebensenergie stehen hier zur Wahl. Dieser sanfte Rollenspiel-Hauch gibt dem hemdsärmeligen Geprügel etwas Tiefe.


Ich fand es irgendwie bei Die Gefährten ganz witzig, dass ich einige Szenen aus dem Film nachspielen…
PS.: finde das buch sogar besser als die filme (obwohl ich's erst nach dem 2. teil gelesen habe), weil da das fantasy-flair viel besser rüberkommt als in der hollywoodproduktion. EOV ist natürlich in beiden fällen pflicht.
ach ja, zum spiel: die 2 türme…