Deponia im Test: Adventure-Hit mit Comic-Charme und vielen guten Gags - Update: Video-Test
Deponia im Test: Das Comic-Adventure von Daedalic strotzt vor Details. [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Deponia, das neue Comic-Adventure von Deadalic jetzt bei uns im Test! Von Daedalic sind wir vieles gewohnt, vor allem exzellente Adventures. Mit Deponia hingegen liefern die Hamburger Knobelexperten vor allem eines ab: tonnenweise Schrott. Und genau das macht das Comedy-Abenteuer zu etwas ganz Besonderem. Die Schöpfer von Harveys Neue Augen und The Whispered World haben sich ein herrlich schräges und unverbrauchtes Science-Fiction-Szenario ausgedacht, nämlich einen Schrottplaneten namens Deponia. Dort haust der verschrobene Tüftler Rufus, der die riesige Müllkippe gehörig satt hat und lieber in Elysium leben will, einer schillernden Stadt, die hoch im Himmel weit über Deponia schwebt. Da Rufus mindestens so untalentiert wie selbstverliebt ist, geht sein erster Fluchtversuch gehörig schief: Mit einer selbst gebastelten Rakete feuert sich der sympathische Nichtsnutz Hals über Kopf auf ein Transportschiff der Elysianer, nur um dort gleich das nächste Unheil anzurichten.
Er sorgt dafür, dass Goal – eine mysteriöse Schönheit aus der Himmelstadt – hinab in die Tiefen von Deponia stürzt, mitten in Rufus' Heimatdorf. Durch den Aufprall fällt die Unbekannte in ein tiefes Koma – der Auftakt einer turbulenten Abenteuer- und Liebesgeschichte, in der Rufus ebenso beherzt wie vertrottelt versucht, Goal wachzurütteln und zurück nach Elysium zu bringen. Mit viel Slapstick und Wortwitz überzeugt Deponia als ausgelassenes und ziemlich schwarzhumoriges Comic-Adventure: Wenn Rufus seine Ex-Freundin per Giftpfeil betäubt, Kätzchen mit Koffein aufputscht, Keller überflutet, Feuer legt und überhaupt kaum eine Chance auf Chaos vorüberziehen lässt, dann mag das zwar ein schlechtes Vorbild für Kinder sein, großen Spaß macht's aber allemal.
Deponia: Freche Sprüche und witzige Gags zeichnen das komfortabel zu spielende Adventure von Daedalic aus. [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Die teils mordsfrechen Dialoge werden von Sprechern vorgetragen, die ihre Rollen mit Spaß und Hingabe verkörpern, allen voran Rufus, der Daedalic besonders gut gelungen ist. Aber auch viele Nebencharaktere bleiben uns in guter Erinnerung: So begrüßt uns in einer Szene etwa die unentschlossene Lotti, eine bullige Empfangsdame mit kräftigem Bartwuchs, deren Stimme von zierlichem Gesäusel fließend in tiefes, männliches Gebrüll übergeht – herrlich vertont! Zwar wirken manche Dialoge auch mal etwas abgelesen oder übertrieben langsam eingesprochen, doch das ist angesichts der hohen Gagdichte zu verschmerzen.
Deponia ist ein klassisches Point-and-Click-Adventure auf hohem Niveau, die meisten Rätsel sind mit etwas Überlegung gut lösbar. Nur selten ließen sich die Designer zu etwas abstrusen Knobeleien hinreißen, die man dann meist eher durch stures Herumprobieren löst. Das ist zwar nicht ideal, aufgrund der comichaften, humorvollen Grundstimmung des Spiels fallen solche Momente aber kaum ins Gewicht. Immerhin ist Deponia kein bierernstes Krimi-Adventure, sondern ein Comic-Spiel!
Einige Minispiele können zwar Nerven kosten, doch auf Wunsch lassen sich diese Aufgaben auch überspringen – das ist fair. Lob verdient das elegante Bedienkonzept: Per Mausrad wird das Inventar bequem ein- und ausgeblendet und die mittlere Maustaste dient der Hotspot-Anzeige. Praktisch! Auch bei der Grafik konnten sich die Entwickler gegenüber ihren früheren Werken noch mal ein wenig steigern: Die handgezeichneten, hochauflösenden Hintergründe strotzen vor Details und das Charakterdesign ist Daedalics Künstlern super gelungen. Die Animationen, ebenfalls von Hand erstellt, sind zwar nicht so flüssig wie in einem Zeichentrickfilm, doch dafür sind sie abwechslungsreich und oft an die jeweilige Situation angepasst. Hinzu kommt etwa ein Dutzend kurzer Cutscenes, die sich prima in die übrige Spielgrafik einfügen und dem Erzähltempo zugutekommen.
Deponia macht fast alles richtig – bis auf den Ausgang der Story, der nach sechs bis acht Spielstunden und einem rasanten Showdown völlig offenbleibt; die Handlung wird schlichtweg nicht zu Ende erzählt. Dass Daedalic seinem Adventure- Hit kein befriedigenderes Ende gönnt, hat aber natürlich einen Grund – der Abspann lässt wenig Zweifel daran aufkommen, dass es einen Nachfolger geben wird.
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