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  • Das Schwarze Auge: Blackguards im Test - Harte Taktik-Nuss mit Mängeln

    Das Schwarze Auge: Blackguards im Test - Eine Empfehlung für Taktik-Profis mit Rundenkampf-Faible Quelle: PC Games

    Hexfelder, Zahlenwust und bergeweise Fantasy-Klischees: Mit Blackguards erwartet Freunde kniffliger Rundengefechte ein anspruchsvolles, umfangreiches, aber zuweilen auch überkompliziertes Taktik-Rollenspiel mit vielen Ecken und Kanten. Unser Test inklusive Video-Review verrät, ob das ehemalige Early-Access-Projekt erfolgreich den Sprung zum Vollpreisspiel geschafft hat.

    Wer wollte nicht schon immer einen "dauerspitzen" Zauberer mit dem Beinamen "der Perverse" spielen? Oder eine "Schlampe", die wie "ein Pin-up-Girl aus der Hölle" aussieht? Nein? Wie wäre es mit einem "furchtbar sadistischen Barbar" oder einer "Junkie-Elfe"? Auch nicht? Vielleicht könnten wir euch ja für einen Zwergenkrieger interessieren, der "so subtil wie ein Schädelbasisbruch" vorgeht? Falls ihr beim Lesen dieser Zeilen aus dem Kopfschütteln nicht mehr herauskommt, dürfen wir euch gratulieren: Ihr habt Geschmack. Der ging dem übermütigen Packungstexter der Retail-Version von Das Schwarze Auge: Blackguards wohl ab – anders lässt sich nicht erklären, wie es derartig infantile, von uns weiter oben zitierte Figurenbeschreibungen auf die Packung eines Spiels geschafft haben, das eine USK-Freigabe ab 12 Jahren erhalten hat und sich mit seinen komplexen Hexfeld-Gefechten in rundenbasierter Old-school-Manier an ein vermeintlich gediegenes Spielerpublikum richtet. Ganz davon abgesehen, dass die Protagonisten von Blackguards mit dieser verfehlten Charakterisierung nur im entferntesten Sinne etwas zu tun haben.

    Schurken, die eigentlich Helden sind

    Mit Charakteren und Story gewinnt Blackguards keinen Originalitätspreis. Mit Charakteren und Story gewinnt Blackguards keinen Originalitätspreis. Quelle: PC Games Blackguards nutzt Welt und Regeln des deutschen Pen&Paper-Rollenspiels Das Schwarze Auge in der vierten Edition. Klingt nach Heiler-Welt-Fantasy mit klaren Grenzen zwischen Gut und Böse wie im tollen DSA-Ableger Drakensang. Ist es auch, obwohl in Blackguards die Protagonisten anfangs als Schurken und Halsabschneider dargestellt werden – nur um im Spielverlauf trotzdem wie erwartet als rechtschaffene Streiter Menschen in Not zu helfen und das Böse zu bekämpfen. Zu Beginn erstellt der Spieler einen eigenen Charakter – auf Wunsch auch im Expertenmodus mit individueller Punktvergabe auf etliche DSA-konforme Attribute, Talente und Zauber. Bei einem Gefängnisausbruch schließen sich dem vermeintlichen Anti-Helden zwei Mitstreiter mit fraglicher Moral an, später ist man mit einer maximal fünfköpfigen Gruppe unterwegs. Wer sich jetzt in Erinnerung an legendäre Party-Rollenspiele der 90er oder ein Dragon Age: Origins auf vielschichte Figuren und spannende Dialoge freut, wird von Blackguards enttäuscht: Die Charaktere bleiben das gesamte Spiel in ihrer klischeehaften Rolle, durchleben keinerlei Wandlung und fallen stets auf die gleichen Klischees (cholerischer Zwerg, sexy Südländer) zurück.

    Die Hintergrundgeschichte kommt besser weg als die Charaktere, was sie besonders dem mysteriösen Beginn inklusive (klischeehaftem) Gedächtnisverlust und einem ungeklärten Mord zu verdanken hat. Der zu Anfang gefolterte Held erhält fix eine nachvollziehbare Motivation, dem mutmaßlichen Bösewicht nachzustellen und der Spieler wird mit vielen offenen Fragen zurückgelassen, auf die es Antworten zu finden gilt. Unglücklicherweise verliert der Plot schon bald an Fahrt und kommt spätestens im dritten von insgesamt fünf Kapiteln zwischenzeitlich zum Erliegen. Überflüssige, zu lang ausgewalzte Flashbacks in die Vergangenheit des Haupthelden verlangsamen das Tempo zusätzlich und tragen nichts zur Story bei. Wir vermissten beim Test an allen Ecken und Ende starke Prota- und Antagonisten.

    Den ausführlichen, aber schwach geschriebenen Dialogen fehlt es zudem an Witz und Schlagfertigkeit. Schon nach kurzer Spielzeit ist man so versucht, die Texte möglichst schnell weg zu klicken, trotz der souveränen deutschen Vollvertonung. Wie von Publisher Daedalic gewohnt, überzeugt der Großteil der Sprecher mit guten Leistungen, besonders die Gruppenmitglieder sind prima getroffen. Bei einigen Nebenfiguren gibt es aber auch nervige Totalaussetzer, die äußerst unpassend wirken und die heimelige Fantasy-Atmosphäre des Spiels torpedieren. Einige besonders krasse Beispiele präsentieren wir euch in unserem Testvideo.

    06:49
    Das Schwarze Auge: Blackguards im Testvideo: Rundentaktik trifft Rollenspiel
    Spielecover zu Das Schwarze Auge: Blackguards
    Das Schwarze Auge: Blackguards

    Hexereien auf dem Hexfeld

    Aber gut, wen interessiert schon die Geschichte? Was zählt, ist schließlich auf'm Platz! Das Spielfeld, auf dem in Blackguards die Post abgeht, ist in Hexfelder unterteilt: Das Taktik-Rollenspiel lebt von seinen Rundenkämpfen gegen Banditen, Echsenmenschen und allerlei anderes Fantasy-Kroppzeug. Und hier liefert Blackguards genau das, was so manch ein PC-Spieler älteren Semesters in den letzten zehn Jahren vielleicht vermisst hat: Knackige Taktik-Gefechte gegen eine KI-Übermacht, in denen es darauf ankommt, die richtigen Zauber vom richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt auf das richtige Ziel zu schleudern. Helden und Feinde kommen in jedem der Hunderten Gefechte nacheinander zum Zug, der Initiative-Wert der Figuren bestimmt die Reihenfolge im Kampf. Jeder Charakter verfügt über zwei Bewegungsradien: Von dunkelblauen Feldern darf der Krieger nach der Bewegungsphase noch eine Aktion ausführen, etwa angreifen, einen Heiltrank schlürfen, Fallen suchen und entschärfen oder einen Zauber sprechen. Schickt ihr dagegen eine Figur auf ein dunkelgraues Feld in der Entfernung, kann sie von dort aus bis zum nächsten Zug keine weitere Aktion ausführen. Die Entwickler verleihen dem System durch eine Warten-Funktion zusätzliche Finesse: Charaktere können sich ihre Aktion bis zum Ende des Zugs aufsparen, etwa um einem bis dahin in Reichweite getrotteten Feind den Todesstoß zu versetzen. Per (arg kleinem) Kreismenü und einer Schnellzugriffsleiste für jeden Helden wählt ihr die gewünschte Aktion fix aus.

    Viele Objekte lassen sich zerstören, etwa diese Gegner-Abkürzungen aus Spinnenseide. Viele Objekte lassen sich zerstören, etwa diese Gegner-Abkürzungen aus Spinnenseide. Quelle: PC Games Die Kämpfe funktionieren grundsätzlich gut, machen Spaß und bieten dank einer großen Auswahl an benutzbaren Gegenständen, Zaubersprüchen und aktiven Fähigkeiten sowie drei spielbaren Klassen (Kämpfer, Magier, Jäger) viel Raum zum Ausprobieren. Feine Sache: Die Entwickler haben nahezu jedem Schlachtfeld eine Besonderheit verpasst, meist durch den Einbau von interaktiven Objekten. Mit der V-Taste dürfen sich Spieler alle benutzbaren Gegenstände auf einer Gefechtskarte anzeigen lassen. Das können Kistenstapel sein, die sich zu einer Barrikade umschubsen lassen. Oder Hebel und Druckplatten, die Fallen auslösen. Einmal gilt es, einen wild gewordenen Gorilla einzufangen, indem der Spieler einen an einem Krahn hängenden Käfig exakt ausrichtet und nach unten fahren lässt. Cool! Dann wieder müsst ihr innerhalb eines knapp bemessenen Rundenlimits eine bestimmte Kartenposition zu erreichen, um eine Gefangene zu retten. Und ein anderes Mal kriecht mit jedem Zug ein tödlicher Nebel hinter den Helden her – wer nicht weit genug vorausläuft oder unterwegs an Zombies und Giftspinnen hängen bleibt, erstickt. Ja, Blackguards gibt sich wirklich Mühe, das altbekannte Kampfsystem mit interessanten Aufgabenstellungen kräftig aufzumischen. Prima, zumal das Spiel euch dazu anstachelt, mit den interaktiven Objekten zu experimentieren. Allerdings gibt es zwischendrin auch immer wieder viele Standardkämpfe, die eher in Arbeit ausarten als stets auf Neue Spaß zu machen.

    Viele Zaubersprüche sind unnütz und kosten irre viel Astralenergie - da stimmt die Balance nicht. Viele Zaubersprüche sind unnütz und kosten irre viel Astralenergie - da stimmt die Balance nicht. Quelle: PC Games Die Frustgefahr von Blackguards liegt vor allem im zuweilen exorbitant hohen, meist aber einfach schlecht ausbalancierten Schwierigkeitsgrad begründet. Das Spiel bietet drei Einstellungen zur Auswahl, doch selbst auf "Einfach" ist speziell die Anfangsphase brutal schwer. Das liegt nicht nur an der zahlenmäßigen Überlegenheit der Widersacher, sondern auch am allgegenwärtigen Würfelglück – wobei Würfelpech der passendere Begriff ist, denn ungeduldige Spieler werden ob der ungünstig fallenden Würfel häufig fluchen. Ob ein Schlag oder Zauber trifft oder ein Charakter beim Durchqueren einer knöcheltiefen Pfütze (!) stolpert, wird nämlich anhand der Charakterwerte von Held und Gegner ausgewürfelt – allerdings unsichtbar im Hintergrund, selbst das Kampf-Log zeigt die Ergebnisse dieser ständigen Würfe nicht an. Daher ist es oft nicht nachvollziehbar, warum ein Charakter nicht trifft, zumal die Trefferchancen erst dann angezeigt werden, wenn ihr einige Punkte in das entsprechende Talent der jeweiligen Figur gesteckt habt. Diesen Mangel an Zugänglichkeit könnten wir noch verzeihen. Aber es kommt noch schlimmer: Weil der Gegner stets im Vorteil ist und eine Handvoll schlechter Würfe schon den K.O. für ein Gruppenmitglied bedeuten kann und ihr in den ausufernden Kämpfen (30 Minuten pro Gefecht sind keine Seltenheit) auch nicht speichern dürft, artet Blackguards rasch in Trial & Error aus.

  • Das Schwarze Auge: Blackguards
    Das Schwarze Auge: Blackguards
    Publisher
    Daedalic Entertainment
    Developer
    Daedalic Entertainment
    Release
    24.01.2014
    Es gibt 40 Kommentare zum Artikel
    Von XmuhX
    Bewertungen sind für mich IMMER sehr fragwürdig!Miese Bewertungen liegen meistens nicht an dem Game, sondern an dem…
    Von Prokktor
    Ich verstehe viele Bewertungen dieses Spiels nicht, hier werden nach DSA Regeln Charaktere erstellt und diese kämpfen…
    Von MisterSmith
    Drakensang am Fluss der Zeit, da gab es zumindest einige unterschiedliche einzigartige Rüstungen und Waffen. Egal, ich…

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    • Es gibt 40 Kommentare zum Artikel

      • Von XmuhX Neuer Benutzer
        Bewertungen sind für mich IMMER sehr fragwürdig!
        Miese Bewertungen liegen meistens nicht an dem Game, sondern an dem Tester und den Kriterien nach denen getestet wird!

        Also ich finde das DSA sich eben mit der realistisch und erwachsen wirkenden Welt, die an ein strenges Regelwerk geknüpft ist, von anderen…
      • Von Prokktor
        Ich verstehe viele Bewertungen dieses Spiels nicht, hier werden nach DSA Regeln Charaktere erstellt und diese kämpfen dann Rundenbasiert, dazu gibt es eine halbwegs vernünftige Story die die Kämpfe verknüpft. Wer Open-World RPG Elemente und eine x Millionen € teuere inszenierung ala Diablo 3 erwartet, der…
      • Von MisterSmith Erfahrener Benutzer
        Zitat von BxBender
        Aber wie schon gesagt, man darf da keine Wunder erwarten, alles bleibt ziemlich realistisch. Es wird nie übertrieben und man kann sich nur hier und da etwas verbessern. Das ist ja das schöne.
        Drakensang am Fluss der Zeit, da gab es zumindest einige unterschiedliche…
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1106820
Das Schwarze Auge: Blackguards
Test: Harte Taktik-Nuss mit Mängeln
Hexfelder, Zahlenwust und bergeweise Fantasy-Klischees: Mit Blackguards erwartet Freunde kniffliger Rundengefechte ein anspruchsvolles, umfangreiches, aber zuweilen auch überkompliziertes Taktik-Rollenspiel mit vielen Ecken und Kanten. Unser Test inklusive Video-Review verrät, ob das ehemalige Early-Access-Projekt erfolgreich den Sprung zum Vollpreisspiel geschafft hat.
http://www.pcgames.de/Das-Schwarze-Auge-Blackguards-Spiel-20910/Tests/Das-Schwarze-Auge-Blackguards-im-Test-1106820/
28.01.2014
http://www.pcgames.de/screenshots/medium/2014/01/06_20140127150014-pc-games_b2teaser_169.jpg
blackguards,rollenspiel,taktik,das schwarze auge
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