Cuphead im Test: Schön und jung, im Herzen alt - Studio MDHR zelebriert Spieleklassiker und handgefertigte Animationen.

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Test Katharina Pache - Autorin Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Cuphead im Test: Schön und jung, im Herzen alt - Studio MDHR zelebriert Spieleklassiker und handgefertigte Animationen.
Quelle: PC Games

Hoch die Tassen! Nach jahrelanger Entwicklungszeit und ein paar Verschiebungen erfolgte endlich der Release des animierten Action-Games Cuphead aus dem Haus Studio MDHR auf Xbox One und PC. PS4 und Switch gehen leer aus - schade, denn Cuphead ist ein Spektakel, das vielleicht nicht jedem, aber vielen gefallen wird.

Zahlreiche Verschiebungen und nachträgliche Änderungen am Spielprinzip lassen generell nichts Gutes vermuten. Cuphead (jetzt kaufen 43,89 € ) jedoch beweist, dass es sich trotz solcher Nachrichten lohnt, Optimist zu bleiben, denn das wundervoll animierte Action-Spiel ist tatsächlich so gut, wie es sich Spieler auf der ganzen Welt erträumt haben. Dennoch eignet sich das anspruchsvolle Cartoon-Erlebnis nicht für Jedermann, denn nicht nur optisch, sondern auch spielerisch verneigt sich Cuphead vor den guten, alten Zeiten. Und der Schwierigkeitsgrad ist zwar nicht ganz so unbarmherzig, wie es euch manch ein Posting im Internet weismachen möchte, aber ganz ohne Probleme und in einem Rutsch lösen wohl nur die wenigsten Spieler ihre Seele beim Teufel aus. Ob ihr die Voraussetzungen erfüllt, um bald Mitglied in der stetig wachsenden Fangemeinde von Cuphead zu werden, klärt der Test.

Nicht mehr alle Tassen im Schrank

Cuphead und Mugman führen ein ruhiges Leben auf den Inkwell Islands, jedenfalls bis die beiden ein zwielichtiges Casino entdecken. Der Elder Kettle hat es ihnen zwar verboten, aber das macht das Glücksspiel natürlich noch verlockender. Zunächst ist Fortuna den beiden hold, doch die Katastrophe bahnt sich an. Euphorisiert von all den Gewinnen setzt Cuphead alles auf eine Karte - und verspielt seine und Mugmans Seele an den Chef des Casinos, Satan persönlich. So ist das eben, wenn man mit dem Teufel Geschäfte macht: Raus aus dem ­diabolischen Deal kommen die Helden nur, wenn sie die Schulden, ergo Seelen der restlichen Bewohner der Inkwell-­Inseln eintreiben. Egal ob Bienenkönigin, Killerroboter oder dreiköpfiger Drache - keiner der Schuldner tilgt seine Verbindlichkeiten freiwillig.
Gewetzte Messer: Alle Bosse durchlaufen verschiedene Angriffsphasen. Die kurzen Intros vor den Kämpfen sind liebenswert und amüsant umgesetzt.  Quelle: PC Games Gewetzte Messer: Alle Bosse durchlaufen verschiedene Angriffsphasen. Die kurzen Intros vor den Kämpfen sind liebenswert und amüsant umgesetzt. 

Rennen, schießen, sterben

Unkraut jäten: Zu zweit ist Cuphead nicht unbedingt einfacher, Spaß macht das kooperative Spiel aber allemal. Stirbt der Freund, könnt ihr ihn unter Umständen retten. Quelle: PC Games Unkraut jäten: Zu zweit ist Cuphead nicht unbedingt einfacher, Spaß macht das kooperative Spiel aber allemal. Stirbt der Freund, könnt ihr ihn unter Umständen retten.

Der Fokus von Cuphead liegt auf Bosskämpfen, von den sidescrollenden Run&Gun-Levels gibt es nur eine Handvoll. Im Vergleich zu den stets in mehreren Phasen stattfindenden, verrückten Auseinandersetzungen verblasst ein Großteil der Laufabschnitte, obschon auch dort herausragende Momente im ­Gedächtnis bleiben - etwa, wenn Cuphead in einem Gruselkabinett an der Decke läuft oder von einem Troll durch eine Ruine verfolgt wird. Das Bewegungsrepertoire der Helden ist perfekt auf die Anforderungen abgestimmt: Cuphead und Mugman schießen, springen und legen per Boost Entfernungen zurück. Drückt ihr die Sprungtaste, sobald ihr auf pink markierten ­Objekten landet, wird eure Superleiste aufgeladen - mit ihr entfesselt ihr besonders starke Attacken. Dankenswerterweise ist die Steuerung komplett konfigurierbar; der Sprint auf der Y-Taste und das Fixieren des Helden per LB sind keine gute Idee, am besten ändert ihr das sofort. Von versteckten Münzen kauft ihr euch bei Händler Porkrind neue Waffen (etwa zielsuchende Geschosse oder Kugeln mit Streuschaden) und Hilfsmittel wie zusätzliche Herzcontainer. Ab und an seid ihr nicht zu Fuß, sondern über den Wolken im Flugzeug unterwegs. Zu den beiden Waffenoptionen und dem Boost kommt in diesem Setting die Möglichkeit, zu schrumpfen, um einfacher auszuweichen. Feuerkraft und Reichweite sind in Miniaturgestalt aber eingeschränkt.

Reflex und Köpfchen

Schnösel: In der Oberwelt trefft ihr auf unterschiedliche NPCs. Manche geben euch Spielhinweise.  Quelle: PC Games Schnösel: In der Oberwelt trefft ihr auf unterschiedliche NPCs. Manche geben euch Spielhinweise.  Schnelle Erfolge sind selten in ­Cuphead, der Kern des 2D-Spektakels besteht aus dem Verinnerlichen der Boss-Angriffsmuster - und das kann mitunter eine Weile dauern, abhängig von eurer Genreerfahrung. Bloßes Auswendiglernen alleine führt jedoch nicht zwangsläufig zum Sieg, dafür sorgen die Zufallselemente. Viele Bosse kombinieren Attacken und Geschosse verhalten sich teilweise randomisiert. Gelegentlich führt das zu unvermeidbaren Treffern, im Großen und Ganzen ist der Schwierigkeitsgrad von Cuphead für Genreverhältnisse aber absolut in Ordnung, zumal ihr die Wahl zwischen zwei Stufen habt (später kommt noch eine hinzu). Anders als in einer Menge Klassikern müsst ihr euch zudem nie Gedanken über die Anzahl eurer Leben machen, ihr habt unendlich viele Versuche und Zeit, um die Herausforderungen zu meistern. Ab und zu sorgt ein Design-Sünden-Duo für unnötigen Frust: Bei einigen Arenen verdecken Objekte im Vordergrund das Geschehen, und die Hitboxen einiger Bosse entsprechen nicht immer deren Silhouette. Auf der Xbox gab es beim Test einen Absturz sowie ein paar Bugs zu verzeichnen, die meiste Zeit über läuft Cuphead aber einwandfrei und flüssig. Geduld erfordern auf der Xbox One die Ladezeiten.

Verteufelt schön

Weg hier: Dieser Troll ist einer der wenigen Gegner, die ihr nicht per Schusswaffe besiegen könnt.  Quelle: PC Games Weg hier: Dieser Troll ist einer der wenigen Gegner, die ihr nicht per Schusswaffe besiegen könnt.  Abhängig von eurem Geschick werdet ihr fünf bis sieben Stunden mit eurem teuflischen Job beschäftigt sein, solltet ihr Interesse an den freischaltbaren Inhalten und den Bestwertungen haben, kommen noch ein paar Stunden obendrauf. Erfolge fühlen sich in Cuphead befriedigend und verdient an, zumal es Freude bereitet, festzustellen, wie man mit der Zeit immer besser mit den Herausforderungen klarkommt. Einen großen Teil der Faszination macht selbstverständlich auch die einzigartige Gestaltung des Spiels aus: Mit unglaublich viel Liebe zum Detail fängt Cuphead wie kein anderer Titel den Charme klassischer Animation aus den 1930er-Jahren ein. Die Authentizität verdankt das Spiel handgemalten Hintergründen und klassischer Animation, die jedoch teuer und zeitaufwendig ist - weshalb der heißersehnte Titel mehrmals verschoben werden musste. Zur bombastischen Optik kommen zeitgenössisch klingende, extra für das Spiel komponierte Jazz- und Ragtime-Stücke. Die Kreativität macht nicht bei der grafischem Umsetzung Halt, weitab von langweiligen Allerweltsgegnern brennt Cuphead ein Feuerwerk kreativer Boss-Ideen ab, bei dem andere Titel vor Neid erblassen: Wo sonst bekämpft ihr eine feuerspuckende Zigarre im Aschenbecher oder eine renommierte Theaterschauspielerin, der ihr euch ein ganzes Stück über in vier verschiedenen Bühnenbildern stellen müsst? Trotz der offensichtlichen Qualitäten wird Cup­head wegen der starken Orientierung an Klassikern und einem vergleichsweise hohen Schwierigkeitsgrad aber nicht jedem Jump&Run-Fan gefallen. Enger als mit Rayman und Mario ist Cuphead mit Mega Man und Titeln wie Metal Slug und Contra verwandt - wer damit kein Problem hat, sollte schleunigst den schmutzigen Deal mit dem Teufel eingehen!

Meinung

Wertung zu Cuphead (PC)

Wertung:

9.0 /10

Wertung zu Cuphead (XBO)

Wertung:

9.0 /10

Wertung zu Cuphead (NSW)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
Einzigartige, umwerfende OptikGegnergestaltung sprüht vor KreativitätUnterschiedliche FähigkeitenUnkomplizierter Koop-ModusWundervolle MusikuntermalungSteuerung konfigurierbarSchöne SecretsNicht immer einfach, aber meistens fair
Objekte im Vordergrund verdecken manchmal SpielgeschehenHitboxen nicht immer genauRun&Gun-Level teilweise ödeGelegentliche BugsLange Ladezeiten auf der Xbox One
Fazit

Cuphead wirft einen Blick in die Vergangenheit statt in der Gegenwart zu verharren und fühlt sich gerade deshalb sehr frisch an.

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    • Kommentare (8)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Batze Mitglied
        Ich kann mit dem Game gar nichts anfangen. Und das in allen belangen.
      • Von Batze Mitglied
        Ich kann mit dem Game gar nichts anfangen. Und das in allen belangen.
      • Von moeykaner Mitglied
        Zitat von gutenmorgen1
        Da MS mit dem Spiel nichts am Hut hat, wirst du eher bei den Entwicklern selbst klopfen müssen.

        Einerseits geht es mir beim Grafikstil wie spiritogre - irgendetwas im Hinterkopf assoziiert ihn mit etwas negativem - völlig anders als z.B die Disney-Cartoons der 90er.
        Auf der anderen Seite drückt er aber extremst auf meinen Nostalgieschalter und ich hätte schon ganz gerne ein Action-Adventure oder sonst ein Game eines Genres mit dem ich etwas anfangen kann mit dieser Grafik.
        MS hat die Entwickler finanziell unterstützt und sich Exklusivität erkauft (siehe unten).

        Zitat
        We are 99.9% sure that we will be on Mac (it’s a priority!) – but probably not right at launch. It is an Xbox One exclusive, so it won’t be coming out on PS4!
        Quelle

        Das gilt dann wohl auch für andere Konsolen.
      • Von gutenmorgen1 Spiele-Kenner/in
        Zitat von linktheminstrel
        ich finde den stil (sowohl optisch als auch akustisch) als verehrer der alten Cartoons wunderschön und ja, ich hätte ne Switch-Version ganz gerne gehabt, da mir eben auch cuphead als ein spiel erscheint, das man immer wieder gerne unterwegs für ein, zwei Levels reinwirft. wer weiß, vielleicht lasst sich MS ja doch noch irgendwann bei diesen titeln für Switch-ports begeistern.
        Da MS mit dem Spiel nichts am Hut hat, wirst du eher bei den Entwicklern selbst klopfen müssen.

        Einerseits geht es mir beim Grafikstil wie spiritogre - irgendetwas im Hinterkopf assoziiert ihn mit etwas negativem - völlig anders als z.B die Disney-Cartoons der 90er.
        Auf der anderen Seite drückt er aber extremst auf meinen Nostalgieschalter und ich hätte schon ganz gerne ein Action-Adventure oder sonst ein Game eines Genres mit dem ich etwas anfangen kann mit dieser Grafik.
      • Von sauerlandboy79 Mitglied
        Mit gefällt der Stil, nur die Tatsache dass es ein Jump'n Shoot anstelle eines Jump'n Runs schmeckt mir nicht. Schade.

        Gesendet von meinem 6070K mit Tapatalk
      • Von linktheminstrel Mitglied
        ich finde den stil (sowohl optisch als auch akustisch) als verehrer der alten Cartoons wunderschön und ja, ich hätte ne Switch-Version ganz gerne gehabt, da mir eben auch cuphead als ein spiel erscheint, das man immer wieder gerne unterwegs für ein, zwei Levels reinwirft. wer weiß, vielleicht lasst sich MS ja doch noch irgendwann bei diesen titeln für Switch-ports begeistern. bei minecraft funktioniert's ja auch...
        auch das spielprinzip alla contra, metal slug spricht mich sehr an.
      Direkt zum Diskussionsende
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