Wo die wilden Wikinger wuseln
FISCHERS FRITZE Das Volk ernährt sich von Fischen, Beeren, Wild und Schaffleisch.
Ernst zu nehmende Konkurrenz für Die Siedler 4 und Anno 1503 kommt aus Mülheim/Ruhr: Knuffige Wikinger entdecken nicht nur Vinland, sondern wildern auch im angestammten Revier etablierter Aufbauspiele. Interessant dabei: An Cultures tüftelt fast geschlossen die gesamte Ex-Siedler 2-Crew. Wir haben das für Herbst geplante Strategiespiel bei der Weltpremiere auf der Nürnberger Spielwarenmesse Probe gespielt.
Saftige Wiesen, tiefgrüne Wälder, fröhlich vor sich hin plätschernde Flüsse: Ein tolles Stückchen Erde haben Ihre Wikinger da entdeckt. Die Kerle sind nicht zufällig hier, denn sie haben sich von ihrer Heimat aus aufgemacht, um nach den zwölf Einzelteilen eines niedergegangenen Kometen zu fahnden. Auf ihrer Irrfahrt über die Ozeane stoßen sie auf das spätere Nordamerika und lassen sich hier erst mal häuslich nieder. Vom Schiff werden Holz, Nahrungsmittel und Steine abgeladen, mit denen die ersten Hütten der künftigen Siedlung entstehen.
Jeder Ihrer Wusler hat ein individuelles Aussehen, einen eigenen Namen, einen Beruf und natürlich viele Herzenswünsche und Bedürfnisse, seien es Schlaf oder Hunger. Das Verlangen eines Wikingers nach einer Lebenspartnerin ist insofern verständlich, als dass er sich ansonsten selbst um die Nahrungsbeschaffung kümmern müsste. Als Ehemann wird er von seinem treu sorgenden Weibe mit Beeren, Fleisch und Backwaren bestens versorgt - die Rollenverteilung der Wikinger wird also gängigen Wer-sich-nicht-wehrt-endet-am-Herd-Klischees gerecht. Weil das Völkchen aus Mitgliedern beiderlei Geschlechts besteht, wird munter geflirtet und häufig sogar geheiratet. Mit etwas Glück wirft bald darauf der Storch ein krähendes Bündel ab, dessen Inhalt Sie einen Namen geben dürfen. Dies geschieht allerdings nur dann, wenn sich die Erzeuger in spe vorher ausgesprochen wohl im Dorf fühlen.
Ähnlich wie in früheren Siedler-Folgen steuert man die Wikinger indirekt, sprich: Sie bestimmen lediglich, wo ein Gebäude errichtet werden soll; um das Baumaterial, die Belieferung mit Brettern und Steinen und die Maurerarbeiten kümmert sich das Volk anschließend selbst. Damit Brot gebacken, Mehl gemahlen, Schafe geschoren, Erze gewonnen, Werkzeuge geschmiedet und Bären erlegt werden, brauchen Sie allerdings Spezialisten. Handwerker und Arbeiter durchlaufen eine solide Ausbildung, fangen also als Handlanger an, steigen zum Gesellen auf und sind mit entsprechender Erfahrung irgendwann ein Meister ihres Fachs. Je anspruchsvoller der Beruf (es gibt über 30), desto lauter wird auch der Ruf nach religiösen Kultstätten wie Tempeln oder Steinkreisen.
Bei der Erkundung ihres Eilands treffen die Wikinger auf Indianer, Eskimos und Mayas, mit denen man Waren tauschen darf - Motto: Gibst du mir zwei Säcke Wolle, kriegst du von mir eine Fuhre Steine. Kriegerische Auseinandersetzungen lassen sich zwar nicht immer vermeiden, doch von den Echtzeit-Scharmützeln eines Siedler 3 ist das Spiel bewusst weit entfernt - Seeschlachten sind zum Beispiel überhaupt nicht vorgesehen. Was Cultures mit ähnlichen Spielen gemeinsam hat, ist die bilderbuchartige Optik: Liebevoll animierte Figuren, umhertollende Tiere wie Hasen, Eichhörnchen und Bären, allmählich entstehende Gebäude - all das trägt zum viel zitierten Wuselfaktor bei, der schon jetzt das Beobachten des bunten Treibens auf dem Bildschirm zum Erlebnis macht. Die Detailverliebtheit geht so weit, dass geschorene Schafe quasi "nackt" herumlaufen, bis das Fell nachgewachsen ist.
Ehe das Spiel im dritten Quartal 2000 erscheint, sind noch einige offene Fragen zu klären. Sollen die Wikinger altern? Können sie "sterben"? Wie laufen Kämpfe ab? All das wird Funatics erst im Lauf der kommenden Monate enthüllen.

