Online-Abo
Login Registrieren
Online-Abo
Möchtest du diese Seite als Startseite festlegen?
als Startseite festgelegt.
    Möchtest du diese Seite als Startseite festlegen?
    Mobile als Startseite festgelegt.
    Login Registrieren
  • Spieler in der Schusslinie

    Karikaturist Bender zeichnet die Ratlosigkeit der Szene nach den Falschdarstellungen in der Presse nach. Karikaturist Bender zeichnet die Ratlosigkeit der Szene nach den Falschdarstellungen in der Presse nach. Montag, 13. Mai 2002. Drei Tage, bis die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften entscheidet, ob sie den Actiontitel Counter-Strike indiziert. Zum ersten Mal sind zwei Sprecher der Spielerschaft zu so einer Anhörung eingeladen.
    Rami Allouni und Sven Spilker, beide 24, sitzen auf der Terrasse eines Cafés am Bremer Weserufer bei Cappuccino und Apfelsaft und schwitzen. Weil die Sonne scheint, weil noch viel zu tun ist.
    "Eine halbe Stunde Redezeit kriegen wir", sagt Rami. Sven nickt und schaut auf den Zettel vor sich. Einige Stichpunkte hat er bisher hingekritzelt, aber mehr als die Hälfte des Blattes ist leer. "Zu Hause haben wir uns überlegt, was jeder vorträgt. Jetzt wollen wir das noch abstimmen und das Timing angleichen." Wenn es in dem Heckmeck nur leichter wäre, sich zu konzentrieren.
    Eine Wahl über Fan-Seiten im Internet hat den Systemadministrator und den Polizisten dazu bestimmt, dem zwölfköpfigen Gremium in der Bonner Behörde zu erläutern, weshalb die Spieler keine Gefahr für Jugendliche in ihrem Lieblingsprogramm sehen, sondern einen Sport. Unter den Spitznamen Raal und Moquai sind Rami und Sven seit langem in der Szene engagiert, auch angesehen. Den Auftritt betrachten sie eigentlich als große Chance. "Wir wollen darstellen, wer wir sind, was wir da tun und dass Eltern wegen dieses Hobbys keine Angst um ihre Kinder haben müssen", erzählt Rami.Aber seit den grauenhaften Geschehnissen in Erfurt scheint das Unterfangen aussichtslos. Zwar hatte ein Jugendamt den Indizierungsantrag längst eingereicht, als das Verbrechen geschah. Im tobenden Bundestagswahlkampf ließen Politiker aller Parteien dennoch den Eindruck entstehen, sie hätten das Verfahren just angestrengt.
    Zusätzlich schürte der bayerische CSU-Innenminister Günther Beckstein die Angst unter denen, die sich mit Unterhaltungsangeboten für den PC überhaupt nicht auskennen, indem er möglichst oft über "Killerspiele" schwadronierte. Die reißerische Floskel hatte seit Jahren zu seinem Vokabular gehört - blöderweise fand er in der neuen Aufregung Zuhörer. Eine Folge: Bei einer Forsa-Umfrage im Auftrag von Stern und RTL unter 1.003 Deutschen gaben Anfang Mai 67 Prozent an, sie seien für ein Verbot von gewalttätigen Computerspielen. Ein klares Ergebnis auf den ersten Blick. Teilt man es jedoch nach Altersgruppen auf, zeigt sich: In der Gruppe "60 Jahre und älter" waren 91 Prozent für ein Verbot - in der Gruppe "18 bis 29 Jahre" dagegen nur 41 Prozent. Plötzlich haben Senioren Angst vor Ego-Shootern. Derselbe Herr Beckstein lehnte nach dem Massaker in Erfurt geplante Änderungen der Bundesregierung am Waffengesetz ab - die Vorlage sei geprägt von einem "pauschalen Misstrauen gegenüber legalen Waffenbesitzern und daher völlig verfehlt". Die Schützenvereine klatschten Beifall.
    Schlimmer noch, dass Fernsehen und Radiosender, Zeitungen und Zeitschriften wochenlang berichteten, Counter-Strike solle Robert Steinhäuser das Töten beigebracht haben. Dabei sagt die zuständige Polizeidirektion auf Nachfrage deutlich: "Uns ist zum bisherigen Ermittlungsstand nichts davon bekannt, dass der Täter diese Software besessen hat."
    "Unsere Chancen stehen nicht mehr gut - eigentlich hat sich"s erledigt", schätzt Sven die Lage ein. Und Rami fügt ebenso pessimistisch hinzu: "Diese Sache ist dermaßen politisiert worden "" Ein Seufzen vervollständigt den Satz.
    Seitdem das Medienkarussell angesprungen ist, hängen Rami und Sven täglich Mikrofone vor der Nase. Mit am Tisch sitzt auch in diesem Moment ein TV-Journalist. Der Mann ist vom ZDF und bereitet den Beitrag vor, den das Heute Journal am Abend nach der BPjS-Entscheidung ausstrahlen wird. Die Kamera ist noch verpackt. Rami und Sven sprechen mit ihm über das Leben in einer Community - darüber, dass Spieler-Clans wie Vereine aufgebaut sind, dass jedes Mitglied Organisationsaufgaben hat, dass die Szene sogar Stars samt - man höre und beneide - samt Groupies vorweisen kann. Sie unterhalten sich auch darüber, warum in Counter-Strike taktische Mannschaftsbesprechungen abgehalten werden, warum nur bestimmte Maps spannende Spielfelder sind, warum Turnierspieler die Details der Grafik so weit reduzieren wie nur irgend möglich und an nichts weniger interessiert sind als an spritzendem Blut.
    "Wir sind früher Skateboard gefahren", scherzt der Redakteur, nachdem er eine ganze Weile interessiert zugehört hat. "Ich habe immer Fußball gespielt", gibt Rami sofort zurück. "Ich Tischtennis", hängt Sven sich hintendran. Weg mit dem Bild von den Stubenhockern, so weit weg damit wie möglich.
    Der Auftritt vor der Kamera verläuft leidlich. Für die einfachste Einstellung - Rami und Sven unterhalten sich während eines Spaziergangs - benötigt das ZDF drei Versuche. Wegen eines Hundehaufens und wegen eines ungewollten Grinsens in Svens Gesicht. Die restlichen Aufnahmen gelingen tadellos. Wieso, glaubt ihr, sollte Counter-Strike nicht verboten werden? Welche Argumente werdet ihr vorbringen? Denkt ihr, die Vorwürfe an das Spiel sind gerechtfertigt? Die Fragen sind immer die gleichen. Sven und Rami spulen die Antworten routiniert runter. Nur ihre Körperhaltung lässt noch ahnen, dass es sie nervös macht, vor einer Kamera zu stehen. Wie sich die Rückenmuskeln anspannen, wird im Bild aber nicht sichtbar sein.
    Dann verabschiedet sich das Fernsehen so freundlich, wie es gekommen ist. Trotzdem sind Rami und Sven sicher, dass sie ein weiterer Verriss erwartet. Gebranntes Kind scheut das Feuer. Der Redakteur werde schon erwähnen, dass eine Indizierung von Counter-Strike nichts bringe. "Aber er wird sagen, es bringt deshalb nichts, weil die Jugendlichen die Programme unerlaubt aus dem Internet ziehen. Damit stehen wir wieder als Kriminelle da", malt Rami aus. Und Sven stimmt zu: "Am Wochenende war er auf einer kleinen Dorf-LAN-Party. Das wird den Bericht nicht positiver machen. Die Stimmen, die von unprofessionellen Veranstaltungen kommen­ "" "Da treten halt irgendwelche Idioten auf, die gar keine Ahnung vom Spielen haben", unterbricht Rami.
    Angesichts ihrer jungen Medienkarriere ist es erstaunlich, wie viele Anekdoten über wüst gekürzte Radio-Interviews und aus dem Kontext gerissene Zitate im TV die zwei schon zu erzählen wissen. "Du hast keine Chance", fasst Rami am Ende zusammen. "Du bist abhängig davon, wie dich andere Menschen darstellen wollen. Du kannst 90 Minuten nur Gutes über dein Hobby erzählen und am Ende ehrlich anhängen: "Klar wird da auch geschossen." Gesendet wird dann garantiert nichts als: "Klar wird da auch geschossen."" "Wir sind den Medien völlig unterlegen", meint auch Sven. "Sogar meine Mutter hat mir jetzt schon Dinge gesagt wie "Du kannst Dich mit solchen Leuten doch nicht abgeben". Die Öffentlichkeit hat plötzlich ein komplett verzerrtes Bild von uns Spielern." "Und vorher hatte sie gar keines, weil es sie nicht interessiert hat, was wir machen", merkt Rami an.
    Wenn man sie fragt, warum sie PR-Statements nicht bleiben lassen, steht in Ramis und Svens Gesichtern zu lesen: "Zu spät!" Am Anfang - vor Erfurt - wollten sie der Counter-Strike-Szene mehr Gehör verschaffen. Später hatten sie die naive Hoffnung, die verfälschte Darstellung ihres Hobbys gerade rücken zu können, den Image-Schaden abzuwenden. Und: "Wenn wir jetzt nichts mehr sagen, zerren die irgendjemand anderen vor die Kamera, der überhaupt nichts mit der Community zu tun hat und womöglich richtig Schaden anrichtet", so Rami. Auch er wurde kürzlich von seinem Vater misstrauisch gefragt, was er da vor dem PC eigentlich treibe.
    Der Nachmittag ist angebrochen und Svens Zettel noch immer nur teilweise beschrieben. Rami muss bis zum Abend außerdem sein Team für das Länderspiel der deutschen gegen die slowenische Counter-Strike-Nationalmannschaft aufgestellt haben - er ist der Coach, am nächsten Tag steht das Match an.
    Umso schneller klären Rami und Sven jetzt, wie sie vor dem BPjS-Gremium auftreten wollen. Vom Ablauf der Sitzung haben sie ein ungefähres Bild: Erst wird der Anwalt des Counter-Strike-Publishers Vivendi-Universal einen Vortrag halten, dann kommt ihr Auftritt, nach einer Beratung hinter verschlossenen Türen irgendwann der Schiedsspruch. Rami will vor allem ausführlich schildern, dass man als Counter-Striker gar keine Chance hat, ohne Kommunikation vor sich hin zu ballern. Sorgen bereitet ihm dabei nur, dass bei der Anhörung ein unbekannter Freiwilliger live und auf einem offenen Server demonstrieren soll, wie man Counter-Strike spielt. "Wenn der sich nicht auskennt, überlebt er keine 30 Sekunden und es kommt völlig falsch rüber." Sven hat Zahlen vorbereitet, mit denen er kurz und knapp die Größe und Wichtigkeit der Szene belegen will, die von der BPjS-Entscheidung abhängt. "Wir reden hier ja schließlich von mindestens 500.000 aktiven Spielern in Deutschland", sagt er. Die Zahl ist laut Vivendi-Universal geschätzt, gestützt von Verkaufsstatistiken.
    Wo sich so viele Menschen mit gemeinsamen Interessen treffen, sind Sponsoren normalerweise nah. Große Netzwerk-Turniere, auf denen sich die besten Spieler messen und um Preisgelder kämpfen, lassen sich auch gar nicht finanzieren, wenn nicht werbewillige Prozessoren- und Grafikkartenfirmen Geld beisteuern. Doch die Nachrichtenagentur dpa meldete bald nach dem Erfurter Attentat, der weltgrößte Chiphersteller Intel habe angekündigt, "sein Engagement als Sponsor von LAN-Partys zu überdenken". In der Luft hängt: Wird Counter-Strike indiziert, damit Jugendliche geschützt sind, dann stirbt das Spiel gleichsam auch für die Erwachsenen.
    Umso verwunderlicher erscheint unter diesem Aspekt, dass der Publisher sowie der Verband der Unterhaltungssoftware Deutschland (VUD) in der Diskussion um die Wirkung von Gewalt in Computerspielen so still bleiben. Bevor sich der VUD in einer Presseerklärung gegen einseitige Schuldzuweisungen wehrte, war schon eine Woche vergangen. Vivendi-Universal Deutschland meldete sich früher zu Wort - in Anbetracht der krassen Fehlberichterstattungen allerdings mit einer nur sehr vorsichtig verfassten Mitteilung. Eine zweite, deutlichere Stellungnahme der Firma folgte viel später. Jetzt heißt es hinter vorgehaltener Hand: "Bevor wir ein Statement nach draußen geben konnten, musste es über alle Stufen der Hierarchie nach oben gehen - bis nach Amerika - und wieder zurück. Wir wollten handeln, mussten aber auf das Okay warten."
    Den Abend vor der Anhörung bei der Bundesprüfstelle wollen Rami und Sven mit Freunden verbringen, um Kraft zu sammeln. Klingelnde Telefone würgen die Gemütlichkeit leider ab. "Hier bricht die Hölle los!", wundert sich Rami. "Wenn sich die ARD-Sender wenigstens absprechen würden " die rufen auch noch alle einzeln an!" Wenigstens hätten die slowenischen Counter-Strike-Kollegen darauf verzichtet, das Länder-Match heute auszutragen, schiebt er nach. "Die wissen, was hier los ist - sehr fair von den Jungs."
    Donnerstag, 16. Mai 2002. Vor den Türen der BPjS ist um halb zehn alles ruhig. Sind die Journalisten ferngeblieben? Im Gegenteil: Die warten längst im Inneren der Behörde. Blitzlichter zucken grell, Scheinwerfer leuchten den engen Flur aus wie ein Filmset. Sven, unvorsichtig zuerst aus dem Fahrstuhl getreten, antwortet wieder auf die bekannten Fragen, diesmal nur schneller hintereinander weg und gelassener noch als bei dem ZDF-Gespräch. Rami wartet währenddessen ein Stück weit abseits, bis ihn eine Radio-Reporterin erkennt: "Sind Sie auch einer von den Spielern?"
    Ebenfalls in der Menge, von der Presse größtenteils unerkannt: der Geschäftsführer des Counter-Strike-Publishers, seine Assistentin, der Rechtsanwalt. Das Trio wirkt angespannt, will vor der Sitzung lieber keine Kommentare abgeben.
    Ein Journalist gibt sich nach vollbrachter Interview-Arbeit offenherziger. "Ich warte nur darauf, dass hier einer sagt, die Eltern sollen zur Verantwortung gezogen werden", flüstert er. "Mein Sohn hat seinen PC mit einem Passwort geschützt, seit er 16 ist. Woher soll ich wissen, was der spielt?"
    Mit einem freundlichen "So - guten Morgen" rauscht Elke Monssen-Engberding, die Vorsitzende der BPjS, etwas verspätet an den Wartenden vorbei in den Sitzungsraum. Im Schlepptau hat sie den Rest des 12er-Gremiums, in dem Berufskreise wie Buchhandel, Jugendhilfe, Kirche, Kunst, Lehrerschaft und Literatur vertreten sind. Ernste Gesichter blicken einen an, wohin man schaut. Hinter der Tür deuten nur ein PC und eine Video-Leinwand an, welches Thema hier gleich behandelt wird.
    Elke Monssen-Engberding bittet die Presse näher. Tatsächlich wird ein Helfer Counter-Strike vorführen, während Rami und Sven das Geschehen auf dem Bildschirm kommentieren. Dem Gremium erläutert die BPjS-Vorsitzende noch, dass man es bei Counter-Strike mit einem Spiel zu tun habe, bei dem sich im Gegensatz zu den 3D-Ego-Shootern überhaupt nichts tue, wenn man alleine davor sitze. "Es tut sich nur dann was, wenn Sie im Netzwerk gegeneinander spielen." Knapp führt sie auch aus, dass man sich für Wettkämpfe über Server in Ligen einwählen könne. "Werden Sie getroffen, dann sind Sie raus und können erst mal nur noch zuschauen, was Ihre Mitspieler in dem Moment bewerkstelligen."
    "Aber ich denke, die Einzelheiten werden Ihnen ohnehin gleich dargeboten", schließt sie ab, bevor die Demonstration beginnt. Wer in der Beschreibung Vokabeln wie "umbringen" erwartet hat, staunt über die Sachlichkeit.
    Auch der Vorführer gibt sich merklich Mühe, Counter-Strike fair darzustellen. Er rennt mit seinem Team mit, nutzt jede Deckung, versucht wie die Profis aus so großer Distanz zu schießen, dass die umfallenden Figuren nur vage erkennbar sind. Unter den aktuellen Umständen würden sich Rami und Sven hüten, die mangelnde Trefferquote zu kritisieren. Alles geht glatt, bis Sven das Wort "Tötungsaktionen" über die Lippen rutscht. Sind die Beisitzer zusammengezuckt? Doch nicht? Schnell weiter im Text: "Server sind auch Treffpunkte, wo Sie immer wieder Bekannte treffen." "Die Übersichtskarte ist die taktische Grundlage für das Spiel." "Durch das Ausschalten der Waffengrafik wird der Sichtradius größer." "Die meiste Zeit sieht man keine Gegner." "Von den drei Modi wird eigentlich nur noch die Bombenentschärfung gespielt." "Sehen Sie? Im Chat spricht gerade einer über seine Freundin."
    Nachdem die Journalisten den Raum verlassen haben, beginnt die Vorführung von vorne. Jetzt wird es ernst, alles andere war Show für die Presse. Ob die Jungs, die allein im Jugendheim spielen statt auf LAN-Partys, auch zur Community zählen würden, habe einer wissen wollen, berichten Rami und Sven später. Die Antwort: "Gehören denn die Jungs, die im Park Fußball spielen statt im Verein, nicht zu den Fußballspielern?" Wie viele Minderjährige aktiv spielen, sei eine andere Frage gewesen. Die Antwort: Das lasse sich nicht so einfach feststellen.
    Als der Vivendi-Anwalt mit seiner Stellungnahme an der Reihe ist, beantragt er die Vertagung des Verfahrens. Er habe nicht alle Akten einsehen können. Damit bezieht er sich auf Unterschriftensammlungen von Spielern, die der BPjS überreicht worden sind. Doch das verdutzte Gremium schmettert den Antrag ab, denn die Petitionen kommen gar nicht in die Akten: zu spät abgegeben, als Meinungsäußerung außerdem rechtlich irrelevant.
    Nach über einer Stunde treten Rami, Sven und der Vivendi-Universal-Stab wieder auf den Flur. Wie ist es gelaufen? Wie ist die Stimmung?
    "Drei Minuten! Drei Minuten haben sie uns für unseren Vortrag gelassen!", schimpft Rami, der in der knappen Zeit dargelegt hat, dass Spieler in der Community sozialen Umgang lernen, dass sie in den Clans Verantwortung tragen müssen und dass Vorfälle wie der in Erfurt dort ernsthaft diskutiert werden. Auch der Anwalt ist unzufrieden: "Wenn Leute nicht zuhören, sondern in ihren Dokumenten wühlen, dann ist klar, die haben ihr Urteil schon vorher gefasst." Sven setzt sich auf den Teppich, guckt müde ins Leere. "Das wird nichts", stöhnt er.
    Die schlechte Stimmung dehnt die Wartezeit bis zur Entscheidung lang und länger. Müßige Diskussionen über Quotengeilheit und Skandaljournalismus sind Ventile für die Aufregung - hilfreich sind sie nicht. Einer weiß sicherer als der andere, dass gleich die Axt fällt. Counter-Strike wird indiziert, LAN-Partys gehen den Bach runter, alle kommenden Actionspiele haben gleich verloren.
    Irgendwann verlässt das Gremium den Konferenzraum, an der Spitze Ute Kortländer. Sie war im Vorfeld für den Kontakt der BPjS mit Rami und Sven verantwortlich. "Die Sitzung ist beendet", sagt sie. Und sie lächelt, während sie den Spielern etwas zuflüstert. Die reißen die Augen auf, schütteln ungläubig den Kopf. Dann lächeln sie auch - und sie hören nicht mehr auf.
    Die Entscheidung der BPjS, Counter-Strike nicht zu indizieren, ist unter dem aktuellen politischen Druck eine sehr mutige. Darin stimmen die Anwesenden überein. Dass sich die Behörde dazu durchringen konnte, scheint vor allem auch am vereinten Einsatz der Counter-Strike-Community gelegen zu haben. Jedenfalls merkt Frau Kortländer an: "Es war erstaunlich, wie viele gut begründete E-Mails wir bekommen haben."
    Als Rami und Sven auf der abschließenden Pressekonferenz wieder vor Dutzenden Mikrofonen, Filmkameras und Fotoapparaten sitzen, wirken sie endgültig gelassen. Die Muskeln bleiben locker, die Antworten auch. "Sendet und schreibt, was ihr wollt", denken sie.
    Dass Bundesfamilienministerin Bergmann schon morgen ankündigen wird, "nach Inkrafttreten des neuen Jugendschutzgesetzes diesen Vorgang nochmals" aufzugreifen, können die beiden nicht wissen.

  • Counter-Strike (dt.)
    Counter-Strike (dt.)
    Publisher
    Electronic Arts
    Developer
    Valve Software
    Release
    01.01.2001
    • Es gibt 19 Kommentare zum Artikel

      • Von FritzWitz Neuer Benutzer
        Also man bekommt jedes spiel irgentwo her, es schadet nur dem Deutschen Markt und der Entwicklung von Grafik Design, usw. Also sollte man dies alles lassen, weil die Tragödie von Erfurt kann man nicht auf alle Zocker übertragen, wir sind ja nich amok gelaufen, aber wir sollen es wieder ausbaden, na toll

        Emanuel Firtz (16)
      • Von tom0708 Neuer Benutzer
        Stimmt. Hat man doch am besten bei der teilweisen Legalisierung von Drogen in den Niederlanden gesehen. Man hat sich davon weniger Drogendelikte versprochen, <bekommen> hat man lediglich Drogenausschreitungen in noch nie vorhandenem Maße. Vergesst lieber diese Idee sofort.
      • Von tom0708 Neuer Benutzer
        Stimmt. Hat man doch am besten bei der teilweisen Legalisierung von Drogen in den Niederlanden gesehen. Man hat sich davon weniger Drogendelikte versprochen, <bekommen> hat man lediglich Drogenausschreitungen in noch nie vorhandenem Maße. Vergesst lieber diese Idee sofort.
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 12/2016 PC Games Hardware 01/2017 PC Games MMore 01/2016 play³ 01/2017 Games Aktuell 12/2016 buffed 12/2016 XBG Games 11/2016 N-Zone 12/2016 WideScreen 01/2017 SpieleFilmeTechnik 12/2016
    PC Games 12/2016 PCGH Magazin 01/2017 PC Games MMORE Computec Kiosk On the Run! Birdies Run
article
55991
Counter-Strike (dt.)
Spieler in der Schusslinie
http://www.pcgames.de/Counter-Strike-dt-Spiel-20443/Specials/Spieler-in-der-Schusslinie-55991/
07.06.2002
http://www.pcgames.de/screenshots/medium/2002/06/presse2_online.jpg
specials