Civilization 4
Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Liebe zum Zivilisations-Aufbau nicht: Die neuste Ausgabe der Welteroberung ist zugleich die beste.
Der Ausgang eines Kampfes wird durch eine kurze Animation bei Nahaufnahme gezeigt. Kurios: Einheiten überragen Gebäude.
Es ist nicht ganz der Staub der Jahrhunderte, aber immerhin die Patina von 14 Realwelt-Jahren, welche sich inzwischen auf einer Civilization-Originalschachtel angesammelt hat. Der damalige Herausgeber Microprose ist längst untergegangen, doch der Spielerfinder Sid Meier wurde nach allerlei Rechte-Hickhack wieder mit seinem Baby vereint und beaufsichtigte auch die neueste Fortsetzung.
Veteranenreife und Respekt vor dem Spielgefühl des Stammvaters von 1991 sind beim brandneuen Civilization 4 unübersehbar. Dabei gibt es genug Erweiterungen und Änderungen im Detail, um das Geschichtsinteresse gleichermaßen bei Serien-Novizen und alten Kennern zu entfachen.
Viel mehr als Militär
Diese majestätische Globus-Totale würgt die Framerate rüde ab, hat aber ohnehin wenig spielerischen Nutzen.
Im Gegensatz zur gemeinen Echtzeitstrategie, wo früher oder später alles darauf hinausläuft, das meine hundert Truppen sich auf die hundert Truppen des Computers stürzen, sind bei Civilization 4 auch friedliche Strategien erfolgsträchtig. Die Produktion von militärischen Einheiten und Kriegsführung sind ein Aspekt des Spiels, aber weder der beste noch der wichtigste.
Kampferfahrene Truppen haben jetzt die Wahl zwischen mehreren Beförderungstypen, um Spezialisierungen wie Städteverteidigung oder Kavallerie-Bekämpfung zu erlangen. Forschung, Wirtschaftskraft, Kultur, Religionen sowie Diplomatie sind für den Spielerfolg allerdings nicht minder bedeutsam und sorgen für erfreulich viele Strategien, um zur Weltherrschaft zu gelangen.
Diplomatische Heimtücke
Der Glüheffekt verrät, dass sich dieser Katapult eine Beförderung verdient hat; wir wählen den Kollateralschaden-Bonus.
Die Verhandlungen mit den drollig animierten Staatsoberhäuptern der Computer-Nationen sind nicht mehr so unlogisch und unberechenbar wie in früheren Versionen. Eine Liste zeigt genau, womit Sie bei einem anderen Volk gerade Plus- und Minuspunkte sammeln. Kriegsgebären eines aggressiven Nachbarn lassen sich oft durch großzügige Spenden von Technologien, Gold oder Religions-Konvertierung bremsen.
Ein Beistandspakt mit der netten Militärmacht von nebenan ist auch eine gute Lebensversicherung. Noch besser: Wir bestechen Nation A, damit diese einen Krieg mit Nation B anzettelt - aus dem wir uns dann unschuldig pfeifend heraushalten. Es ist auch enorm befriedigend, wenn die Grenzstadt eines anderen Volkes zu unserem Reich überläuft, weil sie dem Charme der kulturellen Überlegenheit erliegt. Es hat dann doch was gebracht, all die Theaterbauten zu subventionieren ...
Expansion auf Zufallskarten
Jede Partie beginnt mit einer eher langweiligen, aber kurzen Startphase: Gründung der ersten Stadt, Verteidigung sichern, weitere Siedler produzieren, Expansion. Doch rasch geht es zur Sache, mit dem Imperium wachsen Ihre Aufgaben. Durch Bevölkerungswachstum steigt die Produktivität der Städte und die Ergebnisse Ihrer Forschungsbemühungen ermöglichen neue Technologien und Einheiten.
Sie machen mit immer mehr Computerrivalen Bekanntschaft, erkunden die anfangs durch schwarzen Kriegsnebel verhüllte Spielwelt und entdecken neue Ressourcen. Ohne bestimmte Rohstoffe lassen sich gewisse Einheitentypen nicht produzieren (zum Beispiel ermöglichen erst Pferde die Kavallerie), andere Güter bescheren Glückseligkeit oder verbessern die Gesundheit der Bevölkerung.
