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  • CITADELS

    Test: Achtung, dieser Stronghold-Klon ist großer Mist!

    Citadels schafft im Test Erstaunliches: Es ist eine noch größere technische und spielerische Katastrophe als Stronghold 3. In unserem Artikel verraten wir all die schrecklichen Details zum Burgenbau-Strategiespiel und sprechen eine klare Kaufwarnung aus: Citadels ist im jetzigen Zustand so unterhaltsam wie eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt.

    Dass in Deutschland ein großes Interesse an mittelalterlicher Echtzeitstrategie besteht, ist seit dem Erfolg von Stronghold und Age of Empires 2: Age of Kings in den 90er Jahren ein offenes Geheimnis. Da sollte es doch nicht so schwer sein, als findiger Spiele-Entwickler spirituelle Nachfolger dieser Hit-Klassiker an den Mann zu bringen – oder zumindest Ableger ähnlicher Qualität anzufertigen.

    Doch so beliebt der virtuelle Burgenbau hierzulande auch ist, so schwer taten sich in der jüngeren Vergangenheit Echtzeit-Strategiespiele mit Rittern, Türmen und Katapulten: Die in 3D gehaltenen späteren Stronghold-Teile floppten etwa alle – zu Recht, denn Entwickler Firefly versaubeutelte ein Spiel nach dem anderen. Zuletzt Stronghold 3, das in unserem Test aufgrund vieler Bugs mit einer Wertung von 54 Punkten heimgeschickt wurde. Burgenbau-Fans saßen seitdem auf dem Trockenen.

    Da veröffentlichte Publisher Bitcomposer Games am 26. Juli wie aus dem Nichts Citadels: Ein Spiel mit dicken Steinmauern, hohen Türmen und der Aussicht auf zünftige Belagerungen. Doch unser Test enthüllt: Citadels mag Elemente aus Stronghold und Age of Empires 2 in sich vereinen, das Ergebnis ist aber derart weit von der Qualität der beiden Vorbilder entfernt, dass wir die Spiele-DVD am liebsten mit dem Redaktions-Trebuchet auf den nächsten Komposthaufen gefeuert hätten.

    Info: Kopierschutz
    Auch die im Einzelhandel erhältliche Version von Citadels muss zwangsweise mit einem Steam-Konto verknüpft werden.

    Unfertig
    Überflüssige Physikeffekte drosseln in Gefechten die Performance und behindern Truppen, die wegen der katastrophalen Wegfindung an den Balken hängen bleiben. Überflüssige Physikeffekte drosseln in Gefechten die Performance und behindern Truppen, die wegen der katastrophalen Wegfindung an den Balken hängen bleiben. Quelle: Computec Der Kunde als Beta-Tester – das ist in Tagen von Early-Access-Spielen und kostenpflichtigen Alpha-Zugängen nichts Neues mehr. Manch einer zahlt dabei freudig für das Privileg, die Qualitätskontrolle seines Lieblingsspiels zu übernehmen – auch wenn das ja eigentlich der Job der Entwickler ist. Klingt komisch, ist aber immerhin eindeutig gekennzeichnet: Der Käufer weiß, worauf er sich einlässt. Nicht so bei Citadels! Das Spiel schimpft sich "fertig", ähnelt in Wirklichkeit aber eher den Bananen im Supermarkt: grün hinter den Ohren und lange vor dem Reifedatum gepflückt. Heißt: Citadels hätte noch gut sechs Monate Feintuning und Fehlersuche vertragen können.

    Beispiel gefällig? Citadels bietet neben drei mageren Einzelkarten im Geplänkelmodus (in dem ihr nicht speichern dürft) zwei Einzelspielerkampagnen (einen Mehrspielermodus gibt es nicht) mit insgesamt 16 Missionen. In denen verteidigt ihr euch erst aus der Sicht von König Arthus und seiner Tafelrunde gegen eine Invasion aus dem Norden Britanniens, erzählt in stummen Texttafeln und Zeichnungen. Anschließend erlebt ihr den Konflikt aus der Perspektive der Eroberer rund um den fiesen Prinz Mordred. So zumindest die Theorie. In der Praxis war es uns nicht möglich, mehr als drei Missionen der ersten Kampagne zu spielen. Das lag gar nicht so sehr an den häufigen Abstürzen, die Citadels je nach Rechner alle paar Minuten oder nur einmal in der Stunde heimsuchen und am liebsten beim Speichern des Spielstands auftreten (eine Autospeichern-Funktion fehlt).

    Nein, Schuld war ein sogenannter Plotstopper-Bug in Mission 3: Das Spiel verlangt von uns, eine Festung aufzubauen und gegen den in einer Tour angreifenden KI-Gegner zu verteidigen, bis Verstärkung eintrifft. Also igeln wir uns ein und warten … und warten … und warten … Eineinhalb Stunden geben wir dem Computerverbündeten Zeit, aber er will partout nicht auftauchen. Inzwischen haben wir eine eigene Armee aufgestellt und mehr aus Langeweile denn aus Not die gegnerischen Lager zerstört – ganz ohne die versprochene Hilfe, die ja ohnehin nicht auftaucht. Doch das Spiel gibt sich damit nicht zufrieden und wartet weiter munter auf den KI-Nachschub – auch als wir jeden feindlichen Soldaten aufgespießt, jeden Bauern massakriert und jeden Turm geschleift haben. Das Skript für den Missionserfolg hat einfach keine Lust, auszulösen und uns in der Kampagne fortschreiten zu lassen. Unter diesen Umständen sehen wir uns ausnahmsweise dazu gezwungen, den Test zu veröffentlichen, ohne das Spiel komplett durchgespielt zu haben. Denn genau das uns nun mal unmöglich. Da das Spiel aber exakt so im Handel steht (und der erste Patch am Wochenende keine Besserung gebracht hat), empfinden wir es nur als fair, trotzdem eine Wertung abzugeben.

    Umständlich
    Eure Befestigungsanlagen könnt ihr mit Speerwällen und Gräben absichern - nötig ist das aufgrund der harmlosen Gegner-KI aber kaum. Eure Befestigungsanlagen könnt ihr mit Speerwällen und Gräben absichern - nötig ist das aufgrund der harmlosen Gegner-KI aber kaum. Quelle: Computec Soweit wir im Rahmen unseres Tests herausfinden konnten, spielen sich die Missionen alle sehr ähnlich mit nur wenigen Variationen wie der kurzen Suche nach Arthurs Schwert Excalibur.
    Stets geht es darum, mit einem zentralen Rathaus und ein paar Bauern eine große Siedlung zu gründen. Der Aufbaupart erinnert stark an Age of Empires 2: Ihr errichtet Holzfällerhütten, Steinbrüche, Farmen und Erzminen und sammelt mit euren Arbeitern vier Rohstoffe. Zwischendurch errichtet ihr neue Häuser für die kostenlos aus dem Stadtzentrum krabbelnden Bauern; maximal kontrolliert ihr 99 Einheiten. Dazu zählen neben den Farmern auch Soldaten und Belagerungsgerät, für deren Ausbildung ihr die Zivilisten wie in Stronghold in Kaserne, Schießplatz, Stall oder Belagerungswerkstatt schickt.

    Indem ihr euer Rathaus gegen Einsatz von Rohstoffen auf die nächste Technologiestufe hebt, schaltet ihr weitere Bauoptionen frei. So veredelt ihr die vier Grundstoffe Nahrung, Holz, Stein und Erz durch den Bau von Bäckereien oder Steinmetzbetrieben zu Brot, Brettern, Felsquadern und Waffen. Echte, anspruchsvolle Warenkreisläufe kommen dabei aber nicht zustande, zumal die Aufbauphase stets gleich verläuft und die Ressourcen in Hülle und Fülle rund um den eigenen Startpunkt vorrätig sind. Nervig: Neben dem Rathaus lassen sich auch alle anderen Gebäude mehrfach verbessern. Und zwar einzeln.

    Das hat viel Klickarbeit zu Folge, die durch den Mangel an nützlichen Tastenkürzeln noch verschärft wird: Unbeschäftigte Arbeiter lassen sich zwar mit der Taste anwählen, aber Hotkeys für die Navigation der drei verschiedenen Baumenüs etwa fehlen. Das Interface geizt zudem mit Informationen: Tooltipps verraten kaum etwas über die Eigenheiten von Einheiten und Gebäuden, Missionsziele sind schwammig formuliert, bunte Symbole verschleiern oftmals wichtige Informationen. In Produktionsbetrieben schuftende Arbeiter lassen sich nicht so ohne Weiteres abziehen und es gibt keine "Schlaf"-Funktion für Gebäude wie in der Anno-Serie, um Rohstoffe zu sparen. Das Tutorial verschweigt zudem wichtige Informationen und frustriert gleich in den ersten Spielminuten mit schnöden Zielvorgaben ohne jede Erklärung der Spielemechaniken. Dazu kommt noch eine der Steuerung eigene Ungenauigkeit: Sowohl das Aufziehen eines Rahmens zur Auswahl mehrerer Einheiten als auch simple Klicks auf die Schaltflächen der Benutzeroberfläche fallen durch eine seltsame Verzögerung ungewohnt schwer. Das Platzieren von Mauern zum Bau eigener Festungen ist zudem furchtbar umständlich: Schon die kleinste Steigung macht aus dem Mauerbau ein unmögliches Unterfangen. Zudem nervt, dass als Grundvoraussetzung immer erst ein Turm gebaut werden muss – dadurch lässt sich etwa nachträglich kein Tor mehr in einer Mauer platzieren. Bitter: All das hat Age of Empires 2 vor 14 Jahren schon besser gemacht!

    Unglaublich
    Umständlich: Tore hängen zwangsweise an bereits errichteten Türmen fest und lassen sich nicht nachträglich in Mauern einfügen. Umständlich: Tore hängen zwangsweise an bereits errichteten Türmen fest und lassen sich nicht nachträglich in Mauern einfügen. Quelle: Computec Nanu, ihr seid trotz Bugs, Abstürzen, Steuerungsproblemen und langweiligem Missionsdesign immer noch an Citadels interessiert? In dem Fall müssen wir wohl die beiden Totschlagargumente schlechthin für ein Echtzeitstrategie-Spiel auspacken: die grottige KI und Wegfindung. Sowohl die eigenen als auch die gegnerischen Truppen agieren in Citadels furchtbar kopflos. Sie bleiben an Mauern hängen, verstellen sich gegenseitig den Weg, brauchen Minuten, um eine Brücke zu überqueren oder stellen im Falle der Bauern einfach zwischendurch die Arbeit ein, besonders beim Errichten längerer Verteidigungsanlagen. In eng bebauten Siedlungen schaffen es die Arbeiter nicht, die engen Zwischenräume zu navigieren und bleiben gerne mal stecken, wobei sie auf ewig um die eigene Achse rotieren. Türme schießen zudem manchmal nicht auf Widersacher in ihrer Nähe.

    Eine alltägliche Szene in Citadels: Der rechte Arbeiter hängt an einem Haus fest und rührt sich vorerst nicht mehr. Eine alltägliche Szene in Citadels: Der rechte Arbeiter hängt an einem Haus fest und rührt sich vorerst nicht mehr. Quelle: Computec Im Kampf erfordert das dämliche Einheitenverhalten ständige Aufmerksamkeit vom Spieler: Die drei Einstellungen "Offensiv", "Defensiv" und "Passiv" sind durchweg nutzlos, denn die Truppen machen ohnehin was sie wollen. Dazu gehört unter anderem auch, dass berittene Streiter aus unerfindlichen Gründen auf in der Landschaft herumstehende Mauerstücke des Gegners einschlagen, während fünf Meter daneben die verbündeten Bogenschützen von den feindlichen Axtkämpfern niedergemetzelt werden. Formationen lassen sich nicht bestimmen, Taktik und Strategie spielen keine Rolle. Meist reicht es, eine große Gruppe von Rittern und Schwertkämpfern in Richtung Feind zu schicken und etwaige Verteidigungsanlagen mit mehreren Katapulten zu plätten. Bogenschützen sind dagegen äußerst schwach und kaum von Nutzen.

    Der KI-Gegner verhält sich ähnlich chaotisch wie die eigene Armee und stellt nur durch die Masse an Einheiten eine Gefahr dar. Besonders absurd: In Geplänkel-Partien schickt der Computer gerne mal dutzende Bauern gegen unsere Verteidigungswälle – wieder und wieder, auch wenn sie von unseren Türmen mit schöner Regelmäßigkeit niedergemäht werden.


    Citadels (PC)

    Spielspaß-Wertung
    28 %
    Leserwertung
    (1 Vote):
    21 %
    Pro & Contra
    Viele bekannte Spieleelemente aus Stronghold und Age of Kings
    Das Rein- und Rausschieben der Retail-Verpackung in den beigefügten Pappschuber macht mehr Spaß als das eigentliche Spiel.
    Bugs verhindern Spielfortschritt
    Häufige Abstürze
    Eintöniges Missionsdesign
    Kein strategisches Vorgehen im Kampf möglich
    Haarsträubende Wegfindung, rudimentäre KI
    Hakelige Maussteuerung, viele unnötige Klicks
    Zäher Aufbaupart mit Längen
    Umständliche Mauerplatzierung
    Kaum Tastenkürzel, null Bedienkomfort
    Ungenügendes Tutorial
    Geplänkelmodus ohne Speicherfunktion
    Keine Sprachausgabe

  • Es gibt 70 Kommentare zum Artikel

    Von Enisra
    vorallem wenn man so Arrogant auftritt und dann nicht mal die Fehler aufzeigt Und da noch nicht mal die Entwickler sonderlich zu frieden sind, würde ich auch eher mal Peter recht geben
    Von Briareos
    Der Test/Artikel ist fast genau ein Jahr alt und du fragst nach dem Versionsstand des Testexemplars? Spontan würde ich auf "v1.0 (Gold Release)" tippen, will mich dabei aber auch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Wenn das Spiel in den letzten 12 Monaten seit Erscheinen auf ein für dich erträgliches,…
    Von TheShog
    Ich weiß ja nicht, welche Version Sie gespielt haben Herr "Redakteur" aber dieser "Test" ist ja nicht mehr als eine Hassrede! Ich bin seit klein auf mit AoE und co. dabei und finde das Spiel echt gelungen. Sicher, bei der Anzahl von Bugs ein Spiel "fertig" zu nennen ist schon gemein aber das spiel an sich…

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