Chaos auf Deponia (PC)

Release:
12.10.2012
Genre:
Rollenspiel
Publisher:
Daedalic Entertainment

Chaos auf Deponia im Test: Spannendes Rätseldesign, verrückte Ideen, abgefahrene Geschichte - Eine gelungene Fortsetzung - Mit Testvideo

12.10.2012 10:12 Uhr
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Neu
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Chaos auf Deponia erscheint erst am 12. Oktober 2012, wir haben das Adventure jedoch bereits getestet. Der zweite Teil der Trilogie um den Schrottplaneten Deponia knüpft nahtlos an den Vorgänger an und kann sich in einigen Punkten sogar verbessern. Adventure-Freunde finden mit spannenden Rätseln und einer abgefahrenen Geschichte erneut alles, was das Herz begehrt.

Chaos auf Deponia: Wir haben das Adventure von Daedalic getestet. Chaos auf Deponia: Wir haben das Adventure von Daedalic getestet. [Quelle: Siehe Bildergalerie] Am 12. Oktober 2012 erscheint mit Chaos auf Deponia der zweite Teil der Deponia-Trilogie der Entwickler von Daedalic. Erneut gilt es als egomanischer Antiheld Rufus diverse Rätsel zu lösen, um das Schicksal der Welt Deponia zu beeinflussen. Wieder an Rufus' Seite, das elysianische Mädchen Goal mit der dreifachen Persönlichkeitsspaltung. Trotz einer Altersfreigabe ab 6 Jahren, verfügt das Adventure erneut über den typischen schwarzen Humor.

Spätestens seit der Veröffentlichung von Deponia ist Daedalic ein wenig vom Erfolg verwöhnt: Das schwarzhumorige Comic-Adventure, das von einem idiotischen Tüftler auf einem fernen Schrottplaneten erzählt, hat starke Wertungen, gute Verkaufszahlen und viel Lob der Spieler eingefahren. Nur das Ende wollte keinem so recht gefallen – es war offen und unbefriedigend, man hatte das Gefühl, die Story sei längst nicht zu Ende erzählt. Und genauso ist es auch: Deponia ist als Trilogie angelegt, als große Handlung, die sich durch drei zusammenhängende Spiele zieht. Mit Chaos auf Deponia ist nun endlich das zweite Kapitel erhältlich, knapp zehn Monate nach dem Release von Teil 1.

Zweiter Teil der Müll-Saga


Zwar betont Daedalic, dass Chaos auf Deponia auch ohne Kenntnisse des ersten Teils gut zu kapieren sei, doch das kann man getrost ignorieren: Chaos auf Deponia knüpft direkt an den Vorgänger an und bezieht sich stark auf frühere Ereignisse – wer die Spiele also nicht in ihrer logischen Abfolge spielt, der wird sich im zweiten Teil nur schwer zurechtfinden. Nach einer kurzen Einleitung, welche die Vorgeschichte zusammenfasst, geht's diesmal schnell und knackig zur Sache – und das ist auch gut so, denn Deponia-Fans wollen endlich erfahren, wie die abgedrehte Story weitergeht: Rufus – talentfreier Bastler und selbstverliebter Unruhestifter – ist immer noch hochmotiviert dabei, den ihm verhassten Schrottplaneten Deponia zu retten, seine lädierte Traumfrau Goal um den Finger zu wickeln und in der Zwischenzeit möglichst viel Unheil anzurichten.

Rufus am Drücker


Gleich zu Spielbeginn geschieht ein folgenschweres Unglück: Goals Verstand, der auf einer Diskette gespeichert ist, wird in drei verschiedene Persönlichkeiten gespalten – eine aggressiv, die andere zickig, die dritte blöd wie ein Felsen. Der Clou: Per Fernbedienung lassen sich Goals Wesenszüge beliebig durchschalten – und natürlich fällt das Gerät in Rufus' Hände. Diese witzige Idee kosten Daedalics Rätseldesigner genüsslich aus, wenn Rufus versucht, alle Teile von Goals Persönlichkeit wieder zu vereinen. Jede Goal-Variante steht für eine lange Rätselkette, die wiederum mit zig weiteren Knobeleien verknüpft, verzahnt, verwickelt ist. Das sorgt dafür, dass der Spieler anfangs vor einem wahren Berg an Aufgaben steht: Während Rufus einen brandneuen Hafenort mitsamt Schwarzmarkt, Spelunke und Waffengeschäft erkundet, füllt sich sein Inventar mit zahllosen Items, die natürlich an den unmöglichsten Orten zweckentfremdet werden müssen.

Völlig irre, trotzdem lösbar


Der Schwierigkeitsgrad ist knackig, allerdings gelingt Daedalic das seltene Kunststück, selbst völlig verrückte Rätsel halbwegs logisch zu verpacken: Wer Schnabeltiereier ausbrüten, Zeitanomalien verursachen oder Angler in den Wahnsinn treiben will, der muss sich in Deponias überdrehte Comic-Welt und vor allem in den dusseligen Helden hineindenken – dann ergeben die kniffligen Puzzles oft einen verdrehten Sinn und belohnen den Spieler mit Erfolgserlebnissen. Hin und wieder konstruiert Daedalic zwar auch Situationen, in denen man kaum eine Ahnung hat, was man eigentlich tun soll, doch diese Stellen lassen sich meist durch stures Herumklicken meistern, was dank der einwandfreien Maus-Steuerung schnell erledigt ist. Insgesamt sind die Aufgaben fordernder, aber auch fairer als im ersten Teil – auch dank der häufigeren Hinweise, die in Dialogen oder in Rufus' nicht enden wollenden Kommentaren versteckt sind. Wer aufmerksam zuhört, der stößt auf viele nützliche Tipps.

Schräge Typen


In den ersten Stunden erkundet der Spieler noch ausgiebig das neue Hafenstädtchen, danach düst er mit einem Kutter über das rostrote Meer und besucht weitere Locations in der Spielwelt. Gegen Ende verliert die Story zwar etwas den Faden, doch trotzdem fühlt sich Deponia 2 offener und Facettenreicher an als sein Vorgänger. Auch die Spielzeit ist länger: acht bis zehn Stunden sollten geübte Spieler einplanen. Dabei wollen viele neue Figuren überzeugt, beklaut oder verarscht werden, die meisten davon sind Daedalics Autoren prima gelungen: Nuschelnde Freiheitskämpfer, schadenfrohe Roboterhunde, hellseherische Partnerschaftsberater oder Imbiss-Verkäufer, die in ihrem Keller einem Dämonen huldigen, blieben uns in guter Erinnerung.

Meistens witzig, selten gemein


Die Gags sind bissig, manchmal bitterböse und dank der motivierten Profi-Sprecher auch meist auf den Punkt gebracht – wer schwarzen Humor mag, ist in Chaos auf Deponia gut aufgehoben. Nur hin und wieder übertreiben es Daedalics Autoren, dann geraten manche Witze so gezwungen fies, dass sie nach hinten losgehen: Wenn Rufus Blinde hänselt, Schuhe an Obdachlose verfüttert, Delfinbabys killt oder sogar eine dämliche Bemerkung über Krebserkrankungen zum Besten gibt, dann ist das weder witzig noch geistreich, sondern geschmacklos. Es bleibt zu hoffen, dass sich Daedalic solche Ausreißer im Finale der Trilogie spart und sich wieder auf seine übrigen Stärken konzentriert, denn Chaos auf Deponia ist bereits gelungen und witzig – derartige Zoten hätte also gar nicht nötig.

Chaos auf Deponia (PC)
Spielspaß-Wertung

85 %
Leserwertung
(1 Vote):
90 %
Schön gezeichnete Full-HD-Grafik
Manche Gags übertrieben fies
Witzig geschrieben Figuren
Gelegentlich zähe Rätselabschnitte
Story knüpft gelungen an Teil 1 an
   
Felix Schütz
Gelungene Fortsetzung mit verrückten Rätseln
Schon die ersten Spielminuten zeigen, wohin die zweite Deponia-Reise geht: Rufus zerlegt die Küche einer alten Dame, lyncht ihr Haustier, legt noch kurz einen Brand und ballert sich danach an ein Sägeblatt geschnallt gen Himmel. Ich mag diese bescheuerte, überdrehte Geschichte! Und ich mag diese Welt, die Daedalic erschaffen hat. Chaos auf Deponia ist eine gelungene Fortsetzung und gefällt mir sogar einen Tick besser als der Vorgänger – das liegt am runderen Rätseldesign, das nicht nur mit herrlich schrägen Ideen punktet, sondern dank behutsamer Tipps auch nicht ständig in Frust ausartet. Einzig der schwarze Humor ging mir manchmal zu weit – nennt mich ruhig einen Spießer, aber über Krebserkrankungen oder Sticheleien gegen Obdachlose kann ich nun mal nicht lachen.
   
04:46
Chaos auf Deponia im PC Games Videotest
Online-Redakteur
Moderation
12.10.2012 10:12 Uhr
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Dein Kommentar
Erfahrener Benutzer
Bewertung: 0
15.06.2013 10:35 Uhr
wie lautet denn dieser "witz"? 
Benutzer
Bewertung: 0
15.06.2013 10:20 Uhr
Also ich hatte selber 5 Jahre lang mit Krebs (Morbus Hodgkin) zu kämpfen und finde Witze über diese Erkrankung ebenfalls höchst unpassend. Wenn ich Computer spiele, will ich an diese scheiß Krankheit nicht erinnert werden.
Erfahrener Benutzer
Bewertung: -1
19.10.2012 19:45 Uhr
Dazu kommt, dass die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Inhalte das Spiel wohl sicherlich in der Altersfreigabe hoch gestuft hätte, wenn es denn darin so furchtbar unmoralische und integritätsgefährdende Vorkommnisse, Gags und Sprüche gäbe.