Call of Juarez (PC)

Release:
15.08.2008
Genre:
Action
Publisher:
Ubisoft

Call of Juarez

28.08.2006 00:10 Uhr
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Neu
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Der Western hat in all seinen Ausprägungen das Kino längst erobert, nun greift er auf Computerspiele über - ein staubiges, aber kein angestaubtes Szenario.

Reverend Ray verwirrt seine ungläubigen Gegner, indem er nebenher Bibelzitate vorliest. Reverend Ray verwirrt seine ungläubigen Gegner, indem er nebenher Bibelzitate vorliest. [Quelle: Siehe Bildergalerie] Call of Juarez ist neben Gun der zweite Western-Shooter innerhalb von zehn Monaten, wobei die Bezeichnung Shooter nicht ausreicht. Zwar bilden Schießereien den Kern, wenn Reverend Ray einen Auftritt hat, aber die zweite Hälfte bestreiten Sie als Billy, der überwiegend schleicht, Felsen erklimmt, Abgründe überwindet.

Für ein Spiel, das in erster Linie Geschick im Drücken von Tasten erfordert, räumt Call of Juarez den Charakteren überraschend viel Wichtigkeit ein. Die beiden Darsteller sind in ihrer Persönlichkeit aufeinander abgestimmt, sie erzeugen eine Reibung, wie es das Lehrbuch für gutes Drama vorschreibt. Auf der einen Seite Billy, ein feiger Jüngling, der Reißaus nimmt, weil man ihn fälschlicherweise des Mordes bezichtigt. Auf der anderen Seite Pfarrer Ray, der Billys Spur verfolgt, um ihn der gerechten Strafe zu unterziehen.

Ray ist die außergewöhnlichste Figur, die ein Computerspiel zuletzt hervorgebracht hat. Nicht nur gehört er mit seinen geschätzten 70 Jahren zu den ältesten Action-Helden, als Pfarrer verböte sich ihm außerdem das Töten. Doch Ray sieht in sich die rechte Hand Gottes, er ist überzeugt, den Willen des Allmächtigen auszuführen. Bibelstellen zitiert er mit Eifer, um ihn herum sinken derweil die Gangster im Kugelhagel danieder. Weder Billy noch Ray verkörpern strahlende Helden. Beide handeln falsch in dem Glauben, das Richtige zu tun.

Bis sie, man kann das als eine Art Happy End verstehen, über sich hinauswachsen. Charakterentwicklung in einem Schleich-Shooter, wer hätte das gedacht? Doch Call of Juarez verschenkt dramaturgisches Potenzial, indem es einen Großteil der Reflexionen in Ladebildschirme verfrachtet: Dort lesen die Darsteller ihren Text ab, während unten der Balken wächst. Man kann sich wesentlich spannendere Kulissen vorstellen.

Pssst!

Rauchende Colts suchen Sie während der ersten Spielstunde vergebens. Rauchende Colts suchen Sie während der ersten Spielstunde vergebens. [Quelle: Siehe Bildergalerie] Der Spieler führt Billy und Ray abwechselnd aufeinander zu; meistens kreuzen sich ihre Wege am Ende einer Mission, wo sie sich dann doch wieder entkommen. Häufig durchlaufen Sie einen Level mehrmals, einmal schleichend, einmal schießend. Dadurch erscheinen manche Schauplätze überlang. So findet sich Billy später in einer Umgebung wieder, in der es von Apachen nur so wimmelt. Wer Karl May gelesen hat, der weiß um die Blutrünstigkeit dieses Indianerstamms.

Jedenfalls muss Billy schleichen: eine halbe Stunde lang durch hohes Gras. Ist das überstanden, hat man genug davon. Bloß dass dann Ray an die Reihe kommt, denselben Weg vor sich hat, wenn auch mit gezückter Kanone. Den Spannungsbogen hätten die Entwickler besser gestaucht. Vermutlich hat sie die Angst vor einer zu kurzen Spielzeit davon abgehalten. Aktuell brauchen Geübte etwa acht Stunden bis zum Finale.

Darin inklusive: Zeit, die verstreicht, um happige Stellen zu wiederholen. Call of Juarez ist kein leichtes Spiel, besonders Billy hat es schwer. Viele Schleichabschnitte sind undurchsichtig in Aufbau und Ablauf, jeder Fehltritt bedeutet den Neustart. Hier wirkt der Quicksave zwar entschärfend, aber trotzdem kommt gelegentlich Frust durch. Frust, den man schnell wieder vergisst, wenn Call of Juarez seine lichten Momente hat: Eine Szene trägt sich in einer Scheune zu, in der Billy über schmale Bretter balanciert, während darunter die Wachen patrouillieren, bis plötzlich - nun, wir wollen nicht zuviel verraten. Eine anderes Abenteuer findet draußen statt: Bei Nacht und Gewitter hechtet Billy von Busch zu Busch, das Donnergrollen übertönt die Laufgeräusche. Blitze, deren Rhythmus es abzupassen gilt, überfluten die Gegend mit Licht.

Moderation
28.08.2006 00:10 Uhr
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11.01.2011 23:16 Uhr
Gibts inzwischen für n Appel und n Ei - und macht richtig Spaß! mit 3-Jahre alter Hardware problemlos auf hohen Detaileinstellungen zu spielen (X1950Pro/C2D E6760)
Neuer Benutzer
Bewertung: 0
03.07.2008 15:26 Uhr
Bestimmt ein gutes Spiel, wenn es mit ATI Grafikkarten laufen würde. Schade