Call of Duty
Wenn ein MG in der Nähe ist, klemmen sich die Pappkameraden dahinter und feuern auf Angreifer.
Das Rezept ist bekannt: Der einsame Held stürmt die gegnerischen Stellungen und räumt im Alleingang mit einer halben Armee auf. So funktionierten bislang fast alle Weltkriegs-Actionspiele. Nicht so Call of Duty. Im Erstlingswerk von Infinity Ward (gegründet von den Medal of Honor-Schöpfern) sind Sie nur einer von vielen. Seite an Seite mit Dutzenden Fallschirmjägern erleben Sie die Landung in der Normandie, jagen mit einem britischen Kommandoteam einen Staudamm in die Luft und verteidigen mit Horden von Rotarmisten das zerbombte Stalingrad.
Hilfe von Genosse Computer
Anders als in Team-Shootern vom Schlage eines Hidden & Dangerous 2 (Test in der PC Games 01/04) hören Ihre Teamkameraden nicht auf Ihre Befehle, sondern agieren völlig unabhängig, stürmen vor, gehen in Deckung und nehmen Ziele unter Feuer. Die meisten Aktionen werden durch Skripts in Gang gesetzt, etwa wenn - wie erwähnt - eine Gruppe Sowjet-Soldaten den Roten Platz in Stalingrad stürmt. Aber der Ausgang ist nicht vorbestimmt. Mal wird der Fahnenträger von einer MG-Garbe erfasst, mal bringt ein Scharfschütze das Nest rechtzeitig zum Schweigen und fast alle schaffen es bis zur rettenden Deckung. Natürlich gewinnen Ihre Kollegen nicht den Level für Sie. Sie können sich also nicht hinter irgendeiner Mauer verschanzen und warten, bis alles vorbei ist. An vielen Stellen lassen sie Ihnen den Vortritt und rücken erst nach, wenn Sie etwa ein Widerstandsnest ausgeräuchert haben. Aber gerade in den beiden höheren der vier Schwierigkeitsgrade werden Sie die Unterstützung nicht missen wollen. Mehr als einmal wird Ihnen einer der Computer-Kameraden den Hintern retten, weil er zum Beispiel Verteidiger mit Sperrfeuer in Schach hält, während Sie drauflossprinten. Im Gegenzug sollten Sie auf Ihre Mitstreiter Acht geben und ihnen den Rücken freihalten.
Treffer unvermeidlich
Statt einfach draufloszustürmen, linsen die KI-Kollegen erst mal vorsichtig um die Ecke.
Zwar sind die KI-Kollegen keine ganz großen Leuchten. Es kann schon mal vorkommen, dass Sie ein Haus stürmen und Ihnen die Jungs "zur Unterstützung" eine Granate hinterherwerfen. Dafür arbeiten sie zusammen, geben sich gegenseitig Feuerschutz, ducken sich etwa unter ein Fenster, nur um dann blitzschnell aufzutauchen, eine Salve abzugeben und wieder zu verschwinden. Solche Tricks haben die Gegner allerdings auch drauf. Wenn Sie nicht ständig die Schnellladen-Taste bemühen wollen, sollten Sie möglichst vorsichtig vorrücken. Nur im einfachsten Modus kann Ihr Alter Ego mehr als zwei, drei Treffer wegstecken. Im schwierigsten genügt manchmal schon eine Kugel und Sie hauchen Ihr Bildschirmleben aus - was die Einstellung leider nahezu unspielbar macht, denn es gibt Situationen, in denen Sie sich dem feindlichen Feuer unweigerlich aussetzen müssen. Etwa wenn Sie sich hinter ein Stand-MG schwingen, um einen Ansturm zurückzuwerfen.
Actionreiches Triumvirat
Deckung wie Mauern, Fahrzeuge oder andere Kugelfänger werden automatisch genutzt.
Solche Sequenzen sind nur ein Teil der vier abwechslungsreichen Kampagnen, die insgesamt 24 Missionen umfassen. Da sollen Sie mit einer Flak Stukas vom Himmel holen, mit der Panzerfaust schweres Gerät zu Altmetall verarbeiten oder als Beifahrer auf einem LKW die Verfolger niederhalten. Sie durchleben nacheinander die Schicksale dreier alliierter Soldaten: des amerikanischen Fallschirmjägers Private Martin, des britischen Kommandokämpfers Sergeant Evans und des frisch eingezogenen Sowjetarmisten Alexei. Die Laufbahnen könnten kaum unterschiedlicher sein. Während die beiden Westalliierten zur Elite ihres Landes zählen und mal als Einzelkämpfer auf leisen Sohlen feindliche Festungen infiltrieren, mal im Verband zum Großangriff blasen, ist der Russe Alexei ein Niemand, der sich selbst sein Gewehr erst verdienen muss. Richtig gelesen: Wenn Sie zusammen mit dutzenden Verängstigten an den Ufern des Don aus Ihrem Landungsschiff klettern und in die Reihe der Rekruten treten, drückt man Ihnen keine Waffe in die Hand. "Wenn Ihr Vordermann fällt, schnappen Sie sich seinen Karabiner und stürmen vor", lautet die lapidare Anweisung des Offiziers, der die Angekommenen einweist. Wer Enemy at the Gates gesehen hat, kennt diese Szene. Ihre Kameraden fallen zu Dutzenden im Sperrfeuer der deutschen Artillerie. Verängstigt und mit einem Pfeifen auf den Ohren schaffen Sie es auf allen vieren bis zum rettenden Kugelschatten eines Mauerstücks. "Hey du, Junge", blafft Sie einer der wenigen Veteranen an. "Wenn du bis zu dem Autowrack dort drüben rennst, knipse ich die Maschinengewehre da oben aus." Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als loszusprinten und den Köder zu spielen. Dreimal fordern Sie Ihr Glück heraus, verfolgt von den Maschinengewehrsalven der Invasoren. Dann finden Sie endlich selbst einen Schießprügel. Wenn Sie durchhalten, dürfen Sie in einem der folgenden Levels als Kommandant einen Sowjet-Panzer befehligen und später gar zusammen mit Ihren Kameraden die rote Flagge auf dem Reichstag hissen.


Wenn man Call of Duty mit Vorgängern vergleicht und beschreibt was, verbessert wurde etc. dann hätte man aber auch erwähnen müssen, dass Call of Duty nicht wirklich viel Neues im Vergleich zu den Vorgängern bietet. Das wäre mir als Spieler wichtig so etwas in solch einen Testbericht zu erfahren.
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