Call of Duty: Modern Warfare 2 im Test: Schneller, lauter, härter - Ein grandioser Shooter
Vorsicht! Gegner auf Schneemobilen haben die Angewohnheit, unerwünschte Eindringlinge einfach zu überfahren.
Von einem Call of Duty: Modern Warfare-Nachfolger wird nicht weniger erwartet, als der beste Ego-Shooter aller Zeiten zu werden. Dessen sind sich die Entwickler von Infinity Ward natürlich bewusst - also machen sie Modern Warfare 2 dramatischer, brutaler, packender, emotionaler, eindrucksvoller - aber auch moralisch fragwürdiger denn je. Keine Frage, das Spiel ist ein technischer Meilenstein, spielerisch solide und atemberaubend inszeniert, es muss sich aber dennoch die Frage "War das wirklich notwendig?" gefallen lassen. Wer die Online-Berichterstattung der letzten Wochen aufmerksam verfolgt hat, weiß wahrscheinlich ganz genau, worum es geht - alle anderen sollten sich unser Special "Eine Frage der Moral" zu Gemüte führen - und selbst entscheiden, ob hier Grenzen ausgereizt oder kilometerweit überschritten wurden. So oder so, Modern Warfare 2 gehört zu den eindrucksvollsten Titeln seit Anbeginn der Videospiele!
Unser Abenteuer beginnt aus Sicht von Private Allen, der in einem US-Militärcamp in Afghanistan Neuankömmlinge im richtigen Umgang mit Waffen unterweist. Ein Tutorial, kurz und knapp, mit einem Test-Parcours am Ende, der Ihre Fähigkeiten offenbart und Ihnen daraufhin einen Schwierigkeitsgrad vorschlägt. Das kennen wir schon aus dem Vorgänger und doch fällt uns bereits jetzt auf: Hier wurde mit sehr viel Liebe zum Detail gearbeitet. Ein in der Nähe landender Hubschrauber wirbelt gehörig Staub auf, Soldaten vertreiben sich ihre Freizeit mit Basketball oder lungern einfach nur herum. Die Atmosphäre ist beeindruckend stimmig. An sich ist das wenig aufregend, aber gerade diese Liebe zum Detail begeistert von der ersten Sekunde an und hält sich bis zum Ende.
Kaum haben wir den Schwierigkeitsgrad gewählt, ruft auch schon die Pflicht. Mehrere Jeeps mit Verletzten erreichen die Basis und es wartet ein gefährlicher Einsatz in der Stadt. Na, dann mal los!
Schon die ersten Schritte durch die zerstörte US-Stadt lassen uns staunend innehalten. Bedrückend, aber wunderschön!
Nach ein paar Scharmützeln am Ufer eines Flusses wagen wir uns mit einem Jeep-Konvoi auf Patrouille in die Stadt. Es scheint alles ruhig, doch die beobachtenden Blicke der wenigen sichtbaren Einwohner beunruhigen uns. Völlig zu Recht, wie sich gleich herausstellt: Der Funk knistert "Infanterie mit Raketenwerfern auf den Dächern!" Wir fassen das als Schussbefehl auf und reißen den Abzug unseres auf dem Fahrzeug installierten Maschinengewehrs voll durch. Die Fahrer lassen die Reifen quietschen und unser Konvoi zerbröselt, als alle unkoordiniert den Rückzug antreten. Wir rasen, von Miliztruppen in Geländewagen verfolgt, durch die engen Gassen und können mehrmals nur knapp den anschwirrenden Raketen entfliehen. Bevor wir recht verstehen, was eigentlich geschieht, wird unser Fahrzeug getroffen und wir segeln im hohen Bogen auf die Straße. Überall auf den Dächern und Balkonen, aus den Fenstern und Türen zielen Gewehrläufe auf uns - doch ein kurzer Sprint in den nächsten Hauseingang bringt uns, zumindest für kurze Zeit, in Sicherheit. Unsere Aufklärungsmission gilt längst als gescheitert, jetzt wollen wir nur noch unsere Haut retten und den Evakuierungspunkt erreichen. Mit heftiger Waffengewalt drängen wir durch das Haus in den Hinterhof, dann durch eine Schule und letztendlich zum Sammelpunkt auf einer Kreuzung. Erst jetzt merken wir, wie verkrampft unsere Finger die Maus umfassen, wie schnell unser Herz schlägt und dass kleine Schweißperlen unsere Stirn zieren. "Das fängt ja mal gut an!", durchfährt es uns - und das ist wörtlich gemeint.
Noch viel temporeicher geht es in der zweiten Mission zur Sache, in der wir als Gary "Roach" Sanderson dem aus Teil 1 bekannten MacTavish in eine verschneite Gebirgsbasis der Terroristen hinterherschleichen. Anfangs ist von Tempo zwar keine Spur (viel eher schleichen wir wie Geister durch einen Schneesturm), dafür gegen Ende umso mehr: Wenn gefühlte 300 Terroristen an unseren Hacken kleben und wir uns alle Mühe geben, uns auf der Flucht mit einem Schneemobil nicht den Hals zu brechen, reichen gewöhnliche Superlative schon gar nicht mehr aus, unsere Gefühle zu beschreiben. Adrenalin pur!
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