Norwegen: Der Attentäter aus Oslo und Videospiele wie World of Warcraft oder Modern Warfare 2 - Fakten und Hintergründe
Modern Warfare 2: Für den mutmaßlichen Norwegen-Attentäter Anders Breivik ein Mittel zur Zielübung?
Dass Anders Behring Breivik ganz offensichtlich ein gestörter Geist ist, beweisen nicht nur die Attentate in Norwegen mit über 60 Toten, für die er mutmaßlich verantwortlich ist, sondern auch sein 769.412 Wörter starkes Manifest, das im Internet verbreitet wurde. Darin erwähnt Breivik neben seinen kruden Thesen Spiele wie World of Warcraft und Modern Warfare 2. Der Journalist Nick Ross von ABC Technology und Games hat nun in einem Artikel analysiert, in welchem Zusammenhang Breivik die Games überhaupt verwendet. Breivik spricht insgesamt von sechs Spielen: zwei Dragon Age-Spiele, World of Warcraft, Bioshock, Fallout: New Vegas und Modern Warfare 2.
Laut Ross nennt Breivik diese Spiele eher zufällig in seinem Manifest. Meist benutzt er sie als Vorwand, um viel Zeit vor dem Computer zu verbringen, um Pläne zu schmieden. Modern Warfare 2 nennt er als Trainingshilfe, um besser zu zielen. Allerdings ist nach Ross' Analyse diese Nennung eher mikroskopisch klein, wenn man sie mit dem restlichen Text vergleicht, in dem es um Kriegsführung geht. Die restlichen Spiele seien in einem Erholungskontext genannt – nach einem langen Tag voller Pläneschmieden dienten sie Breivik offenbar als Entspannung. Modern Warfare benutze Breivik tatsächlich in seiner ursprünglichen Bedeutung, also die Kunst der Kriegsführung, und nicht auf das Spiel bezogen.
In Breiviks 1.528 Seiten starkem Dokument werde World of Warcraft neun Mal erwähnt, Modern Warfare in fünf Abschnitten und Dragon Age in einem. Ross zitiert anschließend mehrere Ausschnitte aus dem Manifest, die zeigen sollen, dass Breivik nicht von Spielen motiviert wurde, das Attentat in Norwegen zu begehen. Bereits in der Einleitung (die Original-Zitate findet ihr unter dem Link unten) sind Games kein Thema bei Breivik, stattdessen spricht über den Aufstieg des "kulutrellen Marxismus" und der Multikultur in Westeuropa, die islamische Kolonialisierung sowie Lösungen für westeuropäische Probleme. In den ersten zwei Abschnitten seines Buchswerden Games laut Ross nicht einmal erwähnt. Erst ab Seite 842 tauchen plötzliche Spiele auf. World of Warcraft nennt Breivik als Beispiel, um vor Freunden und Nachbarn zu verschleiern, dass man in Wirklichkeit an der Umsetzung irgendwelcher Ideologien arbeitet. Man solle Freunden oder Familie einfach erzählen, dass man derzeit vom Spielen von WoW "abhängig" ist und deswegen keine Zeit hat. Ein Auszug (frei übersetzt): "[…] Normalerweise ist es tabu oder beschämend in unserer Gesellschaft, von einem MMO gefesselt zu sein. Indem man das ‚Geheimnis' mit seinen Nächsten teilt, […] werden sie ‚helfen', dieses Geheimnis sicher für sich zu behalten […]".
World of Warcraft: Nach eigenen Angaben war Anders Breivik Leiter einer Hardcore-Gilde
Auf Seite 900 kommt schließlich Call of Duty ins Spiel, und zwar im Zusammenhang mit Zielübungen. "[…] Simulation mit dem Spielen mit Call of Duty, Modern Warfare ist eine gute Alternative […], aber man sollte ein wenig Übung mit einem echten Sturmgewehr haben (mit Rotem Zielpunkt), falls möglich." Auch an weiteren Stellen wird Modern Warfare 2 genannt – aber nur im Zusammenhang mit Zielübungen. Es folgt ein Interview, indem sich Breivik selbst interviewt. Hier schreibt er, dass zu seinen Hobbys das Spielen von MMOs und (gelegentlich) Modern Warfare 2 gehört. Hier schreibt er, dass er im Alter von 25 Jahren WoW-PvE gespielt hat und sogar einige Hardcore-Gilden geleitet hat. Allerdings bringe Breivik World of Warcraft nicht mit den ideologischen Thesen in Verbindung, die er in den anderen Teilen seines Buchs aufstellt oder einfach kopiert hat. Der letzte Abschnitt seines Buches sei eine Art Tagebuch. Hier erwähnt er Spiele wie Dragon Age: Origins, Modern Warfare 2, Fallout: New Vegas und Bioshock 2 – allerdings stets alleinstehend und nie im Zusammenhang mit seinen Thesen, lediglich als Entspannungshilfe. Es scheine laut Ross so, als wären Spiele sein Weg gewesen, für kurze Zeit in eine "normale" Realität zurückzufinden.
Nick Ross gelangt zu dem Schluss, dass Spiele in Breiviks Manifest erst im dritten Teil eine Rolle spielen, den er eher als eine Art Anhang zum Gesamtwerk sieht. Breivik nennt sechs Spiele: World of Warcraft, Dragon Age 1 und 2, Modern Warfare 2, BioShock 2 und Fallout: New Vegas. In fast jeden Fall würde Breivik Spiele als ein Hobby beschreiben, dass ihn aus seinen mörderischen Thesen herausholt. Die Spiele kämen nur in einem winzigen Teil des riesigen Texts vor. Ross warnt davor, den Fakt, dass Breivik neben seiner Eigenschaft als wahnsinniger Killer offensichtlich in seiner Freizeit wie Millionen andere Menschen auch Computerspiele gespielt hat, nun auszuschlachten. Stattdessen sollte man sich fragen, wie Breiviks Manifest, das vor dem Attentat im Netz kursierte, niemanden aufgefallen ist. Den kompletten Artikel inklusive der Textstellen über die Gaming-Hintergründe von Anders Breivik findet ihr unter dem Link. Mehr zum Thema und Community-Stimmen findet ihr im Artikel Norwegen: "Killerspiele-Diskussion" neu entfacht.
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