Norwegen: "Killerspiele"-Diskussion erneut entfacht - Update: Modern Warfare 3- und WoW-Fans sauer
Modern Warfare 2 ein Killerspiel? Oder World of Warcraft? Der Amoklauf in Norwegen entfacht die Diskussion erneut.
Norwegen und die internationale Gemeinschaft beklagen über 90 Tote nach dem verheerenden Bombenanschlag auf das Regierungsviertel von Oslo sowie nach einem Amoklauf auf der Ferieninsel Utoya. Als Polizist verkleidet, hatte der Täter (der Norweger Anders Behring Breivik, 32 Jahre) im Jugend-Ferienparadies erst viele Teenager und junge Erwachsene zusammengerufen, um danach rücksichtslos und mit brutaler Härte in die Menge zu schießen. Nach mehreren Stunden, während denen unzählige Kinder Schutz im eiskalten Wasser suchten, wurde der Täter gestellt und verhaftet. Auf der Suche nach Motiven und Informationen zum Täter stießen die skandinavischen Ermittler unter anderem auf seine Facebook-Seite.
Diese offenbarte unter anderem höchst fragwürdige "Verbindungen" zu den Computer- und Videospielen Call of Duty: Modern Warfare 2 und World of Warcraft. Diese zählen kommerziell sowie in der Gunst der Spieler zu den beliebtesten Titeln der Gamer-Gemeinde. Fragwürdig sind diese Verbindungen, da sie lediglich als Interessen des Täters markiert waren. Traurig ist, dass diverse Medien sich direkt nach der Tat auf diesen Umstand stürzten und den Spielen eine Mitschuld an der Norwegen-Tragödie gaben. Manche Fernsehsender zeigten unmittelbar nach den Taten "passende" Szenen aus dem Activision-Shooter, andere bezeichneten das Online-Rollenspiel World of Warcraft fälschlicherweise als "Killerspiel". Ein diskussionswürdiger Titel, den bislang Spiele wie etwa der Taktik-Shooter Counter-Strike oder die Actionspielreihe Grand Theft Auto tragen mussten. Neben den genannten Spielen hatte der Amokläufer übrigens auch unter anderem die Kino-Blockbuster Gladiator und 300 als seine Lieblingsfilme angegeben. Das Facebook-Profil ist mittlerweile gelöscht.
Wenige Zeit später tauchten angebliche Manifeste des Amokläufers von Norwegen auf, die die Verbindung zu den Spielen verstärkten. "Ich kaufte Modern Warfare 2, das Spiel. Es ist wahrscheinlich die beste Militärsimulation da draußen und das heißeste Spiel des Jahres. Ich sehe MW2 als einen Teil meiner Trainings-Simulation, mehr als alles andere. Ich habe gelernt es zu lieben und besonders der Multiplayer-Part ist fantastisch. Du kannst praktisch komplette Operationen damit simulieren", steht dort angeblich geschrieben. Die Echtheit der Manifeste ist allerdings umstritten. Nichtsdestotrotz: Einerseits kann von einer Simulation bei der Call of Duty-Reihe nicht die Rede sein. Andererseits kann man im Call of Duty-Mehrspielermodus keine "Operationen" simulieren. Der Multiplayer-Part besteht unter anderem aus bis zu 15 Jahre alten Spielmodi wie etwa (Team-)-Deathmatch, Capture the Flag oder Domination. Bei Letzterem gilt es, mit Taktik und Können an der Maus sowie Tastatur im Team verschiedene Ziele zu sichern und zu halten.
Update: Spielefans reagieren größtenteils erzürnt über Ansichten, dass Spiele wie Modern Warfare 3 oder World of Warcraft den mutmaßlichen Attentäter von Norwegen, Anders Breivik, beflügelt haben könnte. Häufiges Argument ist, dass die Auslöser einer solche grauenhaften Tat nicht beim Spielen von Games zu suchen seien. Schließlich würden Millionen Spieler Modern Warfare 3 oder World of Warcraft spielen und nicht Amok laufen. Stattdessen sollte man Breiviks Motive in seinen irrsinnigen Ansichten über Religion, Ethik und Politik suchen.
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