Call of Duty 7: Der Vietnamkrieg - Die amerikanische Phase bis zur Nixon-Ära

38
Special Sebastian Thöing Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen

Call of Duty 7, offiziell noch ohne Untertitel und Setting, soll laut Gerüchten im Vietnamkrieg spielen. Doch was war der Vietnamkrieg eigentlich und welche Schlachten könnten im Spiel behandelt werden?

Fotos aus der amerikanischen Phase des Vietnamkrieges. Quelle: US-Regierung - gemeinfrei / public domain Fotos aus der amerikanischen Phase des Vietnamkrieges. Die amerikanische Phase
Amerika unterstützte die antikommunistische Regierung in Südvietnam finanziell so stark, dass bald die gesamte Wirtschaft Südvietnams von den USA abhängig war und die Armee der Republik Vietnam (ARVN) wurde nach US-Vorbild gegründet. Präsident Diem regierte nach der manipulierten Wahl als Alleinherrscher, sagte weitere Wahlen ab und galt nur wenig später als skrupelloser und vor allem korrupter Herrscher. Das wohl aber größte Problem Diems war sein Glaube, gehörte er doch der katholischen Minderheit an obwohl der Großteil der Bevölkerung buddhistisch ausgerichtet war. Die Opposition wurde unterdrückt, die lokale Selbstverwaltung abgeschafft und Regime-Gegner von der Armee gejagt. Der Südvietnam schottete sich gegen den Norden ab und positionierte sich eindeutig: eine Wiedervereinigung wird es nicht geben. Regime-Gegner gründeten daraufhin die geheime Widerstandsbewegung National Liberation Front (NLF), welche zwar nicht kommunistisch ausgerichtet war, aber von den Amerikanern mit dem Etikett des Vietkong diffamiert wurden. Vietkong bedeutet so viel wie vietnamesischer Kommunist. Seit 1959 unterstützte der kommunistische Norden den südvietnamesischen Widerstand mit Waffenlieferungen und infiltrierenden Kämpfern, ehemaligen Viet Minh. Geliefert wurde über den Ho Chi Minh-Pfad, der durch Laos und Kambodscha führte. Dem war die Diem-Regierung nicht gewachsen, denn die Ausbildung der Soldaten richtete sich einzig und allein auf eine mögliche Großinvasion der Nordvietnamesen, nicht aber auf den Guerilla-Kampf. Das blieb auch in den USA nicht unerkannt und so befahl der 1960 gewählte US-Präsident John F. Kennedy – er hielt an der Domino-Theorie fest -, die Mittel für Südostasien aufzustocken, entsandte die Spezialeinheiten der Green Berets und erlaubte die Verwendung von Napalm. Reguläre Truppen entsandte Kennedy jedoch selbst auf Bitten Diems nicht. Als im Jahr 1963 die Buddhistenkrise einsetzte und die US-Regierung merkte, dass Diem keinerlei Rückendeckung im Volk besaß, unterstützten die USA putschende Militärs und ließen die Regierung Diem stürzen. Er und sein Bruder wurden umgebracht und Kennedy zog in Erwägung, sich aufgrund der Lage in Vietnam zurückzuziehen. Kurz vor seinem Tod im November 1963 befahl Kennedy bereits den Abzug der ersten 1.000 Militärberater. Lyndon B. Johnson, der neue US-Präsident, vertrat jedoch eine andere, wesentlich härtere Meinung. Als Robert McNamara, Verteidigungsminister der USA, im März 1964 bei einem Besuch in Vietnam bemerkte, dass ein Großteil des Landes unter der Kontrolle der nordvietnamesischen Befreiungsfront FNL stand und die Armee in desolatem Zustand war, empfahl er dem Präsidenten, die Unterstützung auszuweiten. Doch erst als im Jahr 1964 der Tonkin-Zwischenfall auf hoher See passierte – nordvietnamesische Schnellbote hätten laut manipulierten Nachrichten ein US-Kriegsschiff angegriffen – verschärfte sich die Situation.

US-Präsident Lyndon B. Johnson (links) mit General William Westmoreland (zweiter von links). Quelle: National Archives and Records Administration - gemeinfrei / public domain US-Präsident Lyndon B. Johnson (links) mit General William Westmoreland (zweiter von links). Das Repräsentantenhaus und der Kongress verabschiedeten die sogenannte Tonkin-Resolution, die dem Präsidenten freie Hand in Vietnam gewährte. Bis Anfang 1965 hielt dieser sich zurück, ehe die FNL immer wieder offen US-Basen angriff. So wurde die Operation Rolling Thunder befohlen, eine flächendeckende Bombardierung des Ho Chi Minh Pfades. Es folgte im Sommer eine großangelegte Luftoffensive gegen den Norden und erste reguläre Truppen wurden nach Asien verbracht. Schon Ende 1965 waren es 184.000, Ende 1966 gar 400.000 Soldaten. Doch die US-Bemühungen blieben oft erfolglos. Als Beispiel sei hier die massive Bombardierung des Mekong-Deltas zu nennen, die kaum einen Nutzen erbrachte, da der Feind einen Großteil der Infrastruktur unter der Erde verbarg. Darüber hinaus waren in dem Gebiet kaum FNL-Stellungen zu finden, so dass vor allem die Zivilbevölkerung unter der Bombardierung litt. General Westmoreland wendete die Taktik Search & Destroy an. Feinde wurden aufgespürt und dann mit Artilleriefeuer angegriffen. Danach sollt die ARVN das befreite Gebiet besetzen. Die FNL erlitt zwar herbe Verluste, konnte diese aber immer wieder kompensieren und machte sich den Schutz des Dschungels und der Dunkelheit zunutze. Im Jahr 1967 kamen US-Experten zu der Erkenntnis, die gewählte Strategie habe versagt. Bis Ende 1967 waren 485.000 US- und 50.000 südvietnamesische Soldaten im Land stationiert, bereits 16.000 Amerikaner wurden getötet und die Bevölkerung in der Heimat zweifelte sowohl einen Sieg als auch den Sinn der Aktionen mehr und mehr an. Doch anstelle nachzugeben, wurde das Phönix Programm eingeleitet, später von Offizier Barton Osborne als „steriles, unpersönliches Mordprogramm“ beschrieben. Er verglich es sogar mit Nazi-Methoden. So sollte die FNL in Südvietnam geschwächt werden, die immer wieder Dörfer und Städte infiltrierten. Ziel war es, Guerrillatruppen zu finden, zu identifizieren, gefangen zu nehmen oder zu töten. Barton Osborne sagte später, er wüsste von keinem Häftling, der die Operation überlebt hätte. 50.000 Menschen starben durch dieses Vorgehen. Der Höhepunkt war für Kritiker am 30. Januar 1968 erreicht – zu dem Zeitpunkt startete die Tet-Offensive. Mit mehr als 80.000 Soldaten griff der Vietcong über 100 Stellungen an. Zwar kam der Angriff für die Amerikaner völlig überraschend, doch schon nach wenigen Tagen waren die nordvietnamesischen Truppen zurückgeschlagen – 50 bis 100.000 Mann wurden laut dem nordvietnamesischen General Vo Nguyen Giap getötet, so dass die Armee nicht mehr zu größeren Operationen fähig war. Allerdings – und das war entscheidend – wirkte die Tet-Offensive propagandistisch. So gingen Fotos und Berichte durch die Presse, die einen südvietnamesischen General bei der Exekution eines Vietcong zeigten, Berichte über US-Kriegsverbrechen und Missachtungen der Genfer Konventionen wurden laut und die Einsätze von Napalm und dem Entlaubungsmittel Agent Orange wurden bekannt. Vor allem die während des Rückzugs gefilmten US-Soldaten, die verlustreichen Kämpfe und die in den Videos gezeigte Panik nährte die Botschaft eines sinnlosen Krieges. Kurz nach der Tet-Offensive wurden in Paris Friedensverhandlungen aufgenommen. Ergebnisse kamen nicht zustanden.

38
  1. Seite 1 Call of Duty 7: Der Vietnamkrieg - Einleitung und französische Phase
  2. Seite 2 Call of Duty 7: Der Vietnamkrieg - Die amerikanische Phase bis zur Nixon-Ära
  3. Seite 3 Call of Duty 7: Der Vietnamkrieg - Das Ende des Krieges und Schauplätze für das Spiel
    • Kommentare (38)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Sybo NPC
        AW: Special - Call of Duty 7: Der Vietnamkrieg und mögliche Schauplätze - Eine Exkursion in die Geschichte

        Klasse Artikel,

        wenn es so wie bei MW2 ist werde ich es nicht kaufen!!!

        Gruss Sybo
      • Von Sybo NPC
        AW: Special - Call of Duty 7: Der Vietnamkrieg und mögliche Schauplätze - Eine Exkursion in die Geschichte

        Klasse Artikel,

        wenn es so wie bei MW2 ist werde ich es nicht kaufen!!!

        Gruss Sybo
      • Von spw Mitglied
        AW: Special - Call of Duty 7: Der Vietnamkrieg und mögliche Schauplätze - Eine Exkursion in die Geschichte

        Zitat von DentonJC
        Zitat von "coony, post: 8523802, member: 2351249"
        dann aber bitte aus Vietnam Perspektive, nicht USA... es reicht langsam.

        Zitat von RedDragon20
        Ich seh schon, wie die USA (wieder mal) als DIE Helden dargestellt werden, wobei die Vietnamesen gleichzeitig als die Teufel selbst herhalten müssen.
        Nun das Spiel will man ja in den USA verkaufen, selbstverständlich wird man es auf Seiten der Amerikaner Spielen können. Wenn man sich MW2 und ähnliches ansieht scheint man aber leider tatsächlich der Meinung zu sein, Kriegsspiele mit einer gehörigen Portion amerikanischen Patriotismus anbieten zu müssen. :-(

        Zum Thema:
        Dabei gibt es meiner Meinung nach sehr wohl einige Ansatzpunkt in der Kriegsgeschichte die zu einer gehaltvoll erzählten Story dienen könnten:
        Zum Beispiel würde ich die französische Phase tatsächlich in das Spiel einbauen. Die Schlacht von "Dien Bien Phu" bietet sich doch geradezu als Aufhänger zu Beginn des Spiels an. Die größte Schlacht im ersten Indochinakrieg und die Niederlage der Franzosen, die das Ende der Kolonialzeit besiegelt. Da gibt es auch mindestens eine gute Hollywood-Vorlage. Zudem gibt es da noch den interessanten historischen Fakt, dass die Fremdenlegion zu einem großen Teil aus ehemaligen Waffen SS-Soldaten bestand und diese nach Augenzeugen berichten den erbittertsten Widerstand gegen die drohende Niederlage geliefert hatten... Da kann man doch etwas daraus machen.


        Zum Artikel:
        Schöner Artikel, um einen diese in unserer Gesellschaft weitgehend vergessene und wohl kaum verstandene Geschichte näher zu bringen. Was mich immer wieder erstaunt: Diese Kriege sind noch nicht lange her und gemessen an dem unglaublichen Leid das sie verursacht haben, sind sie heute politisch und gesellschaftlich kaum noch im Bewustsein oder das Thema von größerem Interesse, obwohl der Konflikt im Grunde bis heute noch nicht gelöst ist...

        Ein Verwandter meinerseits diente bei den Fallschirmjägern ,wurde in Tunesien,als das DAK kapitulieren musste, gefangengenommen,meldete sich zur Legion und hatte in Vietnam ein einschneidendes erlebnis....

        dunkle nacht,dschungel: er war der letzte überlebende seiner guppe,floh vor den ihn verfolgenden vietcong,als ein affe mit ihm "zusammenstiess"....der affe hat es nicht überlebt aber mein verwandter hat bis an sein lebensende JEDE nacht von diesem erlebnis geträumt...........erzählt hat er es nur,als er alkoholisiert war.........
      • Von Sprudelmax Gelegenheitsspieler/in
        AW: Special - Call of Duty 7: Der Vietnamkrieg und mögliche Schauplätze - Eine Exkursion in die Geschichte

        @homeboy: Man sollte schon wissen, dass Vietnam in den 60ern war. Da war auch die Hippie-Antikrieg-Welle, erinnerst du dich? ;)

        Ach ja, gerade bei Vietnam wird der Ami 100%ig als Held dargestellt, Vietnam ist ja heute noch ein heikles Thema in den USA.
      • Von DestinysHand Mitglied
        AW: Special - Call of Duty 7: Der Vietnamkrieg und mögliche Schauplätze - Eine Exkursion in die Geschichte

        Also wenn das Spiel auch vom IW-NET
        abhängig sein wird werde ich einen Teufel tun
        es zu kaufen!!!
        IW-NET ist wohl in der Geschichte des
        Shootergenres die mit schlechteste Lösung
        ,Spiele übers Internet zu Managen !!!
        Das angekündigte Update lässt ja uch noch auf
        sich warten ! Ausserdem glaube ich kaum das
        es jeh ein wirklich rundum stabil laufendes IW-
        NET geben wird !
      • Von Pokegreis Anwärter/in
        AW: Special - Call of Duty 7: Der Vietnamkrieg und mögliche Schauplätze - Eine Exkursion in die Geschichte

        Vietnam...Oh Mann...Dann werde ich den Titel wohl genauso überspringen wie WaW....Hat mich auch nich wirklich gereizt!
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 07/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 07/2026 Linux Magazin 07/2026 LinuxUser 07/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk