Call of Duty 4: Modern Warfare
Der Auftrag ist einer der vielen Höhepunkte. Wäre man ein bisschen böswillig angehaucht, man könnte ihn als kleine, dem Action-Adventure S.T.A.L.K.E.R. gewidmete Provokation begreifen. Denn auch der Tschernobyl-Shooter stellt diesen Schauplatz mit grafischer Präzision und geisterhafter Atmosphäre nach. In Call of Duty 4 dauert der dortige Aufenthalt nicht länger als 30 Minuten, doch in diesem knappen Zeitraum passiert mehr Bemerkenswertes als im weitaus umfangreicheren S.T.A.L.K.E.R. - allein der Beginn ist von einer Qualität, die selbst verwöhnte Spieler in Erstaunen versetzt: Als eine Kompanie des Gegners anrückt, wirft man sich auf Befehl MacMillans ins hüfthohe Gras. Mit quälender Langsamkeit marschieren bis an die Zähne bewaffnete Feinde vorbei, dann wächst das Grollen sich nähernder Fahrzeuge, der Platz zum Ausweichen wird knapp, scheint nicht zu reichen ... Tröste dich, S.T.A.L.K.E.R., der Abschnitt erzeugt einen Nervenkitzel, mit dem alle Splinter Cell-Teile bedient wären.
Später dann: Sprints von Haus zu Haus, alle leer stehend, alle gezeichnet vom Reaktorunfall. Und am Ende der große Knall am traurig berühmten Platz mit dem verlassenen Riesenrad.
Ein Helikopter soll den verwundeten MacMillan in Sicherheit bringen, derweil erscheinen die aufgescheuchten Rivalen in Überzahl. Kugeln fliegen, Kommandos werden gebrüllt, Dinge gehen aufwendig kaputt. Eine subjektive Ewigkeit verstreicht, bis der Hubschrauber endlich abhebt, und sobald sich die Landschaft unter einem wegbewegt, kleiner wird, der Krach der Waffen allmählich verklingt - sobald das geschieht, hebt man auch als Spieler innerlich ab. Es breitet sich eine Erleichterung aus, als wäre man tatsächlich gerade knapp dem Tod entronnen. Bevor die Wucht der Präsentation einwirken kann, folgt schon die nächste Situation und raubt den Atem.


