BIU im Interview: "Unsinnige politische Forderungen" nach Amoklauf in Winnenden
Olaf Wolters ist Geschäftsführer des BIU und spricht im Interview mit PC Games über Gewaltspiele und den Jugendschutz.
PC Games: Dr. Hans-Peter Uhl fordert heute eine Umstellung der Struktur und Arbeitsweise der USK, um Herstellerinteressen zurückzudrängen und effektive behördliche Überprüfungsmechanismen zu verankern. Die USK werde ihrer hohen Verantwortung für den Jugendmedienschutz nicht gerecht. Wie stehen Sie zu dieser Anschuldigung?
Olaf Wolters: "Diese Vorwürfe zeigen, dass Herr Dr. Uhl als Innenpolitiker keinerlei Kenntnisse über das bestehende Jugendschutzsystem in Deutschland hat. Bereits seit 2003 sind die geforderten "behördlichen Überprüfungsmechanismen" im Jugendschutzgesetz und damit auch im Alterskennzeichnungsverfahren verankert. Die Alterskennzeichen kommen als staatliche Verwaltungsakte direkt von den Obersten Landesjugendbehörden der Länder. Was die Länder über ihre ständigen Vertreter bei der USK nicht aussortieren, wird von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien als Bundesbehörde indiziert. Mehr Behörde und Staat geht nicht."
PC Games: In Ihrer heutigen Pressemitteilung fordern Sie den Vollzug bestehender Gesetze zu verbessern, um eine altersgerechte Abgabe von Computer- und Videospielen an Kinder und Jugendliche zu gewährleisten. Wie sähe dieser Vorschlag Ihrer Ansicht nach in der Praxis aus?
Olaf Wolters: "Wir sehen hier eine Verpflichtung des Staates, die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen zu kontrollieren. Das gilt für den Verkauf von Computer- und Videospielen, aber vor allen Dingen noch mehr für die Beschränkung des Zugangs zu Feuerwaffen. Wie konnte ein 17jähriger Zugang zu einem Waffenarsenal bekommen? Diese Frage muss geklärt werden."
PC Games: Der BIU engagiert sich laut Ihrer Aussage für einen starken Jugendschutz und fordert Politik und staatliche Institutionen auf, diese Bemühungen zu unterstützen. Welche Bemühungen streben Sie konkret an? Zum Beispiel Testkäufe?
Olaf Wolters: "Nein. Die Kontrolle der gesetzlichen Regelungen ist Sache des Staates. Wir erwarten aber vom Staat, namentlich in Gestalt der Innenminister, dass er den gut funktionierenden Jugendschutz nicht in der Öffentlichkeit diskreditiert und unsinnige politische Forderungen aufstellt. Der BIU selbst wird die Kommunikation ausweiten und versuchen, der Öffentlichkeit das bestehende Jugendschutzsystem besser zu erklären. Hier gibt es ein großes Defizit und der Staat sollte uns hierbei unterstützen."
PC Games: Im Zuge der Novellierung des Jugendschutzgesetzes wurden unter anderem größere USK-Logos durchgesetzt. Stellt sich nach dem Vorfall in Winnenden nun nicht die Frage nach dem Erfolg dieser Maßnahme? Haben sich die Änderungen in irgendeiner Weise bereits positiv oder negativ bemerkbar gemacht?
Olaf Wolters: "Der Vorfall hat mit Jugendschutz nichts zu tun. Wir sehen den Jugendschutz als dauerhafte Aufgabe und nicht als aktionistisches Instrument nach Unglücksfällen. Die Vergrößerung der neuen Kennzeichen war aus unserer Sicht nicht notwendig, wohl aber die Neugestaltung. Hier werden wir sicherlich noch etwas tun."
PC Games: Politiker und Experten fordern auch nach dem Amoklauf in Winnenden ein Verbot so genannter Gewaltspiele. Betrachtet man diesen Aspekt aus rein wirtschaftlicher Sicht, wie umfangreich wären die Auswirkungen? Zum Beispiel auf Publisher, Entwickler, den Handel und die berichterstattenden Medien? Können Sie ungefähre Zahlen nennen, um das Ausmaß eines solchen Verbotes zu veranschaulichen? Wie viele Arbeitsplätze hingen davon ab?
Olaf Wolters: "Diese Frage ist praktisch nicht zu beantworten. Man müsste sich die Frage stellen, auf welche Spielinhalte sich so ein Verbot konkret beziehen würde. Was ist mit Strategiespielen, mit Rollenspielen oder Action-Adventure? Oder nur Ego-Shooter? Würden auch 3rd-Person-Shooter darunter fallen? Was ist mit Jump 'n Runs und Rennspielen a la Bournout? Ich glaube nicht, dass so ein Verbot so klar formulieren verfassungsrechtlich haltbar ist. Die bestehenden Regelungen zum Verbot von "Gewaltverherrlichung" zeigen die klaren Grenzen auf. Mehr als den Status Quo wird es nicht geben."
(Das Interview führte Sebastian Thöing)
Ebenfalls interessant:
Der Amoklauf von Winnenden: Gewaltspiele sind nicht der einzige mögliche Auslöser
Amoklauf von Winnenden: N-TV mit ersten fehlerhaften Counter-Strike-Berichten
Amokläufe, Täter, Studien, Hintergründe: Deutschlands hitzige Diskussion über "Killerspiele"


Anschauen!
Der letzte Satz in der Sendung trifft genau ins schwarze!
Aber genau das wollen unsere Main-Street-Medien nicht Wahr haben...
Nicht die emanzipation direkt, nennen wir es Collateralschaden.
Heute will jeder erfolgreich werden oder muss Geld viel Geld verdienen da den kindern nicht nur essen und liebe aussreicht, wir leben…