Fröhlich am Freitag: Warum Blizzard-Angestellte im Dunkeln arbeiten
Peinliche Nacktfotos aus der Jugend von B-Promis, Affären von Nationaltorhütern und supergeheime Bildern von supergeheimen Spielen haben eines gemeinsam: Sie bleiben nicht lange unentdeckt. Für gewöhnlich tauchen die Fotos, Screenshots und Infos in finsteren Foren oder noch finstereren Websites mit der Endung .tt oder .ws auf - und natürlich kommen News-Websites umgehend ihrer Informationspflicht nach und sorgen für rasche Verbreitung. Umso mehr finde ich es bewundernswert, dass es gerade bei ganz wichtigen Ankündigungen gelingt, diese Erkenntnisse bis zum großen Tag X geheim zu halten.
Nehmen wir Apple und Blizzard. Bis wenige Minuten vor Enthüllung von iPhone 2 oder Diablo 3 kursieren allenfalls Gerüchte, angeheizt durch gezielt platzierte Andeutungen - die Macher von Starcraft, Diablo und Warcraft sind darin Meister ihres Fachs. Beide Firmen beschäftigen viele tausend Mitarbeiter in allen Ecken der Welt. Da finden Meetings statt, es gibt Design-Dokumente, technische Zeichnungen, Pressemitteilungen, Protokolle, Mitarbeiter schwatzen in der Kaffeeküche, es finden Präsentationen statt. Und kein einziger der unterbezahlten Praktikanten in Los Angeles, Paris, Shanghai oder München ist in der Lage, mal eben mit der Handy-Cam mitzufilmen und das Video auf Youtube zu stellen. Oder irgendeine Pressemitteilung auf den Kopierer zu legen und anonym an die New York Times zu schicken.
Das größte Risiko sind externe Mitarbeiter - Gärtner, Chauffeure, passionierte Blogger, Reinigungsfachkräfte, Journalisten. In ungefähr dieser Reihenfolge. Der Redakteursalltag bringt es bekanntlich mit sich, dass wir neue Spiele Wochen oder gar Monate sehen, bevor erste Informationen veröffentlicht werden dürfen. In diesen Fällen unterschreibt man sogenannte NDAs (Non Disclosure Agreements, frei übersetzt: Wehe-Ihr-sagt-was-Verträge) und verpflichtet sich, die Klappe zu halten. Bei Zuwiderhandlung drohen Strafzahlungen in fünf-, sechs-, siebenstelliger Dollar-Höhe (oder wahlweise die Überlassung des erstgeborenen Sohnes - wie weiland beim Rumpelstilzchen). Das betrifft nicht nur den Spielesektor, sondern etwa auch den Kulturredakteur von Spiegel oder FAZ, der sich zum Beispiel Indiana Jones und das Reich des Kristallschädels ansehen muss, aber erst ab dem So-und-so-vielten ab so-und-so-viel-Uhr seine Meinung kundtun darf.
In vielen Fällen ist dieser Akt blanke Schinderei und Wichtigtuerei des Herstellers, in anderen Fällen lässt das Aktienrecht keine andere Wahl: Wenn Blizzard einen Titel wie World of Starcraft oder Diablo 3 ankündigt, dann ist anzunehmen, dass diese Ankündigung den Aktienkurs beeinflussen wird. Um Insiderhandel zu unterbinden, muss die Öffentlichkeit - allen voran die Aktionäre - zeitgleich informiert werden. Gleiches gilt für Sims 3 bei Electronic Arts, Assassin's Creed 2 bei Ubisoft oder Grand Theft Auto 5 bei Take 2.
Fakt ist: Schokolade, Geld und warme Worte haben nichts geholfen - Blizzard wollte uns nicht verraten, was am morgigen Samstag in Paris enthüllt wird (meine Kollegen berichten live hier auf pcgames.de von der großen Enthüllung - seien Sie dabei!). Meine Theorie lautet: Die Mitarbeiter von Apple und Blizzard sind deshalb so blass im Gesicht, weil sie in unterirdischen Katakomben im Dunkeln arbeiten müssen. So wie beim siebten Harry-Potter-Band vor einem Jahr, als die bedauernswerten Mitarbeiter der sächsischen Druckerei ihre Glühbirnen ausschraubten, um heimliches Spicken zu verhindern. Die LKWs mit den versiegelten Potter-Buchpaletten wurden anschließend per Satellit auf ihrem Weg in die Läden überwacht. Was normalerweise nicht allzu viel bringt, wie Fans von Jack Bauer und Nico Bellic wissen ("Dammit, we've lost 'em...").
Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen
Ihre
Petra Fröhlich



Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen
Ihre
Petra Fröhlich
(Frank Moers)
soso, frau fröhlich ist also in wirklichkeit herr moers - ich hab's schon immer gewusst!
Alle andere waren vorher rundenbasierend, was diablo auch erst werden sollte.
Zum glück haben sie sich umentschieden...
Erfinder des hack'n'slay. Hat doch schon was.
Perfektionierung des Suchtfaktors
Nahezu perfektes balancing im…