Blacksite
Vom Hubschrauber aus ballern wir auf einen gigantischen Alien. Spielerisch simpel, aber optisch beeindruckend.
Ein außerirdisches Artefakt bringt die konfuse Handlung ins Rollen: Das Spiel wirft urplötzlich Mutanten und Aliens vor Ihr Fadenkreuz. Und noch während man den roten Faden aus den Augen verliert, findet man sich Jahre später in Nevada wieder - unweit der legendären Area 51. Hier büßt Blacksite weiteres Potenzial ein: Lange düst man per Geländewagen durch die texanische Wüste, dabei ist die Fahrtrichtung ausschließlich mit der Maus vorzugeben - reichlich unangenehm. Sind diese zu langen Sequenzen überstanden, wird weitergeschossen: Auf eindrucksvoll gestaltete Androiden, die ihren Torso absprengen und dem Spieler als Kontaktmine nachhetzen. Auf fabelhaft animierte Alien-Würmer, die durch Straßen und Häuserdächer krachen. Und auf mysteriöse Soldaten, deren Motivation sich einem bis zum Spielende nicht erschließt. Dabei lässt die Action selten nach.
Sie schalten Feinde per Sniper-Gewehr aus, nehmen hinter Geschützen Platz, lenken Buggys durch Feindgebiete und holen Hubschrauber vom Himmel. Nichts davon ist neu, nichts wirklich toll. Nur in kurzen Momenten zeigt Blacksite, dass es auch spannend geht: Etwa wenn ein gigantischer Alien sich aufbäumt, dramatische Musik aus den Boxen peitscht und Ihre Kameraden die Gegner unter Beschuss nehmen, während Sie das dicke Vieh mit Raketen bearbeiten.
Emotionslos, ohne Gespür für Betonung, Situation oder Inhalt – speziell die Sprecherin der unsäglichen Militärärztin sorgt für blutende Gehörgänge.
Ruhiger und atmosphärischer ist es im Örtchen Rachel: Überraschungsangriffe an Tankstellen, Mutanten, die aus Garagen hervorpreschen und Schleichpfade durch die Hintergärten amerikanischer Kleinbürger - als Spielumgebung ist Rachel ungewöhnlich, beinahe spannend. Doch aufregend? Nie. Gründe dafür gibt‘s viele, etwa die Waffen. Man findet einfach zu wenige und nutzt oft nur das Maschinengewehr. Oder die wenigen Gegnertypen, die obendrein meist doof agieren. Auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad haben auch Anfänger gute Karten. Nach einigen Treffern läuft das Bild rot an, man begibt sich dann kurz in Deckung - und ist wieder kerngesund.
Die mangelnde Herausforderung ist auch ein Produkt der ständigen KI-Begleiter. Die Kumpels schießen brav auf alles in Wurfweite und gehen geschickt in Deckung - eigentlich nicht schlecht. Dass sie hin und wieder aber Granaten vor die Füße des Spielers werfen, muss man erst mal verkraften.
Unverzeihlich hingegen die deutsche Sprachausgabe: Man wünscht sich, die emotionslosen Dialoge wegklicken zu können. Im Namen der Menschlichkeit: Installieren Sie Blacksite auf Englisch!
Besser schneidet die Grafik ab: Angetrieben von der Unreal-Engine 3, liefert Blacksite eine zeitgemäße, teils exzellente Optik. Speziell Chararaktere und Monster sind detailreich und die Umgebungstexturen bestechen mit Schärfe. Doch was nützt all die feine Technik, wenn ihr nicht ausreichend Zeit zur Reife bleibt?


Viel mehr Spaß als HL2: EP2 und Bioshock? Hm. Irgendwie steht…