Bioshock
Süße Härte - Bioshock ist groß im Verblüffen durch Gegensätze: Die Little Sisters wirken unschuldig und rammen mit mörderischer Blutrünstigkeit ihre Spritzen in Leichen, um an die Droge Adam zu gelangen.
Bioshock weicht der Shooter-Norm mutig aus, und wenn Sie sich zur Unterwasser-Thematik im 50er-Jahrestil nicht hingezogen fühlen, so sollten Sie dem Spiel trotzdem eine Chance geben. Beim Antesten erledigt sich das Problem der Ungewöhnlichkeit nämlich von selbst. Bioshock packt, saugt ein, schüttelt durch und spuckt wieder aus, Widerstand zwecklos. Es gehört zum Besten, was die Industrie in den vergangenen Jahren hervorgebracht hat. Mit einer Spannungskurve so konstant hoch, dass man am liebsten zwanzig Stunden dranbleiben möchte. Bis es zum persönlichen Bioshock kommt, dem Kreislaufkollaps.
Der Atmosphäre gebührt das größte Lob. Grafik, Sound und Spielablauf führen eine Symbiose, wie man sie zuletzt in Half-Life 2 erlebt hat. Dort war die Stimmung eines Überwachungsstaates allgegenwärtig, hier ist es die einer zerbrochenen Gesellschaft und geplatzter Träume. Die Droge Adam sollte Auserwählte schöner, stärker und intelligenter machen, würdig des Wohnens in Rapture, der Unterwasserstadt für Besserwissende und -verdienende. Hätten die Forscher bloß den pharmazeutischen Grundsatz "Keine Wirkung ohne Nebenwirkung" beachtet. Denn nicht nur wurden die Bewohner aufgeputscht, auch dem Wahnsinn fielen sie anheim.
Medizinisch zweifelhaft - Diesen Chirurg lässt man besser nicht operieren, er faselt nämlich Wirres von Blut, Schuldgefühlen und zerstörten Kunstwerken.
Seitdem liegt Rapture geisterhaft leer auf dem Meeresgrund, bewohnt von einigen übrig gebliebenen Verrückten, die die Anwesenheit anderer in einen Blutrausch versetzt. Sie sind ein solcher Anderer, zum Aufenthalt gezwungen nach einem Flugzeugabsturz irgendwo im Nirgendwo.
Bioshock verarbeitet dieses Thema mit Gespür für Dramatik, was bemerkenswert ist, bedenkt man, dass schlichte Tonbandaufzeichnungen die Geschichte zu tragen vermögen. Personen tauchen selten auf, und wenn, dann meistens als Silhouetten.


Vielleicht bin ich als älterer Zocker auch nur von den alten Kultgames beeinflusst, aber wenn "Shock" drauf steht, dann will ich auch ein "Shock" haben. Wenn es mir nur um Grafik, Story und Ballern geht, dann kann ich auch ein Crysis spielen.
Bis auf die Grundstruktur hat Bioshock nämlich nicht sehr viel mit SysShock2/Deus Ex gemein. Charakterwerte sucht man vergebens und selbst ein Inventar schien den Machern etwas Überlfüssiges zu sein, dessen Bedienung den "modernen Shooter-Zocker" eventuell überfordern könnte?!?!?
Die ganzen Waffen, deren Aufwertung sowie die Pseudo-Magie (Plasmide etc.) sind ja im Grunde genommen nichts weiter als Elemente, die man in abgewandelter Form auch in anderen Ego-Shootern findet. Von RPG-Elementen sind die allesamt aber so weit entfernt wie M31 von der Erde
So betrachtet ist Bioshock zwar ein toller Shooter mit einer grandiosen Atmosphäre, aber sowohl die Abkehr von den Grundwerten eines System Shock 2 als auch die Shooter-Typische kurze Spielzeit degradieren es zu einem klassischen Vertreter unserer "Grafik und Ballern ist alles - Zeit".
Daher "nur" 75 von 100 von mir.
hab es sehr genossen.
ich habe das games jetzt durchgespielt und kann sagen, dass ich es gerne gepielt habe.
von "einsaugen" und "ausspucken" der atmosphäre kann aber keine rede sein.
zuwenig abwechlsung bieten mir die paar gegnertypen, zuwenig spannung und atmosphärische dichte kommen auf. die cineastischen und gescripteten szenenwechsel kommen aber sehr motivierend daher!
die mittelflache gamer-story ist ok und bietet einen nichtlinearen spielablauf, der leider zu früh und abrupt endet.
immerhin ein kurzweiliger spielspass in einem originellen schauplatz.
Bewertung: 85points
wird gekauft punkt xD