Besieger
Kaum ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch. Das muss auch der tapfere Kriegsherr Konin feststellen, als er eines Tages mit seinem Heer zu großen Heldentaten aufbricht. Seine Schwester Marah nutzt die Abwesenheit des Brüderchens nämlich zum Ausleben ihrer Weltherrschaftspläne und lässt damit das gesamte globale Gefüge wie ein Kartenhaus zusammenbrechen. Das wiederum finden die Wikinger gemein und schicken den rotbärtigen Axtschwinger Barmalay auf die Suche nach Thors Hammer, der alles wieder ins Lot bringen soll.
Auf ein langes Leben
Die Hintergrundgeschichte von Besieger kommt ebenso unspektakulär daher wie das Spiel selbst. Alles hat man irgendwo schon einmal gesehen. Ein bisschen Warcraft 3, eine Spur Stronghold, etwas Cossacks - und das alles verpackt in eine mittelalterliche Sagenwelt. Durch selbige kämpft sich der Spieler in insgesamt zwei Kampagnen mit zwölf Missionen. Ähnlich wie in Warcraft 3 spielen Helden dabei eine tragende Rolle: Neben den Hauptfiguren Barmalay und Konin schlagen sich im Verlauf des Feldzugs weitere Heroen auf Ihre Seite. Etwa der muskelbepackte Troll Oscar, der mit seinem Morgenstern heranstürmenden Feinden den Garaus macht. Die Helden aus zweiter Reihe dürfen im Gegensatz zu Barmalay und Konin übrigens ungestraft verheizt werden; sterben diese beiden nämlich den Bildschirmtod, ist das Spiel verloren. Allerdings lohnt es sich, fürsorglich mit Helden und normalen Truppen umzugehen, denn alle Kämpfer gewinnen auf dem Schlachtfeld an Erfahrung, die sich in erhöhten Rüstungs- und Angriffswerten niederschlägt. Ein zusätzlicher Anreiz: In die meisten Missionen dürfen Sie Truppen aus der vorher geschlagenen Schlacht mitnehmen.
Umschulungsmaßnahme
Um jedoch erst einmal Truppen zu haben, die an Erfahrung gewinnen können, kommen Sie auch in Besieger nicht am Basenbau vorbei. Wie in Blizzards Warcraft-Reihe zimmern Sie dazu zunächst einmal Wohnhäuser auf den Baugrund, die fortan eine bestimmte Anzahl Arbeiter "produzieren"; diese wiederum lässt sich durch spätere Upgrades erhöhen. Die Mädchen für alles schicken Sie dann zum Abbau von Holz, Stein und Eisen. Sind genügend Rohstoffe gesammelt, kann der Ertrag durch den Bau von Sägewerken oder Steinmetzen weiter gesteigert werden, bevor es ans Errichten von Militärgebäuden geht. Ihre Armee können Sie leider nicht in einem einzelnen Gebäude ausbilden, sondern Sie ziehen für jeden Truppentyp eine separate Ausbildungsstätte hoch. Wie in American Conquest oder auch Battle Realms kommandieren Sie untätige Arbeiter zu Fortbildungsmaßnahmen ab und erhalten nach kurzer Wartezeit fertig ausgebildete Speerwerfer, Berserker oder Rammbockfahrer.
Schlachtenbummler
Ihre Armee kommt dann recht schnell zum Einsatz, denn auf Gegenwehr müssen Sie nie lange warten. Entwickler Primal Software (The I of the Dragon) hält sich bei der Steuerung an Genre-Standards. So können Sie Truppen gruppieren, Angriffe erzwingen und Formationen zuweisen. Letzteres ist besonders wichtig, da die Massenschlachten von Besieger dank Klümpchenbildung von Pixel-Pikenieren und -Kameraden extrem unübersichtlich sind. Deshalb sollten Ihre Mannen vorher gut aufgestellt sein. Ein Minimum an Übersicht gewinnt Besieger durch die Möglichkeit, die Spielgeschwindigkeit in mehreren Stufen zu drosseln oder ganz zu pausieren - Befehle können Sie dabei jederzeit ausgeben. Trotzdem haben die Scharmützel mit Taktik nicht allzu viel gemein; eine Übermacht ist stets die beste Siegversicherung. Mehr Spaß machen da die Belagerungsschlachten, in denen Besieger (engl.: Belagerer) seinem Namen alle Ehre macht. Wenn Sie mit Rammböcken Burgtore knacken, kommt beinahe Herr der Ringe-Feeling auf. Allerdings war auch das alles schon in Stronghold zu sehen.
So geht's nicht
Zu bekanntem Spielablauf gesellen sich technische Unzulänglichkeiten. Die Grafik liegt mit kargen Grastapeten und hakeligen Animationen deutlich unter Warcraft 3-Niveau und der KI macht die Wegfindung schwer zu schaffen. Da watscheln selbst formierte Truppen im Gänsemarsch hintereinander her. Und treffen Vehikel aufeinander, ist der Zusammenstoß ebenso vorprogrammiert wie minutenlanges Rangieren. Mit all diesen Mängeln scheitert Besieger an der reichlich vorhandenen Konkurrenz.
