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  • Antichrist (Blu-ray-Kritik / Review)

    Antichtist (1) Quelle: MFA+ Filmdistribution

    Lars von Triers tiefer Einblick in die Psyche eines Ehepaars am Abgrund, aber auch in sein eigenes Seelenleben. Ein schockierendes und seltsames Werk.

    Antichtist (11) Antichtist (11) Quelle: MFA+ Filmdistribution Menschenverachtend, frauenfeindlich, widerlich; nur drei Schlagworte, mit denen der dänische Regisseur Lars von Trier von Publikum und Kritikern konfrontiert wurde, nachdem sein neustes Werk erschienen war. Oberflächlich betrachtet treffen alle drei Beschreibungen auf Antichrist zu. Der Streifen ist eine Qual. Als Zuschauer möchte man sich bei manchen Szenen angewidert abwenden. Doch von Triers starke Bildsprache und Symbolik lässt einen nicht los. Und so wird man Zeuge eines verstörenden Psychogramms eines Ehepaares, das in ungeahnte seelische Abgründe stürzt.

    Trauer
    Der Unfalltod ihres Kindes ist bei der nicht beim Namen genannten Ehefrau der Auslöser einer tiefen Psychose und Depression. Panikattacken, Angstzustände und Wahnvorstellungen lassen sich nur durch starke Medikamente im Zaum halten. Ihr Ehemann stellt sich dagegen seiner Trauer und kommt mit dem Verlust des eigenen Kindes einigermaßen zurecht. Als erfolgreicher Therapeut glaubt er zudem, seiner Frau besser helfen zu können als die behandelnden Ärzte. Während seine Partnerin in verstörende, neurotische Zustände abzudriften droht, versucht er ihr Seelenheil wieder ins Lot zu bringen. Nach bitteren Rückschlägen muss er feststellen, dass der Ursprung der Furcht seiner Frauvom gemeinsamen Ferienhaus mitten im Wald auszugehen scheint. Schonungslos konfrontiert er sie mit ihrer Angst und kehrt mit ihr in das Anwesen zurück. Doch isoliert im Wald scheint auch er plötzlich den Verstand zu verlieren. Haust tatsächlich das Böse in den Wäldern?

    Antichtist (9) Antichtist (9) Quelle: MFA+ Filmdistribution Seelenchaos
    Vor circa vier Jahren - genau zu Beginn der Arbeiten an Antichrist - war sich Lars von Trier eigentlich sicher gewesen, dass er nie wieder Filme würde drehen können. Seine Angstzustände und eine tiefe Depression nagten so stark am Selbstvertrauen des Regisseurs, dass er beinahe daran zerbrochen wäre. Doch gerade seine Arbeit wirkte bei ihm wie eine Therapie. Aus der Depression heraus schuf er Antichrist. Dieser Umstand ist beinahe jedem Frame und jeder Einstellung des Films anzumerken. Antichrist wirkt wie ein verstörender Blick in die aufgewühlte und tief verletzte Seele des Dänen.

    Handwerklich gelang ihm mit diesem ungewöhnlichen Film ein beklemmender und spannender Psycho-Horror-Streifen, dessen fantastische Zeitraffer-Aufnahmen und bedrohliche Landschaftsbilder einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Doch von Trier ging noch weiter, brach jegliche Tabus und lieferte mit Antichrist einen der umstrittensten Filme des letzten Jahres ab. Explizite Sex- und Gewaltszenen, die gegen Ende unerträglich werden und bei denen von Trier die Kamera unangenehm direkt und ungeniert auf das Geschehen gerichtet hält, verstören wohl selbst hartgesottene Filmfans. Ein filmischer Genuss ist Antichrist daher sicherlich nicht. Dennoch oder gerade deswegen lohnt sich aber der Blick auf das kammerspielartige Werk, bei dem Willem Dafoe und Charlotte Gainsbourg ihre Rollen unglaublich intensiv interpretieren.

    Antichtist (7) Antichtist (7) Quelle: MFA+ Filmdistribution Offenbarung
    Ob Sie dabei zur DVD-Special-Edition oder zu Blu-ray greifen, spielt im Grunde keine allzu große Rolle. Sowohl preislich als auch technisch und die Extras betreffend können beide Heimkino-Varianten voll überzeugen. Visuell wirkt der Streifen auf Blu-ray allerdings noch einen Tick prägnanter und detailreicher.

    Die Ausstattung überzeugt insbesondere durch ihren hohen Produktionsstandard, aber auch mit ihrer inhaltlichen Klasse. Im Audiokommentar und in einem Interview bekennt sich Lars von Trier offen zu seinen schwerwiegenden Problemen, die ihn bereits ein Leben lang begleiten und Antichrist so geprägt haben. Hauptdarstellerin Charlotte Gainsbourg redet in einem knapp dreiviertelstündigen Gespräch ebenfalls sehr direkt über die Dreharbeiten, den Regisseur und die Selbstzweifel, die ihr schwieriger Part in ihr hervorrief. Dazu kommen noch jede Menge interessante Featurettes zu den vielen und dennoch kaum erkennbaren Effekten, der grandiosen Musikuntermalung und den auch geschichtlichen Hintergründen des Films. Die dadurch gewonnen Einblicke in diese außergewöhnliche Produktion lassen Antichrist noch einmal in einem ganz anderen Licht erscheinen.

    Fazit
    Filmlisch beklemmend und meisterhaft, inhaltlich verstörend und fragwürdig: Ein vorurteilsloser Blick auf den Streifen lohnt auf jeden Fall.

    Antichtist (10) Antichtist (10) Quelle: MFA+ Filmdistribution Problem-Mensch von Trier: Die Leiden und Geniestreiche eines Regisseurs
    Heute gehört Lars von Trier zweifelsohne zu den markantesten europäischen Filmemachern der Gegenwart. Der Weg dahin war für den am 30. April 1956 in Kopenhagen als Lars Holbæk Trier geborenen Regisseur nicht leicht. Schon als Kind litt er unter seiner strengen Mutter, die sowohl religiösen Glauben als auch tiefe Emotionen ablehnte. Doch auch diverse Phobien, die von Trier bis heute nicht loslassen, machten ihm das Leben schwer. Ein schwerer Kontrollzwang, alles penibel zu ordnen, löste bei ihm die Faszination für das Filmemachen aus. Seine Abschlussarbeit an der Dänischen Filmhochschule, Images of Relief, wurde 1982 beim Münchner Filmfest als Film des Jahres ausgezeichnet. 1984 drehte er dann seinen ersten Langfilm Element of Crime. Seine erste weltweit veröffentlichte Arbeit war 1990 das Musikvideo Bakerman für die dänische Band Laid Back.

    Als Mitbegründer des Manifests Dogma 95 postulierte von Trier einen neuen Realismus im Film. Ziel dabei ist es, die Geschichte selbst in den Vordergrund zu stellen und auf technische Effekte zu verzichten. Zu seinen erfolgreichsten Werken gehört die Mini-Serie Geister, der in Cannes ausgezeichnete Streifen Dancer in the Dark und Dogville. 2006 sollte er für die Bayreuther Festspiele den Ring der Nibelungen inszenieren, fühlte sich aufgrund seiner Depressionen damit aber völlig überfordert und gab die Verantwortung trotz zweijähriger Vorbereitung ab.

    Antichtist (4) Antichtist (4) Quelle: MFA+ Filmdistribution Kommentar
    "Ich erlebe es selten, dass mich ein Film ebenso fasziniert wie anekelt. Antichrist ist einer davon. Wenn man zudem im direkten Freundeskreis erlebt hat, was es bedeutet, wenn sich jemand in einer tiefen Psychose und Depression beinahe selbst verliert, wirkt Lars von Triers "Anti-Film" noch intensiver und verstörender nach. Kann ich den Film empfehlen? Ja. Möchte ich ihn noch einmal sehen? Nein."

    Wussten Sie, dass ...
    ... Lars von Trier für die weibliche Hauptrolle zunächst Eva Green verpflichten wollte? Schwierige Vertragsbedingungen vonseiten Greens Management ließen die Zusammenarbeit jedoch scheitern.

    Widescreen-Wertung
     

    Action
     
    Spannung
     
    Emotion
     
    Humor
     
    Erotik
     
    Anspruch
     
    Leserwertung:
     
    Meine Wertung
  • Antichrist
    Antichrist
    Vertrieb
    MFA+ Filmdistribution
    Kinostart
    10.09.2009
    Film-Wertung:
     
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706795
Antichrist
Antichrist (Blu-ray-Kritik / Review)
Lars von Triers tiefer Einblick in die Psyche eines Ehepaars am Abgrund, aber auch in sein eigenes Seelenleben. Ein schockierendes und seltsames Werk.
http://www.pcgames.de/Antichrist-Film-200571/Tests/Antichrist-Blu-ray-Kritik-Review-706795/
20.03.2010
http://www.pcgames.de/screenshots/medium/2009/09/Antichrist_Plakat_b2teaser_169.jpg
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