Anno 2070 im Test: Ein bildhübsches Komplexitätsmonster mit überragender Langzeitmotivation - Ab heute im Handel [Test des Tages]
Anno bleibt zwar Anno, doch trotzdem ändert sich mit Anno 2070 ziemlich viel. Eine Atombombe hat es in den Vorgängern beispielsweise nie gegeben.
"Anno 2070 bleibt Anno." Christopher Schmitz, der Produzent beim Anno 2070-Mitentwickler Blue Byte, hat eine besondere Vorliebe für diesen Satz. Wann immer er dieses Jahr über den fünften Teil der Aufbau-Strategieserie befragt wurde, tauchten diese Wörter in seiner Antwort auf. Das sorgte zuweilen für Augenrollen bei Journalisten. Doch nach dem ausführlichen Test des Spiels schütteln wir Herrn Schmitz in Gedanken die Hand und geben zu: "Chris, du hattest Recht!" Denn Anno 2070 folgt minutiös der bekannten Aufbauformel der Vorgänger, ergänzt diese aber mit prima Neuerungen wie drei spielbaren Fraktionen sowie den Variablen Strom und Umweltverschmutzung. Die clever miteinander verzahnten Spielelemente fügen sich dabei zu einem brillanten Ganzen zusammen, das auch nach stundenlanger Wiederholung derselben Abläufe nicht langweilig wird. Weil ständig neue Gebäude zur Auswahl stehen, weil das behutsam austarierte Verhältnis von Angebot und Nachfrage nie zum Stillstand kommt, weil der Spieler alle paar Minuten als virtueller Feuerwehrmann herhält und neue Probleme und Katastrophen bewältigt.
Doch obschon der Szenariowechsel (früher Renaissance und Mittelalter, jetzt Zukunft) das ausgezeichnete Spieldesign kaum verändert, geht er doch nicht spurlos an einer zweiten Säule des Anno-Spielspaßes vorbei: Der Faszination einer heilen Welt, die von Spielerhand geschaffen ist. Anno 2070 wirkt stellenweise kühl und ernst, wo die Vorgänger ein warmes Gefühl der Geborgenheit vermittelten. Zudem ist die Kampagne reinste Vorbereitung auf das Freie Spiel: Spannende Missionen, erinnerungswürdige Charaktere, eine wendungsreiche Geschichte, all das glänzt mit Abwesenheit. Das stört manch einen, der Wert auf eine gelenkte Spielerfahrung legt. Doch wer einfach nur ohne Vorgaben das perfekte Eiland besiedeln will, der bekommt mit Anno 2070 sein Spiel des Jahres.
Info: Kopierschutz
Für Anno 2070 setzt Ubisoft auf eine entschärfte Version seines Online-Kopierschutzes: Bei der Installation verknüpft ihr das Spiel bei aktiver Internetverbindung mit einem kostenlosen Ubisoft-Benutzerkonto. Anschließend startet Anno 2070 jedes Mal über den vorgeschalteten Ubisoft Game Launcher, der allerdings auch im Offline-Modus funktioniert. Ohne aktive Internetverbindung habt ihr während des Spiels jedoch keinen Zugriff auf die Community-Features wie das Spielerprofil und die Belohnungen.
Wir haben Anno 2070 besonders ausführlich getestet, um euch einen möglichst fundierten Test liefern zu können.
Info: So haben wir getestet
Ubisoft lud uns Anfang Oktober zum geschlossenen Betatest von Anno 2070 ein; drei Wochen lang spielten wir die inhaltlich komplette Vorabfassung des Spiels rauf und runter. Im November erhielten wir die fertige Testversion, beendeten damit ein zweites Mal die Kampagne und versuchten uns an weiteren Endlospartien. Während des gesamten Tests mit zwei Redakteuren kam es zu zwei schwerwiegenden Bugs, die jeweils das Beenden einer Mission unmöglich machten. Ein Neustart des Auftrags beziehungsweise das Laden eines älteren Spielstands behoben jedoch dieses Problem. Eine ausführliche Version dieses Tests findet ihr in Ausgabe 12/2011 der PC Games, die ab dem 30. November am Kiosk ausliegt.
Info: Mehrspielermodus
Anders als Anno 1404, das erst mit dem Add-on Venedig Online-Funktionalität erlangte, erlaubt Anno 2070 von Haus aus Mehrspieler-Gefechte. Dabei stehen sich im Endlosmodus oder in zwei der sieben Szenarien vier Spieler gegenüber. Alternativ lassen sich alle Szenarien und das Freie Spiel auch im Koop-Modus bewältigen, bei dem sich bis zu vier Spieler die Aufgaben der Welterkundung und Inselbebauung teilen. Allerdings blieb bis zum Abgabetermin des Onlinetests keine Zeit, um die ausufernden Multiplayer-Partien ausreichend lange zu spielen. Unsere Meinung dazu findet ihr daher in der nächsten PC Games.
Info: Darum geht es
Bislang besaßen die Anno-Spiele stets ein halb historisches, halb fiktives Szenario: Mittelalter, Kolonialzeit und Renaissance waren die Umgebungen, in denen Siedlungen gebaut und Inseln mit Produktionsbetrieben zugestellt wurden. Mit Anno 2070 macht die Aufbau-Strategieserie einen Sprung in die nahe Zukunft: Im Jahr 2070 hat die globale Erwärmung zu schmelzenden Polkappen geführt, der steigende Meerespegel viele Küstenregionen überflutet. Als Mitglied eines der globalen Konzerne, die längst nationale Regierungen als Entscheidungsträger abgelöst haben, sucht ihr nach neuen zu besiedelnden Landstrichen.
Wer einen der Vorgänger gespielt hat, fühlt sich sofort zu Hause: Anno 2070 verändert das bekannte Spielprinzip nur behutsam, noch immer verbringt ihr eure Zeit damit, Häuser für eure Bürger zu errichten und die Wünsche der Einwohner nach Nahrung, Unterhaltung oder Luxuswaren zu erfüllen. Sind genug Bedürfnisse befriedigt, steigen die Mannen eine Zivilisationsstufe auf, wodurch ihr Zugang zu neuen Bauoptionen und höheren Steuereinnahmen erhaltet.
Tipp:
Im PC Games-Forum findet ihr einen Anno 2070 Allgemeine Fragen-Thread, in dem ihr mit anderen Anno-Spielern über Anno 2070 fachsimpeln könnt.
- Anno 2070 im Test - So haben wir getestet + weitere Informationen
- Anno 2070 im Test - Das hat uns gefallen - Seite 1
- Anno 2070 im Test - Das hat uns gefallen - Seite 2
- Anno 2070 im Test - Das hat uns nicht gefallen + Wertung und Meinung
- Bildergalerie zu "Anno 2070 im Test: Ein bildhübsches Komplexitätsmonster…

