Walerbrochenes für Ihre Aristokraten
Während unsere Fotostrecke zu Anno 1701 sich allmählich dem Ende zuneigt, wollte ich heute mal dem Bildungsanspruch unseres Magazins nachkommen und etwas über den geschichtlichen Hintergrund von Anno 1701 berichten. Dass der erste Titel die Jahreszahl 1602 mutmaßlich erhielt, weil dies das Gründungsjahr der Niederländischen Ostindien-Kompanie ist, wissen Sie wahrscheinlich schon.
Was mich neben der großen Delphin-Affinität der Entwickler am Meisten verwunderte, ist die große Bedeutung von Walfang im Spiel: Wale bringen Tran für Lampenöl und mittelbar Ambra für Ihre Parfümerien. Wie sieht es damit im historischen Europa und in der "Neuen Welt" aus?
Falsch abgebogen und reich dabei
Die Entdeckung Amerikas war bekanntermaßen unbeabsichtigte Folge der Suche nach einer Abkürzung nach Indien. Mit die bedeutsamsten Walfanggründe wurden durch ein ähnliches Geschick gefunden: als im siebzehnten Jahrhundert klar war, dass der kürzeste Weg nach Osten wohl kaum über die Karibik sucht, machten sich britische und niederländische Schiffe auf den Weg, mal am Nordpolarmeer nach einem Weg zu suchen.
Sie ahnen es: das war zwar nicht praktikabel, aber dafür sahen die Besatzungen jede Menge Wale. Bereits seit dem zwölften Jahrhundert waren die riesigen Meeressäuger in Europa beliebt, weil sie neben Gelatine und Speisefetten mit ihrem Tran die Grundlage für künstliche Beleuchtung lieferten.
Besserer Duft dank Pottwalerbrochenem
Außerdem hatten speziell Pottwale noch weitere verwertbare Güter dabei: Walrat - eine im Kopf enthaltene Substanz, die lange Grundlage für Lampenöl und exklusive Kosmetika war und Ambra. Letzteres ist eine Substanz, die der Verdauungstrakt des Pottwals um nicht zu verwertende Teile von Tintenfischen bildet, eventuell auch Ausdruck einer Stoffwechselkrankheit. Mitunter wird Ambra vom Pottwal oral ausgeschieden - später fand man bei der Untersuchung von Wal-Kadavern auch große Mengen im Darmtrakt.
In jedem Fall: die anfangs übel riechende Substanz wurde sehr lange - und eben auch in Anno 1701 - als Grundlage für Parfüme benutzt, wenn sie über Jahre gelagert wird. Heute kann Ambra gut synthetisiert werden. Dennoch konnte sich ein Australier, der eine merkwürdige Substanz am Strand fand, sehr glücklich schätzen.
Ob die Aristokraten wissen, womit genau sie sich da einsprühen? Ich jedenfalls halte es lieber mit einem anderen Bedürfnis und flöße mir noch die eine oder andere Praline ein...


Ist es nicht ein bißchen zynisch als Redakteur der PC-Games (in der jeden Monat zu über 80% Spiele beworben/getestet werden, bei denen es primäres oder sekundäres Ziel ist Menschen zu töten) auf einmal einen Moralischen zu kriegen und sich Gedanken über den Walfang zu machen?!?
Ja, aber ich brauch doch einen unterhaltsamen Ausstieg