Größer, schöner, besser!
Da die Bewohner Ihrer Stadt mehr Alkohol vertilgen als die Besucher des Oktoberfests, errichten Sie Kartoffel- und Hopfenfelder am Besten dutzendweise.
Vögel zwitschern vergnügt in den Bäumen, mondän gekleidete Menschen flanieren auf großzügig gestalteten Marktplätzen und betrachten das reichhaltige Angebot der Stände, während der wuchtige Wirtsherr gerade ein schweres Fass voller Alkohol auf seinen Schultern zum Ausschank schleppt und um ein Haar den Marktkarrenfahrer umrempelt, der die neuesten Seidenstoffe aus der Färberei ins Lager karrt; sogar die Mühle klappert am rauschenden Bach.
Sollten Sie es bereits beim Lesen dieser Zeilen nicht mehr abwarten können, Anno 1503 zu installieren, gehören Sie vermutlich zu den Menschen, die das Spiel nach Umfragen zum meist erwarteten PC-Spiel gemacht haben. Kein Wunder, ist doch der anno 1998 erschienene Vorgänger Anno 1602 zusammen mit dessen Add-on das meistverkaufte Spiel in Deutschland. Spielern des Vorgängers springen zunächst einmal die höheren Auflösungen ins Auge; bis zu 1.280 x 1.024 Pixel dürfen Sie einstellen. Die Inselwelten sind gewachsen, mehr Rohstoffe können an- beziehungsweise abgebaut und zu mehr Endprodukten verarbeitet werden, das Militär wurde aufgestockt und die eigenen Städte lassen sich mit noch mehr Gebäuden ausstatten und vor allem verschönern.
Nach Spielstart klicken Sie sich zunächst durch das schlanke Menü und wählen einen Modus aus. Zur Wahl stehen drei Tutorial-Missionen, die mit den Grundregeln von Städtebau, Handel und Kriegsführung vertraut machen, das klassische Endlosspiel mit acht zufallsgenerierten Inselwelten, zehn Szenarios mit konkreter Aufgabenstellung ("Baut eine Stadt, in der die Einwohner den Status Bürger haben", "Hindert den Gegner an der Zerstörung Eurer Kathedrale und vernichtet seine Streitmacht", ...) sowie eine Kampagne mit elf Inselwelten plus einer Bonus-Welt. Einen Mehrspielermodus sucht man vergebens, denn der schaffte es nicht mehr in die Verkaufsversion und wird im Lauf des Novembers per Patch nachgeliefert.
In der umfangreichen Kampagne eifern Sie als Strahlemann mit Drei-Tage Bart Ihrem großen Vorbild nach; dem tollkühnen Eroberer aus dem ersten Teil, den Ihr Charakter in einer Kneipe von alten Zeiten schwärmen hört. Die Geschichte und die damit verbundenen Missionsziele der jeweiligen Inselwelten werden von einem Sprecher aus dem Off vorgetragen und erscheinen in Textform auf dem Bildschirm. Die Aufgabenstellung reicht dabei vom schlichten Städtebau über das Handeln bestimmter Güter bis zum Vernichtungsschlag gegen etwaige Feinde. Der militärische Part nimmt in Anno 1503 jedoch einen wesentlich höheren Stellenwert ein als noch im Vorgänger. Auch der Schwierigkeitsgrad zieht rasch an, was vor allem am künstlich komplexen Kampfsystem liegt. Wenn Sie Kavallerie, Pikeniere, Bogen- und Armbrustschützen, Schwertkämpfer und Kanonen ins Schlachtgetümmel führen, sollten Sie das Schere-Stein-Papier-Prinzip stets vor Augen haben, denn jeder Einheitentyp ist nur gegen einen bestimmten Opponenten wirkungsvoll und wird im Kampf gegen andere Truppen stets den Kürzeren ziehen. Was an sich eher nach Taktik denn nach nervtötender Routine klingt, wird erst dadurch richtig kompliziert, dass die einzelnen Einheiten nur schwer voneinander zu unterscheiden sind, bei innerstädtischen Auseinandersetzungen in Häuserschluchten verschwinden und Sie oftmals die höchste der drei Zoomstufen bemühen müssen, dann jedoch den Überblick über das Geschehen verlieren. Zusammen mit der schieren Übermacht so manches KI-Gegners sorgen militärische Missionen oftmals eher für Frust, wenn Sie sich erneut in zeitintensive Materialschlachten stürzen, anstatt sich um den Ausbau aufstrebender Metropolen zu kümmern. Überhaupt geht der aufgeblähte Militärpart eher zu Lasten von Spielspaß und Laune des Spielers. Es gibt schlichtweg zu viele Einheiten, die zum Teil den Anschein machen, getreu dem Motto "Masse statt Klasse" ins Spiel integriert worden zu sein. Wo liegen etwa die signifikanten Unterschiede zwischen Pikenieren und Lanzenknechten oder Bogen- und Armbrustschützen? Wozu sollte man Belagerungstürme bauen, um Truppen auf gegnerische Stadtmauern steigen zu lassen, wenn man diese auch einfach mit einem Mörser einreißen kann?
Anno-Veteranen müssen sich auf ein verändertes Wirtschaftssystem einstellen. War es im Vorgänger noch möglich, bei finanziellen Engpässen kurzzeitig die Steuern zu erhöhen und damit zu Lasten der Laune Ihrer Bürger die Staatskasse aufzubessern, verdienen Sie in Anno 1503 Ihr Geld durch den Verkauf von Waren an die Bevölkerung. Das geschieht an Marktständen für Stoffe, Nahrung, Gewürze etc., deren Preise leider festgeschrieben sind und sich nicht regulieren lassen. Wer nicht aufpasst, landet schnell in der Schuldenfalle - und das trifft vor allem Einsteiger. Außerdem erinnert die wirtschaftliche Organisation ihres Mini-Staates leider nur allzu oft an die inzwischen als Sinnbild für KI-Probleme geltenden Tiberium-Sammler. Die Marktkarrenfahrer lassen oftmals große Lagerbestände weiterverarbeitender Betriebe links liegen; so passierte es beispielsweise, dass sieben Tonnen Seile, die dringend zum Bau eines Schiffes benötigt wurden, darauf warteten, abgeholt zu werden, der ansonsten sicherlich herzensgute Mann sich jedoch lieber darauf konzentrierte, die ohnehin schon gut bestückten Alkoholvorräte weiter aufzustocken. Geschlagene fünf Minuten Spielzeit dauerte es, bis sich endlich ein Marktkarrenfahrer aus einem anderen Bezirk der Stadt erbarmte, das Lager der Seilerei leer zu räumen. Auch diese zeitraubenden Langstreckenfahrten waren des Öfteren zu beobachten und führen nicht nur zu diversen Engpässen, wenn Sie gerade eine neue Produktionskette aus dem Boden stampfen, sondern dazu, dass der Spielfluss oftmals recht zäh gerät. Umso emsiger sind hingegen Ihre Bewohner, wenn es darum geht, die Wohnhäuser auszubauen. Sobald Sie sich fit genug fühlen, den gehobenen Ansprüchen einer höheren Zivilisationsstufe gerecht zu werden, geben Sie Baumaterialien für Ihre Bewohner frei und ... machen erst einmal große Augen. Denn schneller, als Sie die Freigabe wieder deaktivieren können, sind die Holz- und Ziegel-Vorräte Ihrer Stadt nahezu aufgebraucht und oftmals folgt auf Grund des sprunghaften Bevölkerungsanstiegs die Lebensmittelknappheit. Wer gezielt aufsteigen will, der kann nur die Baumittel, die er nicht freigeben möchte, auf einem Schiff zwischenlagern. Unverständlicherweise lässt sich nämlich nicht regulieren, wie viel Tonnen Werkzeug, Holz und Steine Sie Ihren Schützlingen fürs Häuslebauen zur Verfügung stellen möchten.
Bereits bei der Planung der Städte kommt ein anderes Feature von Anno 1503 unangenehm zur Geltung: die Höhenstufen. Davon gibt es 32 und eigentlich wären sie eine taktische Komponente. Im Regelfall werden sie jedoch zum unnötigen Ärgernis, denn kleinere Abstufungen im Terrain sind mit bloßem Auge oder beim Gebäudebau kaum auszumachen und werden erst sichtbar, wenn Sie Plantagen oder Straßen errichten wollen. Ist schließlich eine florierende Stadt aufgebaut, sind die meisten Sorgen vergessen, das gewohnte Anno-Flair kehrt zurück und man ertappt sich beim minutenlangen Betrachten der architektonischen Kunstwerke. Am Besten eignet sich hierzu das Endlosspiel, auf das sich Einsteiger auf Grund der schweren Kampagne ohnehin konzentrieren sollten und auf das auch Anno-Veteranen früher oder später zurückgreifen werden. Ganz ohne Auftragszwang und auf Wunsch ohne militärische Kabbeleien siedeln Sie friedlich vor sich hin und verbringen nicht selten mehrere Tage damit, Ihre persönliche Traumstadt aufzubauen. Hier hat der Stadtherr auch die Möglichkeit, die grafische Pracht von Anno 1503 vollends zu genießen. In den höheren Zivilisationsstufen zieren prunkvolle Gebäude aus Stein und Marmor wie Theater, Badehaus oder Universität die Straßen. Dass auch die Wohnhäuser nun nicht mehr in Reih und Glied, sondern unterschiedlich ausgerichtet platziert sind, verleiht dem Stadtbild mehr mittelalterliches Flair. Diesem sehr zuträglich ist auch die superbe Soundkulisse. Atmosphärische Instrumentalstücke, Chorgesänge mit Gänsehaut-Garantie sowie fernöstliche Klänge oder laute Trommeln als Musikuntermalung für Mongolen oder Indianer und weitere individuelle Melodien für die restlichen sieben Kulturen sind stimmungsvoll, in Ihrer Stadt preisen Marktschreier die Waren an und Wirte werben für ihr Bier.
Leider sorgen diverse Bugs und Schönheitsfehler in der Verkaufsversion für Frust. Ohne diese Fehler hätte das an sich phantastische Spiel einen Award verdient und klar die 90er Hürde genommen. In der jetzigen Form raten wir Einsteigern und Gelegenheitsspielern von einem Kauf ab, bis geklärt ist, ob ein unumgänglicher Patch die zahlreichen Probleme zufrieden stellend bereinigt. Wir drücken die Daumen, bereits in der nächsten Ausgabe Entwarnung geben zu können.


Na so schlecht ist es doch auch nicht
Wenn du so eine Spielart nicht gut findest
Dann schreib nicht in das forum!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!11
Hä???
Die spielerischen Unterschiede zu 1602 sind nur marginal. Die Produktionsketten sind doch fast identisch. Die Neuzugänge, Gerberei, Alk aus Kartoffeln und Hopfen, Heikräuter für den Doc und Seile für die Schiffe sind ja ganz nett aber nicht gerade sensationell. Diese und die neuen Konsumgüter für die gehobenen Kreise hätte es auch einfach als add on für 1602 geben können.
Die Aufrüstung des militärischen Sektors und die sogenannte Forschung halte ich für überflüssig und nervend. Besonders der militärische Bereich nervt mich. Hier stimme ich dem Autor des Testberichtes voll zu. Ich will wirtschaflich erfolgreich sein und mich nicht ständig kloppen müssen.
Die Grafik ist ja ganz nett aber in meinen Augen overdresst. Sie ist überladen und unübersichtlich. Absolut nervend ist der Straßenanschluss an Produktionsbetriebe, selbst bei den Marktständen muß man aufpassen.
Und dann die bugs. Bei kriegerischen Auseinandersetzungen fahren meine Schiffe auf Land und sitzen dann fest. Echt lustig wenn ein Mast aus einem Berg rausguckt oder Soldaten unter Wasser Stellung beziehen.
Von 1602 richtig verwöhnt bin ich von 1503 einigermaßen enttäuscht. Es ist unzumutbar wenn mann ca. 10 Spielstunden braucht um einen Gegner militärisch zu besiegen. Damit meine ich nur die Kampfführung, die Aufrüstung des Heeres ist darin noch nicht enthalten. Strategische Kriegsführung führt nicht zum Ziel. Von sämtlichen Importen abgeschnitten bleibt der Gegner trotzdem in der höchsten Zivilisationsstufe und produziert militärisches Material ohne Ende in kürzester Zeit. Selbst völlig zerschossene kleine Schiffe können überlegenen, voll intakten Schiffen entkommen.
zeigt wiedereinmal das ein gutes spiel nicht zwangsläufig eine freie kamera braucht
abstürze hmm hatte ich noch keinen einzigen, läuft wieder erwarten absolut problemlos (hatte schon schlimmstes befürchtet)
schwierigkeitsgrad ist sicher für nen *anno-anfänger* zu heftig, wenn man sich jedoch vom spiel nich antreiben läßt stellt das kein problem dar (man hat alle zeit der welt, da der computergegner in etwa gleichauf ist und sich dem spieler anpaßt)
auch musik und videos sind einfach herrlich geworden (die musik des vorgängers nervte zuweilen wenn man sie über stunden hörte)
ich bin zwar noch nich soo weit da ich es erst 4 tage besitze aber ich bin mal gespannt wie sich die sache entwickelt
Mfg
Flo_the_Chief
Bei Anno geht es ja eigentlich darum, durch diverse Verträge mit den Gegnern zu leben. Und die Ureinwohner und ähnliche besetzten ja nun wirklich nur kleine Inseln, die keiner braucht.
Ich kämpfe zwar gerade auch gegen eine Computergegner, dieses war aber mit auf meiner Hauptinsel - das konnte ich nicht länger ertragen. Das beste ist aber, dass ich ein Militärbundnis mit rot (nach mir am mächtigsten) habe und somit der andere keine große Chance haben wird!