Anno 1404: Venedig im Test: Die umfangreichste und beste Anno-Erweiterung
Unser Anschlag hat geklappt. Auf dem Marktplatz zettelt der Scherge einen Aufstand an.
Als reine Handelsmacht jedoch bewährt sich Venedig wunderbar. Die Schiffe der italienischen Metropole handeln regelmäßig in Ihren Häfen und Garibaldi selbst bietet viele neue Gegenstände und Upgrades an. Anno 1404: Venedig fügt übrigens einen kleinen Knopf ein, mit dem Sie die Angebote in den einzelnen Hafenstädten neu zusammenwürfeln können. Das hilft, wenn das Saatgut, das Sie brauchen, derzeit nicht angeboten wird. Außerdem dürfen Sie mit angesammelten Ruhmpunkten nun auch Errungenschaften in einem eigenen Venedig-Baum freischalten.
Und auch wenn Sie kein Klein-Venedig aufbauen dürfen, stellen Ihnen die Entwickler doch neue Gebäude zur Verfügung. Neben vielen kleinen Verschönerungen für Ihre Siedlung und der praktischen Vogtei, die Ihnen eine Gebäudeübersicht spendiert, geht es dabei vor allem um den ansehnlichen Ratspalast, mit dem das Schlosssystem aus früheren Anno-Teilen seine Auferstehung feiert. Aus verschiedenen, sündhaft teuren Bauteilen setzen Sie sich einen Palast zusammen, den Sie mit allerlei Zierteilen wie Riesenschaukeln oder Löwenstatuen verschönern können. Es ist eine Freude mit anzusehen, wie der Palast Ihre Einwohner in Scharen anzieht. Sie können sogar hören, wie diese über die Pracht staunen. Allerdings hebt der Palast nur den Wert Ihrer Inseln und hat ansonsten keinen Nutzen.
Gehörigen spielerischen Einfluss haben dagegen die neuen Inseltypen, die Related Designs eingeführt hat. Der Traum eines jeden Bauherren ist die von den Entwicklern liebevoll „Pfannkuchen“ genannte Insel, die komplett flach ist und Unmengen an Bauplatz bietet. Außerdem gibt es jede Menge neuer kleiner Inseln, die zufällig auf den Karten verteilt werden und der Umgebung mehr Glaubwürdigkeit verleihen. Am eindrucksvollsten jedoch ist die Vulkaninsel, die sich bei Endlos- und Mehrspielerpartien per Menüeintrag einfügen lässt. Am Fuße des Lavaberges locken Unmengen an Ressourcen. In einem der Häfen stellen Sie einen Geologen an und verfrachten ihn wie ein Saatgut zur Vulkaninsel. Dort angekommen, „entdeckt“ der Geologe ein jeweils unerschöpfliches Erzvorkommen am Vulkan.
Auch der Orient ist nicht sicher vor Angriffen des Schergen. Hier schickt er einen falschen Propheten auf den Marktplatz, der die Araber vom Arbeiten abhält.
Das Ressourcenparadies hat natürlich auch eine dunkle Seite. Bricht der Vulkan einmal aus, sind alle Ihre Gebäude in Gefahr. Ein Mittel dagegen gibt es nicht. Sie können höchstens Ihre Waren in Sicherheit bringen, da die Lava auch Ihre Kontore zerstört. Trotz der Gefahr ergaben sich in unseren Partien wahre Wettrennen um die lukrative Vulkaninsel. Wir versprechen: Sie werden dieses neue Feature bald nicht mehr missen wollen. Auch weil ein Vulkanausbruch einfach spektakulär daherkommt, wenn Steine durch die Luft fliegen und Lichtstimmung und Musik sich verändern. In unserem Test zehrte das aber auch an der Performance.
Ein kleiner Wermutstropfen bleibt bei Anno 1404: Venedig trotz all der eindrucksvollen Features: Das Add-on erzählt keine durchgängige Geschichte. Eine Kampagne hat Related Designs nicht eingefügt. Es enttäuscht ein wenig, dass die Entwickler die spannende Kreuzzug-Story aus dem Hauptspiel nicht weitergesponnen haben.
Entschädigt werden Sie dafür mit fünfzehn abwechslungsreichen, atmosphärisch dichten Szenarien. Hier hat das Mainzer Studio Außergewöhnliches geleistet. Natürlich gibt es Szenarien für echte Profis, in denen Sie unter schwersten Voraussetzungen gute Ergebnisse beim Stadtbau liefern müssen. Uns haben aber besonders die Missionen gefallen, in denen kleine Geschichten erzählt werden. So greifen die Entwickler die Suche des Willem van der Mark nach seiner Tochter aus dem Hauptspiel wieder auf oder stecken Sie in die Piratenstiefel eines Korsaren unter Hassans Kommando. Jedes dieser Szenarien ist liebevoll gestaltet und mit jeder Menge Wendungen, kleinen Nebengeschichten und Seitenaufgaben versehen. Wer hier keine Lieblingsmission findet, ist für spannende Geschichten sowieso nicht zu haben.
Ganz nebenbei hat Related Designs noch Detailverbesserungen vorgenommen und das Militärsystem überarbeitet. Zwar ist die Armeeführung immer noch recht passiv und anspruchslos, dafür unterscheiden sich jetzt aber die Einheitentypen klar voneinander und die Schlachten werden strategischer. Sie müssen sowohl bei Angriffen als auch bei Verteidigungssituationen genau überlegen, auf welche Mannen Sie setzen. Die Küstenlinien verteidigen Sie nun mit stärkeren Hafentürmen und etwaige Blockaden sprengen Sie mit den neuen, extrem schnellen, venezianischen Handelsschiffen.
Kopierschutz-Info:
Gleicher Schutz wie beim Hauptspiel. Kein permanenter Online-Zwang. Zum Internetspiel benötigen Sie einen Ubisoft-Account.
Den Anno 1404: Venedig-Test finden Sie in vollem Umfang - mit allen Extra-Kästen und einem Anno 1404: Venedig-Tuning - in der PC Games 03/10. Ab sofort am Kiosk!


Ich habe es schon seit Freitag und ich konnte keinen Tag aushalten ohne ein oder mehrere der Szenarien anzufangen und zu beenden.