Agatha Christie: Mord im Orient Express (PC)

Release:
29.11.2006
Genre:
Rollenspiel
Publisher:
cdv Software Entertainment AG (DE)
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Agatha Christie: Mord im Orient Express

22.01.2007 15:00 Uhr
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Neu
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Die Autoren zollen Frau Christie gebührenden Respekt. Die Rätseldesigner leider nicht.

Die clevere Antoinette ist auf Spurensuche. Hier horcht sie mit einem Glas als Verstärker die Zugabteile ab. Die clevere Antoinette ist auf Spurensuche. Hier horcht sie mit einem Glas als Verstärker die Zugabteile ab. [Quelle: Siehe Bildergalerie] Wie kann man gleichzeitig einen schönen Tod und einen richtig miesen Abgang haben? Indem man zwar schlummernd in seinem Bettchen liegt, aber derweil von zwölf Messerstichen zerpflügt wird. So geschieht es Mr. Ratchett, einem Fahrgast des Orient-Express. Richtig, der Zug aus Agatha Christies berühmten Kriminalroman Mord im Orient-Express, den die Entwickler AWE Games in ein solides Adventure (aber ohne Bindestrich im Titel) verwandelt haben.


Vom Buch zum Spiel

Eines vorweg: Es handelt sich nicht um eine sture Adaption des Buches (das 1974 erstmalig verfilmt wurde; Hauptrolle: Albert Finney), die Autoren haben der Geschichte zusätzliche Charaktere und sogar ein erweitertes Ende spendiert! Selbst die Erzählperspektive ist anders, denn Sie spielen nicht den belgischen Detektiv Hercule Poirot, sondern eine neue Figur: Antoinette Marceau, 26 Jahre jung und glühender Fan von Poirots Abenteuern. Nach dem Mord an Mr. Ratchett geraten sämtliche Passagiere an Bord des Zuges unter Verdacht. Anders als im Buch kann Poirot die Ermittlungen jedoch nicht führen - er verletzt sich den Knöchel. Antoinette springt beherzt ein.

Die Autoren machen ihre Sache gut: Die Charaktere sind differenziert ausgearbeitet, es finden sich immer wieder Details in Gestik und Sprache. Geredet wird natürlich viel, und das ist auch gut so: Die meist treffsicheren Dialoge sind ordentlich geschrieben und vertont - anders als im Vorgänger Und dann gabs keines mehr (Wertung: 59 in Ausgabe 01/06). Am Rätseldesign hat sich wenig verbessert: Die Aufgaben sind zwar meistens mit Logik zu meistern, doch gerade im letzten Viertel des Spiels verzweifelt man an den Mengen an Items, die Antoinette ungefragt und grundlos in ihr grauenvoll umständliches Inventar packt. Das und die fehlenden Hinweise bei vielen Rätseln sorgen für Leerlauf - irgendwann nervt es, die Zugabteile stets aufs Neue abzusuchen.
Die Inszenierung entschädigt dafür ein wenig: Zwischensequenzen sind zwar technisch zum Husten, sorgen aber trotzdem für eine dichte Krimi-Atmosphäre.

   
Bildergalerie: Agatha Christie: Mord im Orient Express
Bild 1-3
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Agatha Christie: Mord im Orient Express (PC)
Spielspaß-Wertung

68 %
Leserwertung
(0 Votes):
-
Tolle Neuerzählung von Christies Kult-Krimi
Viel Laufarbeit in immergleichen Zugabteilen
Glaubhafte Charaktere und gute Sprecher
Zuwenig Hilfestellung birgt Frustgefahr
Grauenvolles, stets überfülltes Inventar
   
Felix Schütz
Frau Christie hätte sich gefreut: Mord im Orient Express besitzt durchaus Qualitäten!
Stunde um Stunde wandere ich durch fast identische Zugabteile, suche sämtliche Hotspots noch einmal ab - zu lange schon. Warum kann mir Antoinette nicht hin und wieder einen Hinweis geben? Wozu durchaus logische Puzzles kreieren, wenn ich als Spieler nicht motiviert werde, sie zu lösen? Doch das wäre alles verschmerzbar - gäbe es nicht das Inventar. Zeitweise schleppen Sie über 50 (!) Gegenstände mit sich herum, viele davon braucht man einfach nicht. Zu allem Übel ist es irre umständlich, die Fundstücke miteinander zu kombinieren - besonders zum Schluss geraten so manche Rätsel zur puren Geduldsaufgabe. Ein Lob möchte ich dennoch aussprechen: Der überraschende, klug eingeflochtene neue Schluss dürfte sogar Fans des Buches gefallen, außerdem wurden die Charaktere und Dialoge sorgfältig in das Spiel übertragen. Das sorgt für Atmosphäre! Daher: Eine Empfehlung mit Einschränkungen.
   
Print-Redakteur
Moderation
22.01.2007 15:00 Uhr
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