A New Beginning im Test: Eines der besten Adventures des Jahres
A New Beginning stammt von den Machern von The Whispered World und lässt Adventure-Fans aufhorchen. [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Während Waldbrände toben, Polarkappen abschmelzen und Ölteppiche unsere Ozeane verseuchen, sollte die Bewertung eines Computerspiels nun wirklich unsere kleinste Sorge sein. Und doch ist A New Beginning ein Adventure, das selbst im Angesicht unserer ökologischen Gegenwartsprobleme nicht belanglos erscheint. Denn es bietet nicht nur klasse gemachten Rätselspaß, sondern setzt sich auch auf kritische Art mit modernen Klimafragen auseinander.
Im Spielverlauf kommen Fay und Bent ganz schön herum: Hubschrauberflüge, Bohrinseln, Laboratorien unter dem Meeresspiegel und der brasilianische Dschungel sind nur einige Etappen des rund zehnstündigen Abenteuers. [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Der Öko-Thriller beginnt im Heim des eigenbrötlerischen Wissenschaftlers Bent Svensson. Von seiner wichtigsten Forschung – einer speziellen Alge, mit der sich saubere Energie gewinnen lässt – will er nichts mehr wissen, er hadert vielmehr mit seinem Ruhestand. Das ändert sich jedoch, als die junge Fay vor seiner Tür steht. Die exzentrische Dame gibt sich Bent als Zeitreisende zu erkennen. Ihre Mission: seine Forschung retten, um den Planeten vor einer Naturkatastrophe zu bewahren, die in einigen Jahrhunderten alles Leben auslöschen wird. Anfängliche Zweifel sind schnell überwunden, als Fay von ihrer abenteuerlichen Zeitreise und dem tragischen Tod ihrer Kameraden berichtet – der Spieler erlebt diesen Rückblick voll spielbar in einem völlig verwüsteten San Francisco der Zukunft. Erst später verläuft die ernste Geschichte auch in der Gegenwart – dabei spinnt sie ihren roten Faden dramatisch und wendungsreich weiter. Trotzdem fielen uns manche Szenen negativ auf: Wie kleinlaut die verunsicherte Fay etwa auf ihren übertrieben giftigen Vorgesetzten Salvador reagiert, das ist mehr unglaubwürdig denn spannend – zum Glück sind solche Momente nicht die Regel. Erst zum Schluss des rund zehnstündigen Abenteuers leistet sich das Autorenteam noch mal einen Patzer: Das Finale erscheint uns eine Spur zu verwirrend und unspektakulär.
Die Grafiker verwenden in vielen Fällen speziell gezeichnete Animationen für die beiden Hauptcharaktere. [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Handwerklich ist A New Beginning ein Adventure der guten, alten Schule: 2D-Charaktere agieren vor 2D-Hintergründen, Actionsequenzen gibt es nicht, der Spielablauf ist von Rätseln bestimmt. Guten Rätseln, wohlgemerkt – die allermeisten Aufgaben ergeben sich logisch aus der Handlung und wirken nicht aufgesetzt. Besonders löblich: Entwickler Daedalic (The Whispered World) macht nie zu viele Locations auf einmal zugänglich, das Inventar enthält stets nur relevante Gegenstände und die Umgebungen sind auch nicht unnötig mit Hotspots vollgestopft – so kann man sich stressfrei auf die fordernden, aber nie unfairen Aufgaben konzentrieren. Im Gegenzug bietet A New Beginning allerdings auch weder eine integrierte Rätselhilfe noch ein Tagebuch und die Charaktere geben auch kaum Tipps – man muss also schon selbst auf die Lösung kommen, was uns im Test aber nie gestört hat. Hin und wieder müssen auch Detailaufgaben in Großaufnahme gelöst werden, etwa klassische Schalterrätsel – wer auf solche Szenen keine Lust hat, kann diese mittels Panik-Button einfach überspringen. Fair. An der Steuerung gibt es nur wenig zu bemängeln: Ein Druck auf die linke Maustaste öffnet ein logisches Verben-Interface, dessen Aktionen sich stets nach dem ausgewählten Hotspot richten. Per Rechtsklick erscheint das schlichte Inventar am unteren Bildschirmrand und ein Druck auf die Leertaste blendet eine nützliche Hotspot-Anzeige ein. Damit lässt es sich gut leben.
Obwohl Fay und Bent oft zusammen unterwegs sind, ist es nie möglich oder nötig, zwischen den Figuren hin- und herzuwechseln oder beide Helden für Rätsellösungen einzusetzen. [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Die Präsentation hinterlässt eher gemischte Gefühle. Grafisch ist A New Beginning zwar durchaus stimmungsvoll, doch das Niveau von The Whispered World erreicht es nicht. Manche Hintergründe sind sehr liebevoll gepinselt und mit kleinen Animationen aufgepeppt, während andere im Vergleich etwas detailarm wirken. Auch ist es schade, dass die Grafik keine Breitbild-Monitore ausnutzt – es bleibt stets bei einer 4:3-Darstellung. Charaktere sind zwar sehr schön gezeichnet, doch ihre Animationen hätten wir uns doch etwas geschmeidiger gewünscht. Zwischensequenzen gibt es reichlich, doch sie bestehen meist nur aus teilanimierten Standbildern. Manche der Filme sorgen zwar für regelrechte Gänsehaut, andere hingegen können kaum mitreißen. Die Auswahl der Sprecher geht in Ordnung: Gerade Fay und Bent sind spitze vertont und geben sich richtig Mühe. Manche Nebenfiguren hinterlassen jedoch den Eindruck, dass sie nicht von Profis eingesprochen wurden – das wirkt zwar manchmal authentisch, schadet in einigen Fällen aber auch der ernsten Atmosphäre.
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