The Elder Scrolls 4: Oblivion - Knights of the Nine
So ein alter Rittersmann hatte sehr viel Eisen an. Doch die Entwickler, muss ich sagen, gehören fast vom Blitz erschlagen.
Richtig interessant geht es bei der Rittergeschichte um die Neun erst in den letzten ein, zwei Stunden zu, wenn Sie auf die Auroraner treffen.
Lumpenlieder oder auch bayerische G'stanzl* handeln oft von Rittergeschichten und haben derbe Inhalte. Ähnlich derb empfinden wir, welch "Lumperei" die Plug-in-Sammlung Knights of the Nine betreibt, die Ubisoft für Oblivion-Spieler auf den Gabentisch gelegt hat. Wer dabei an umfangreiche Morrowind-Add-ons der Marke Tribunal und Bloodmoon denkt, hat Pech, denn davon ist Knights of the Nine so weit entfernt wie ein ausgewachsener Daedroth von einer kleinen Schlammkrabbe.
Ausgepackt
Die Sammlung enthält insgesamt acht Erweiterungen, sieben davon konnten sich Oblivion-Spieler schon als Download-Content gegen entsprechendes Entgelt zulegen. Das namengebende Knights of the Nine gibt es für rund 9,99 Dollar nun ebenfalls zum Download. Welchen Vorteil hat die verpackte DVD-Version? Alle Plug-ins liegen dabei in fünf Sprachen vor, wer also Fremdsprachenkenntnisse auffrischen möchte, installiert die Erweiterungen in Spanisch, Italienisch oder Französisch. Ob das sinnvoll ist, müssen Sie selbst entscheiden.
Der aktuelle Patch (der ebenfalls auf der DVD enthalten ist) hat jedoch nichts am bestehenden Sprachmischmasch bei den Bildschirmtexten geändert. Wer die deutschen Plug-ins installiert, bekommt trotzdem teils englische Kost vorgesetzt. Das Interface blieb gleichfalls unverändert, sodass Sie sich im Inventar immer noch über kryptische Abkürzungen rätseln (ein klassisches Beispiel: Star. Tr. d. Le.en.-W.). Nur gut, dass bewährte Fan-Mods, etwa Singlers Übersetzungen, auch mit der Plug-in-Sammlung kompatibel sind. Schade ist aus unserer Sicht, dass erst Fan-Projekte Spiele richtig rund erscheinen lassen. Dies sollte eigentlich von den Entwicklern geleistet werden.
Ein Kreuz mit den Rittern
Uuii, schon wieder ein Geist - das langweilt langsam.
Immerhin verspricht die Packungsrückseite ja ein episches Abenteuer, sodass wir schon gespannt sind, was es mit den Rittern der Neun auf sich haben mag, die Sie als Spieler wieder ins Leben rufen. Nachdem man alle Plug-ins auf einmal installiert und aktiviert hat, starten Sie einen beliebigen Spielstand aus Oblivion. Sofort trudeln die verschiedenen Quest-Benachrichtigungen ein, die uns auf die Plug-ins hinweisen - bloß von den Rittern fehlt jede Spur.
Na gut, mögen Sie vielleicht denken, die örtliche Taverne oder die Wachen haben sicher was zu berichten, wenn man dort nach Gerüchten (oder Rumors, wie es immer noch in der deutschen Fassung heißt) fragen. Aber: Fehlanzeige! Dem Internet sei Dank finden wir einen Hinweis in einem englischen Forum - in Anvil beginnt die Suche nach dem Ritterorden.
Ein kurzes Vergnügen
Vampire gehören nach wir vor zu den gefährlichsten Gegnern.
In knapp fünf Stunden gemütlicher Spielzeit prügeln oder zaubern Sie sich nun durch altbekannte Gegner, vorrangig Untote, und klappern in einer recht anspruchslosen Pilgerfahrt die Schreine der Neun ab. Alles in allem zwar keine schlechte, aber doch altbackene Rollenspielkost. Bei der Suche nach der achtteiligen Ritterrüstung kommt mehr Stimmung auf. Wieso zum Henker aus der Edelmanntracht in der deutschen Version eine Kreuzritter-Variante geworden ist, bleibt aber das Geheimnis der Lokalisierungsinstitution.
Kreuzritter stehen bekanntlich für einen Kreuzzug, doch damit hat das Plug-in nichts am Hut. Seis drum, gegen Ende dreht die Rittermär auf - vor allem, weil man zu diesem Zeitpunkt eine prächtige Rüstung besitzt und mit den Auroranern endlich neue Gegner ins Spiel kommen. Insgesamt hinterlässt The Elder Scrolls 4: Oblivion - Knights of the Nine einen eher faden Beigeschmack, versehen mit einer gehörigen Prise Kunden-Abzocke.
* G'stanzl sind meist 4-Zeiler, die sich reimen und themenbezogen witzig sind.
