Tony Tough 2: Der Klugscheißer kehrt zurück
Die Packung weist Tony Tough als Klugscheißer aus. Das stimmt nicht ganz. Er ist einfach nur ein Scheißer.
Die Hintergründe sind auf Realismus getrimmt, die Figuren auf Dreidimensionalität im Comic-Look. Das beißt sich etwas.
Um aus einem unverschlossenen(!) Klassenzimmer zu flüchten, muss Tony Tough eine Kröte(!) verschlucken(!). Mehr Beispiele braucht es nicht, damit Sie sich ein Bild machen können von der Rätselqualität dieses Adventures. Tony Tough 2 ist ein verwirrendes und schwieriges Spiel. Vor allem aber ist es ein langweiliges.
Keine guten Aussichten
Worum es geht, lässt sich kaum feststellen. Der rote Faden liegt irgendwo auf dem Grund des Redeflusses, der aus den Charakteren quillt. Vermutlich muss man ein paar Vermisste aufspüren, die von Außerirdischen entführt wurden. Dazu steuern Sie Tony mit der Maus durch spärlich animierte Standbilder, deren realistischer Anstrich zu den dreidimensionalen Comicfiguren passt wie Bratwürste zu Kakao. Mehr als 100 solcher Standbilder gibt es laut Feature-Liste, einen Großteil davon möchte man verschwunden sehen, weil sie keinem Zweck dienen, außer Zeit zu kosten: Um von einem Ende der Stadt ans andere zu kommen, joggt Tony in gefühlter Zeitlupe über den Bildschirm. Der schnelle Szenenwechsel per Doppelklick, eigentlich Standardausrüstung eines jeden vernünftigen Adventures - er fehlt. Dann, als stünden die Dinge nicht schon schlecht genug, springt die Perspektive oft so wild hin und her, dass man sich einen Kompass am Bildschirmrand zur Orientierung wünscht.
Bescheuert statt witzig
Immer wieder laufen Zwischensequenzen ab, die die Dramatik einer schlafenden Schildkröte haben.
Steuerungsprobleme ließen sich aushalten, wäre der Rest in Ordnung. Was er nicht ist. Es kostet schon Mühe, auch nur ein Quäntchen Sympathie aufzubringen für diesen Labersack von Tony. In der Stimme des deutschen Bart Simpson sägt er sich durch scheinbar endlose Monologe, die konsequent um den heißen Brei kreisen. Gütigerweise erlaubt das Programm, Gesprochenes mit einem Mausklick abzukürzen.
Noch mehr Mühe kostet es, die Rätsel zu lösen. Die Rede ist von jener Sorte Rätsel, die einen nach einem Blick in die Lösung fragen lassen, wie man da um Himmels Willen je hätte draufkommen sollen. Dass die Schauplätze eine Fülle unwichtiger Hotspots enthalten, macht die Sache nicht angenehmer. Zu jeder Tür weiß Tony einen dummen Spruch, für den man ihm am liebsten eine Packung Tempos in den Mund stecken möchte.
Manchmal, so wirkt es, ist sich Tony Tough 2 seiner eigenen Unwitzigkeit sehr wohl bewusst. Dann versucht es, auf Fäkalhumor auszuweichen, der, nur ein Beispiel, rektal eingeführte Zapfsäulen involviert. Wenn das zum Lachen bringen soll - gelungen. Aber zum Auslachen.
