Das hässliche Entlein
TRUGBILD Nur wenn das Bild stillsteht, passen die Figuren wunderbar zur Kulisse.
Das erste Rohkonzept für Arcatera wurde vor 15 Jahren abgefasst. Seither sind zur Genüge Schweiß und Geld in das Abenteuerspiel geflossen vergebens. Im Konkurrenzvergleich rutscht es rückwärts Purzelbäume schlagend den Gully hinab.
Die unbeholfenen Anleihen bei Quest for Glory sind augenfällig wie ein platzbereiter Nasenpickel: Erstens wurden für Arcatera Adventure- und Rollenspielanteile ähnlich ausgiebig durch den Mixer genudelt. Zweitens kabbeln sich auch hier vier unterschiedlich talentierte Figuren um die Zuneigung des Spielers: Ein Krieger, eine Magierin, ein Mönchsowie ein Dieb.
Schon die dreigleisige Geschichte ist ein Witz: Gerüchten zufolge wurde das Zepter des Prinzen gestohlen. Genaues weiß man nicht. Außerdem munkeln die Waschweiber von einem Geheimbund, der Gefährliches plant. Genaues weiß man nicht. Und zuletzt erfahren Sie, dass ein Verbrecher festgenommen wurde. Aber der könnte bestimmt wieder ausbrechen. Genaues weiß man nicht. Auf jeden Fall sollen Sie Senora retten. Äh, okay. Fortan quatschen Sie verzweifelt wildfremde Leute an, um irgendwie an Hinweise bezüglich des Spielsinns zu gelangen. Was bedingt Spaß macht, denn die Dialoge strotzen vor logischen Fehlern und Sprachpatzern. Nebenbei bemerkt schwankt die Sprecherqualität zwischen professionell und "Job verfehlt". Nur wer sich durchbeißt, stößt irgendwann auf den Kern: Standardrätsel, für deren Lösung bei Gelegenheit Partymitglieder angeheuert werden müssen, und chaotische Kämpfe, die wenig mehr erfordern als Glück. Wegen der 2D-Perspektive verdecken sich die Angreifer nämlich meist gegenseitig. Im Extremfall können Sie nur einen von dreien überhaupt anvisieren.
Um ans Ende zu kommen, muss man dafür keines der auftauchenden Ziele erreichen. Irgendwann ist die Spielzeit von 30 Tagen halt verstrichen, dann folgt ein Abspann, dessen Art sich nach der Güte Ihrer Vorstellung richtet. Fatalerweise wird Ihnen bis dahin Muße bleiben, Grafik und Steuerung zu begutachten. Denn während die Zwischensequenzen und Hintergründe leidlich aussehen, beleidigt die Darstellung der Figuren jedweden Sinn für Ästhetik. Sobald in Bewegung, verzerren sie sich zu grotesken optischen Peinlichkeiten. Und die Bedienung? Setzt sogar noch eins drauf: Interessantes im Bild wird generell nicht markiert. Wer suchet, der findet. Und wer was hat - etwa den Inhalt einer Truhe -, braucht Stunden zum Einsammeln, weil jede Mikrobe einzeln angeklickt werden möchte.
