Darwinia
Es lebe die Retrospektive. Lesen Sie, warum das abgefahrene Cyberspace-Strategiespiel dem virtuellen Zusammentreiben einer Schafherde gleichkommt.
Kaum zu glauben, aber Darwinia macht trotz der grobklotzigen Grafik zeitweise Spaß. Hier vertrimmen unsere "Soldaten" gerade einen bösen Virus.
Manchmal fragt man sich schon, welcher Teufel Spieleentwickler reitet. Angesichts der ersten Bilder, die uns Darwinia auf den Monitor kredenzte, rieben wir uns ungläubig die Augen. Der ungewöhnliche Grafikstil des Spiels springt einem förmlich ins Gesicht: Ein minimaler Einsatz von Polygonen, extrem grobpixelige Figuren und eckiges Gelände bestimmen die Spielwelt von Darwinia, das ausschließlich über Valves Download-Portal Steam erhältlich ist.
Leben im Cyberspace
"Befreien Sie einen virtuellen Themenpark!" Dieser Satz aus der Produktbeschreibung sorgte für Fragezeichen in den Köpfen der PC-Games-Strategen. Denn die Spielidee von Darwinia ist alles andere als gewöhnlich: Ein Wissenschaftler mit dem seltsam anheimelnden Namen Dr. Sepulveda und gleichwohl der Erfinder der Computerwelt Darwinia bittet Sie um Hilfe.
Bösartige Viren haben den virtuellen Insel-Cyberpark lahm gelegt und bedrohen darüber hinaus die Bewohner der Spielwelt, die passenderweise Darwiner heißen. Viel mehr an Hintergrund erfahren Sie nicht, sodass Sie zunächst völlig verwirrt und orientierungslos auf den Monitor starren. Sind Sie gar selbst ein Programmierer oder ein Darwiner? Das Spiel verrät es jedenfalls nicht.
Ebenso minimal wie die Grafik ist das Tutorial, das in Form von Texteinblendungen den unteren Bildschirmrand füllt. Dr. Sepulveda meldet sich in regelmäßigen Abständen wieder, um Sie nach und nach mit der Steuerung und Ihren Aufgaben im Spiel vertraut zu machen. Allerdings bleibt es beim Text, auf Sprachausgabe verzichtet das Programm.
Strategie trifft Action
Von oben betrachtet wirken die Spielinseln wie eine Rohfassung der Göttersimulation von Peter Molyneux.
Den Kampf gegen die Viren starten Sie mit einem so genannten Trupp. Per Druck auf die "Alt"-Taste rufen Sie das Konstruktionsmenü auf, mit dem Sie auf die verfügbaren Einheiten zugreifen. Diese verstehen sich als Software-Programme, die Ihnen Dr. Sepulveda zur Verfügung stellt. Maximal drei solcher Programme können Sie anfangs gleichzeitig ausführen. Die Trupps besitzen einen Laser als Standardwaffe, der mit der rechten Maustaste ausgelöst wird.
Auf den verschiedenen Inseln finden Sie versteckte Datenwürfel, die Sekundärwaffen in Form von Updates bieten. Dr. Sepulveda kann diese auswerten und dem Spieler zur Verfügung stellen. Die einzelnen Komponenten lassen sich im Laufe des Spiels weiter verbessern, dabei wählen Sie aus, welche Software der ominöse Wissenschaftler verbessern soll. So können Sie auch Ihr Einheitenlimit von drei auf maximal fünf erweitern.
Jede Insel stellt Sie vor bestimmte Aufgaben, wie beispielsweise Kraftwerke in Betrieb zu nehmen oder neue Darwiner zu produzieren. Jetzt kommt der zweite Einheitentyp zum Einsatz, der Ingenieur. Mit diesem klammerartigen Figürchen aktivieren Sie nicht nur entsprechende Gebäude, sondern sammeln auch die notwendigen Seelen ein, um Darwiner zu produzieren. Moment, Seelen? Richtig gelesen, sobald Sie mit einem Trupp einen Virus zerstört haben, hinterlässt dieser rote Viereck-Pixel, die als Seelen bezeichnet sind.
