Ankh
Ankh ist eine Verbeugung vor klassischen Abenteuer-Spielen: Garantiert frei von Schiebe-, Schalter- und Farbenrätseln, dafür mit viel Humor.
Ein Türsteher vor dem Tempel des Pharaos lässt Personen ohne VIP-Status abblitzen. Assil muss sich etwas einfallen lassen.
Kurz vor Ende des Spiels steht Assil, der Held, vor einer Leiter, die keine Rolle spielt. Man kann die Leiter anklicken, dann sagt Assil mit der Stimme von Oliver Rohrbeck, dem deutschen Ben Stiller: "Sie verbindet zwei Ebenen unterschiedlicher Höhe."
Die Definition ist perfekt, und ihr Vorhandensein zeigt, wie viel Mühe sich die Designer mit Details gegeben haben, die die Atmosphäre von Abenteuer-Spielen prägen: Fast alle Objekte lassen sich anklicken, unabhängig von ihrer Wichtigkeit. Assils Kommentare dazu sind meistens witzig, manchmal belanglos, aber immer sympathisch mit einer hauchfeinen Spur von Ironie und Tollpatschigkeit vorgetragen.
Hamster in Mikrowelle
Thara (links) macht dem Pilger aus Israel klar, dass sich Assil (hinten) gern den Revolutionären anschließen möchte. Deren Ziel ist es, den Pharao zu stürzen.
Ankh ist wie eine Zeitreise in die 90er, als es noch humorvolle Adventures gab, die nichts ernst und alles auf die Schippe nahmen - ein Kontrast zu seriösen Spielen wie Syberia, Black Mirror oder Fahrenheit. Anspielungen auf Monkey Island oder Indiana Jones sind allgegenwärtig.
Schauplatz ist das antike Ägypten, wo Sie Assil helfen sollen, einen Todesfluch loszuwerden, den er sich in einer Grabkammer zugezogen hat. Auf Ihrer Suche nach Erlösung treffen Sie eine bunte Mischung an Charakteren, die sich mit ihren Eigenheiten ins Spielergedächtnis brennen: Es gibt einen halbblinden Schneider, kiffende Pilger, einen Flaschengeist in Rente, einen verkalkten Weissager und noch mehr schräge Vögel.
Zu Beginn macht Assil Bekanntschaft mit zwei Meuchelmördern, die ihm mit dem Tod drohen. Sofort sprießt der Humor, den Ankh bis zuletzt bewahrt: "Mich würde erst mal interessieren, ob man in diesem Adventure überhaupt sterben kann", ist eine Antwort, die Sie aus einem Pool von Sätzen ähnlichen Kalibers wählen können.
Die Entwickler verschwenden keine Zeit klarzustellen, dass sie sich von Klassikern haben inspirieren lassen.
Die beiden Attentäter erwidern: Nein, zu sterben sei unmöglich, und nein, es werde keine sadistischen Schiebe-, Klang- oder Farbenrätsel geben, wie sie in meditativen Knobel-Epen der Marke Myst vorkommen. Sie halten Wort bis auf eine augenzwinkernde Ausnahme.
Kurz und gut
Mitten in der Wüste steht eine Kamel-waschanlage, die die Bezeichnung "Camel-O-Wash" trägt.
Ankh ist kein kompliziertes Spiel. Die Benutzerführung: Ein Linksklick zum Betrachten, ein Rechtsklick zum Benutzen. Das Inventar: Sauber am oberen Bildschirmrand. Die Dialoge: Idiotensicher dank bewährtem Multiple-Choice-Verfahren.
Zur steuerungstechnischen Perfektion reicht es allerdings nicht, weil bei Kleinigkeiten geschludert wurde: Gelegentlich liegt Wichtiges in einem Brei von Gegenständen versteckt, der Spieler wird zum Pixeljäger. Und später fühlt man sich etwas zu häufig zum Laufburschen degradiert: Zwar joggt Assil auf Wunsch mit doppelter Geschwindigkeit, aber die Wege durch die Wüste wirken trotzdem gestreckt. Hinzu kommt eine Trägheit des Maus-Cursors, die den Spielfluss hemmt, aber verschmerzbar ist - Sie brauchen schließlich weder Reflexe noch schnelle Abzugsfinger, ein bisschen Abstraktionsfähigkeit genügt.
