Totgemanagt - das Ende von Software 2000

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Im Februar 2002 ist Software 2002 am Ende. Im Februar 2002 ist Software 2002 am Ende. In der Branche drehten Gerüchte über Geldprobleme schon die dritte Runde, aber nur eine Hand voll Menschen war eingeweiht, als Andreas Wardenga am 1. Februar 2002 tatsächlich den Antrag auf Zahlungsunfähigkeit für sein Unternehmen Software 2000 abschickte. Drei Tage später ging das Schreiben beim Amtsgericht im holsteinischen Eutin ein; Rechtsanwalt Dr. Peer Möller wurde als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt und prüfte pflichtgemäß, ob die Firma zu retten ist. Doch Möllers Analyse fiel niederschmetternd aus. "Das Unternehmen, das ich dort vorgefunden habe, ist nur noch abzuwickeln", fasste er Anfang März zusammen, als PC-Games-Recherchen den Fall öffentlich machten. "Von den ursprünglich 85 Mann waren bei meinem Eintreffen nur noch 11 überhaupt da - darunter kein Programmierer."
Alle Markennamen und Verwertungsrechte stehen seither zum Verkauf. Das Protokoll der schleichenden Pleite: Spiele wie Bundesliga Manager Professional, Pizza Connection und Christoph Kolumbus machen Software 2000, gemeinsam gegründet von den Brüdern Andreas und Marc Wardenga, bekannt und reich. Weitere Wirtschaftssimulationen wie Der Eishockey Manager und F1-Manager 96 zementieren das gute Renommee. Dann allerdings wird Bundesliga Manager 97 zur Abrissglocke: Voll mit Programmfehlern (offizielle Begründung: "Versehentlich ist das falsche Master zum Duplizieren ans Presswerk geschickt worden") verärgert es die Kunden; statt die falsche gegen die richtige Version zu tauschen, produziert Software 2000 reihenweise Patches. Ein Image-Schaden, den der stabiler laufende, aber nur marginal aufgewertete Nachfolger ein Jahr später nicht ausgleichen kann. Zu diesem Zeitpunkt sind die Bundesliga-Manager-Erfinder längst geflüchtet: Unter dem Namen Heart-Line machen sie sich selbstständig und programmieren den Kicker Fußballmanager.
"Schade, dass ["] der Kernverantwortliche völlig unbehelligt geblieben ist", kommentiert ein ehemaliger Mitarbeiter heute die Enttäuschungen. Zum Exodus weiterer kreativer Köpfe kommt es, nachdem sich das Management entschieden hat, vermehrt anspruchslose Auftragsprojekte wie SAT.1-Superball oder Gute Zeiten, Schlechte Zeiten auf CD-ROM umzusetzen. Wohin diese Strategie langfristig führen sollte, ist rätselhaft. Nach den enttäuschenden Verkaufszahlen der letzten Hoffnungsträger Pizza Connection 2 und Bundesliga Manager X gehen auch die übrig gebliebenen Designer. Es folgen keine Produktankündigungen mehr, die Website friert ein. Das deutlichste Zeichen für die Schieflage von Software 2000 gibt Marc Wardenga: Er verlässt das eigene Unternehmen, wechselt zum Konkurrenten CDV (Sudden Strike). Der Vorhang für "Deutschlands führenden Anbieter von Unterhaltungssoftware" fällt nach über zehn Jahren: Das selbstgewählte Verfallsdatum hat Software 2000 nur um zwei Jahre überdauert.

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    • Kommentare (2)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Petra_Froehlich Mitglied
        AW: Special - Totgemanagt - das Ende von Software 2000

        > Totgemanagt - ich dachte, es ginge um den GRUND für die Insolvenz, <

        Die Gründe stehen im Text - im wesentlichen Misserfolg der bisherigen Spiele sowie Qualitätsprobleme (siehe BM 97).

        > Ein paar Interviews mit Betroffenen u.ä. wären auch nicht schlecht gewesen. <

        Das Problem ist, dass bei S2000 natürlich niemand mehr arbeitet. Die meisten "Betroffenen" möchten sich nicht äußern oder wollen - wie in einem Fall - anonym bleiben.

        Petra, PCG
      • Von Petra_Froehlich Mitglied
        AW: Special - Totgemanagt - das Ende von Software 2000

        > Totgemanagt - ich dachte, es ginge um den GRUND für die Insolvenz, <

        Die Gründe stehen im Text - im wesentlichen Misserfolg der bisherigen Spiele sowie Qualitätsprobleme (siehe BM 97).

        > Ein paar Interviews mit Betroffenen u.ä. wären auch nicht schlecht gewesen. <

        Das Problem ist, dass bei S2000 natürlich niemand mehr arbeitet. Die meisten "Betroffenen" möchten sich nicht äußern oder wollen - wie in einem Fall - anonym bleiben.

        Petra, PCG
      • Von System Spiele-Professor/in
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