Die Sims 2: Wilde Campus-Jahre
In Wilde Campus-Jahre konsumieren die Hochschüler ausschließlich unschädliche Rauschmittel.
Mit Tränen in den Augen blickt Mama Sim ihrem Sprössling zum Abschied hinterher, als er die Stufen zu seinem Studentenwohnheim erklimmt. Diese herzzerreißende Sequenz eröffnet das erste Add-on zu Sims 2: Teenager werden zu "Jungen Erwachsenen" - so nennt sich die neue Lebensphase - und freuen sich auf wahrlich wilde Studienjahre. Die angehenden Akademiker leben gemeinsam mit Gleichaltrigen auf einem von drei vorgefertigten Campus-Geländen. Hier steuern Sie ausschließlich Studenten; Ihre Sims in anderen Lebensphasen (Teenager, Kinder, Erwachsene) können nicht gleichzeitig gespielt werden.
In der Nähe der Universität befinden sich viele Cafés, Bars, Sportanlagen und Mietshäuser. In Ermangelung eines prallen Bankkontos müssen Ihre Schützlinge zu Beginn jedoch mit einem bescheidenen Zimmer in einem Wohnheim vorlieb nehmen. Ein großer Vorteil dieser Gemeinschaftswohnungen ist zugleich auch der störendste Nachteil: Durch die sieben bis zwölf ständig anwesenden Mitbewohner fällt es zwar leicht, Freundschaften zu knüpfen, dafür sind die computergesteuerten Kommilitonen jedoch ausgesprochene Dreckspatzen. Umgekippte Mülltonnen bleiben unbeachtet liegen, Käfer wimmeln fröhlich durch den Vorgarten und die Toiletten verkommen zum stinkenden Bakterienmoloch - schlecht für die Laune Ihres Sim. Zum Selberaufräumen fehlt die Zeit, zum Einstellen einer Putzfrau zumindest zu Beginn das Geld. Es ist sinnvoller zu sparen, um möglichst schnell in ein eigenes Haus umzusiedeln.
Alles andere als faul
In Wohnheimen wie diesem ist ständig was los - so findet man schnell Freunde.
Das Klischee vom faulen Hochschüler trifft zumindest in Wilde Campus-Jahre nicht zu, auch wenn der eigentliche Uni-Besuch täglich nur drei Sim-Stunden in Anspruch nimmt. Aus der anfänglichen Finanzmisere führen nämlich nur zwei Wege. Wer büffelt, erhält ein großzügiges Stipendium. Für einen glatten Einser-Abschluss gibts 1.200 Simoleons. Ein Durchschnitt von 2,3 ist nur noch 700 wert. Dazu müssen die Sims in den gerade mal drei Tagen eines Semesters mindestens drei Hausarbeiten, eine umfangreiche Seminararbeit und die Abschlussprüfung verfassen; zusätzlich wollen je nach Fach bis zu drei Fähigkeiten pro Halbjahr erlernt werden.
BWL-Studenten benötigen unter anderem Charisma und Logik, Künstler üben Kreativität und Physiker setzen auf Sauberkeit. Alternativ füllen Nebenjobs Ihre Kasse. Anders als im Hauptspiel sucht man nicht mehr via PC oder in der Zeitung nach einer Anstellung und lässt sich zu festgelegten Zeiten abholen. Stattdessen tingelt man selbstständig mit dem kostenlosen Taxi in Cafés, Sporthallen oder Bibliotheken, wo Ihr Mündel als Kellner, Trainer oder Tutor arbeitet. Auch Straßenmusik spült Geld in die Haushaltskasse: Passanten und Mitbewohner belohnen Freestyle-Raps und Einlagen auf Gitarre, Bass oder anderen neuen Musikinstrumenten mit Spenden.
Spielerisch stellt diese vom originalen Sims 2 völlig verschiedene Jobstruktur den größten Unterschied dar. Außerdem erweitert Wilde Campus-Jahre das bekannte Wünsche- und Ängste-System. Für die Erfüllung blau umrandeter Sehnsüchte winken Einflusspunkte, mit denen Sie andere Sims beispielsweise überreden, Ihre Seminararbeit zu schreiben. Leider ist Wilde Campus-Jahre ein ähnlich kurzes Vergnügen wie die meisten Add-ons zu Sims 1. Nach zwei bis drei zum Diplom geführten Studenten ist das frische Spielgefühl verbraucht. Die durch das College freigeschalteten Karrierepfade als Ökologe, Parapsychologe, Künstler oder Entertainer motivieren nicht genug. Sims-Liebhaber freuen sich dennoch über rund 15 Stunden Spielspaß, eine Hand voll neuer Gegenstände und zusätzliche Interaktionsmöglichkeiten wie stürmische Kissenschlachten.
