Mehr Monster
Tief in einem alten und verlassenen U-Bahn-Schacht hat sich etwas eingenistet. Etwas Großes!
Als Heather einkaufen geht, beginnt der Albtraum. Die Umgebung verwandelt sich in einen Vergnügungspark, der so vergnüglich gar nicht ist: Verstümmelte Stofftiere liegen in den Ecken, irgendwo knurren Hunde und die gesamte Gegend scheint von einem rostigen Gitter überzogen. Sie
sehen gerade noch, wie Heathers Messer im Schein der Taschenlampe glänzt, als die Kamera umschaltet und da-mit sagt: Jetzt kann's losgehen, Sie sind dran. Da stehen Sie also, umringt von Finsternis, Nebelschwaden, unheimlichen Fratzen und Geräuschen, die man garantiert nicht nachts hören möchte. Mit den Cursor-Tasten und der Maus, wahlweise auch mit Gamepad, steuern Sie Heather erstaunlich komfortabel durch eine surreale Welt. Was das Mädel auf einem Rummelplatz zu suchen hat, warum sie wenig später in einem verlassenen Einkaufszentrum aufwacht, das alles erfahren Sie in Bruchstücken, die sich später zu einem Ganzen zusammenfügen. Silent Hill 3 lässt Sie zuerst buchstäblich im Dunkeln tappen.
Mehr Monster
Wenn Heather von Hunden angefallen wird, muss sie schnell mit der Brechstange reagieren was dank der ordentlichen Steuerung gut funktioniert.
Übers gesamte Spiel legt sich ein Schleier der Bedrohlichkeit, hervorgerufen vor allem durch die gruseli-gen Licht-und-Schatten-Effekte. Überwiegend bewegen Sie sich durch düstere Gänge, in denen man kaum die Hand vor Augen sieht. Die Taschenlampe, die in Heathers Brusttasche steckt, spendet nur spärlich Licht, so dass man stets im Ungewissen ist, was da wohl noch kommen mag. An den Wänden fliegen Schatten und verursachen Paranoia: War da was? Man wähnt Gegner hinter jeder Abzweigung. Die schocken, im Gegensatz zum Vorgänger, nun weitaus häufiger. Nicht nur ihre Anzahl wurde nach oben korrigiert, auch das Erscheinungsbild ist abwechslungsreicher geworden. Da krabbeln seltsam verstellte Monster in Menschenform auf dem Boden, während mutierte Bienen durch die Luft flattern und mit ihren Flü-geln einen Höllenlärm verursachen. Dämonenhunde schnappen nach Heather und riesige, träge Gebilde boxen mit Fäusten, die aussehen wie ein geschnürter, bis zum Rand gefüllter Kartoffelsack. Wie im Vorgänger ist es ein Radio, das Sie vor Gegnerkontakt warnt. Ist ein Dämon zugegen, so spuckt das Gerät ein Knistern und Rauschen aus, das lauter wird, je nä- her man der Gefahrenquelle kommt. Zuerst wehren Sie sich mit Brechstangen und Messern (langsam und träge), später schwingen Sie ein japanisches Kampfschwert (schnell und durchschlagskräftig). Zum typischen Waffenarsenal gehören auch Pistolen, Schrotflinten und Schnellfeuergewehre - deren Munition ist stark begrenzt, was das Gefühl verstärkt, ständig knapp am Tod vorbeizuschrammen.
Trüben die Atmosphäre: Rätsel
Auf Wunsch lässt sich im Spiel ein Störfilter einschalten, der die Grafik leicht unscharf und körnig erscheinen lässt.
Grusel-Highlight in Silent Hill 3: wenn Heather aus geheimnisvollen Gründen in eine Art Paralleluniversum schliddert. Die Wände erscheinen, als wären sie aus Fleisch, sämtliche Fenster sind garantiert lichtundurchlässig zugenagelt und blutverschmierte Eisenketten spannen sich quer durch die Räume. Mittendrin tanzt der Schein Ihrer Taschenlampe und erweckt die Umgebung mit physikalisch korrekt dargestellten Schatten zum Leben. Die Atmosphäre ist der Grund, warum man Silent Hill 3 spielt.
Grund zum Ärgern dagegen sind die Rätsel geblieben. Die passen zwar schön ins bizarre Areal hinein, weil sie ebenso absonderlich anmuten, sind aber aufgrund ih- rer vertrackten Logik nicht besonders spielerfreundlich ausgefallen. Gut, dass man vor Spielstart zwischen drei Schwierigkeitsstufen wählen kann, was auch heißen könnte: Bestimmen Sie den Frustfaktor! Die leichteste Stufe hat sich dabei als kleinstes Übel entpuppt, der Rest zwingt praktisch zum Einsatz eines Lösungsbuches. Lassen Sie sich davon nicht entmutigen, sonst entgeht Ihnen das atmosphärisch dichteste Action-Abenteuer des Jahres.

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