Nicht ganz der Stoff, aus dem die Helden sind
In dieser Stadt findet gerade ein Fest statt - kein Wunder, dass die Gassen voller Wachen sind. Robin muss quer durch.
In nahezu allen Echtzeit-Taktikspielen wie beispielsweise Commandos oder Desperados wird ein vorsichtiges Handeln zum Spielprinzip erhoben. Auch in Robin Hood ist übermäßiger Mut fehl am Platz - und das, obwohl Robin auf die Unterstützung der Bevölkerung zählen kann. Das Spiel Robin Hood erzählt in rund 40 Akten die gleichnamige Sage. Während König Richard auf Kreuzzug ist, unterdrücken der Sheriff von Nottingham und Prinz John das Volk. Die Bauern und Händler leiden unter hohen Steuern sowie einer willkürlichen Justiz. Nur Robin Hood fühlt sich stark genug, um Widerstand zu organisieren: Er überfällt Geldtransporte, befreit Gefangene und stiehlt für seinen König die konfiszierten Kronjuwelen zurück. Da er das geraubte Geld unter den Witwen und Waisen verteilt und generell als friedfertiger Mann gilt, ist sein Ansehen in der Bevölkerung so hoch, dass sich nach jedem Coup neue Freiwillige seiner Bande anschließen.
Zu Beginn des Spiels ist Robin auf sich alleine gestellt. In einer am Fuß einer Burg gelegenen Stadt soll gerade sein Kumpel Stuteley zusammen mit einigen anderen Delinquenten hingerichtet werden - der beste Zeitpunkt für eine spektakuläre Rettungsaktion. Der Spieler muss nun den mit Fäusten, Bogen und Schwert bewaffneten Recken an den Wachen vorbei in die Stadt lotsen und seine künftigen Mitstreiter befreien. Theoretisch hat man dabei mehrere Möglichkeiten: Robin kann heimlich zwischen den Wachposten hindurchschleichen, er kann sie bewusstlos schlagen oder er kann sie mit Waffengewalt bekämpfen.
Da die ganze Stadt von Gegnern nur so wimmelt, fällt die erste Möglichkeit aus. Und da es die Bevölkerung nicht gerne sieht, wenn ein Held Unmengen von Soldaten tötet, ist auch die dritte Möglichkeit tabu. So bleibt nichts anderes übrig, als sich den Weg freizuboxen - was zunächst sehr schwer fällt: Zwar kann Stuteley ein bewusstloses Opfer fesseln, sobald aber eine Wache einen niedergeschlagenen oder gefesselten Kameraden entdeckt, weckt oder befreit sie ihn und ruft nach Verstärkung. Immerhin ist einer der Befreiten ein kräftig gebauter Hüne, der nicht nur besser boxt als Robin, sondern auch die reglosen Körper außer Sichtweite tragen kann.
In den meisten Missionen machen daher Stuteley und der Hüne (später sollte der durch den noch stärkeren Little John ersetzt werden) den Weg zum Ziel frei. Die anderen Spielfiguren sind nur selten zu gebrauchen: Mit Steinen, Wespennestern oder Äpfeln werfende "Einheiten" sind nicht effektiv genug, Bogenschützen und Schwertkämpfer sind zu tödlich. Denn je weniger Opfer zu beklagen sind, desto mehr Zivilisten schließen sich Robin an. In seinem Unterschlupf im Sherwood Forest kann er diese zum Pfeileschnitzen, Kräutersammeln, Trainieren und zu etlichen weiteren Tätigkeiten anstellen - er darf sie aber auch mit in sein maximal fünfköpfiges Kampfteam aufnehmen.
Konform zur Sage spielt sich die Handlung in nur fünf Städten und damit Maps ab. Da man aber immer neue Örtlichkeiten aufsuchen muss und bestimmte Gebiete abgesperrt sind, ist eine Stadt auch nach dem x-ten Besuch noch eine Herausforderung. Vor allem die stets anders auf das Stadtgebiet verteilten Wachen und Zivilisten verändern das Geschehen radikal, da die künstliche Intelligenz sie mit einem erfreulich authentischen Leben erfüllt: Einige Zivilisten verpetzen Robins Bande an den nächsten Wachposten, der auch sofort nach dem Rechten sieht. Entdeckt er einen oder mehrere Gegner, so wägt er seine Chancen ab und bittet eventuell den nächsten Vorgesetzten um Verstärkung.
