15 Days im Test: Wie gut ist das neue Adventure der Overclocked-Macher wirklich?
Durch sehenswerte Zoom-Effekte, nette Umgebungsanimationen (das Wasser im Hintergrund bewegt sich realistisch) und den Verzicht auf fordernde Rätsel fühlt sich 15 Days mehr wie ein (leidlich spannender) Film an. [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Drei Kunsträuber im heutigen London sind die Helden der anfangs vielversprechenden Geschichte: Cathryn, Mike und Bernard stehlen Gemälde, um deren Schwarzmarkt-Erlöse für einen wohltätigen Zweck zu spenden. Eine zweite Handlungsebene erzählt von dem US-Ermittler Jack Stern, der nach London reist, um den Mord an einem britischen Minister aufzuklären. Schnell wird klar: Kunstraub und Todesfall hängen zusammen, die beiden Handlungsstränge kreuzen sich. Das sollte spannend sein, ist es aber nicht: Die Charaktere bleiben ungewöhnlich blass, schon weil ihre Polygon-Modelle hölzern animiert sind und selbst in Großaufnahmen kaum Mimik zeigen. Zudem darf man nur wenige Objekte in der schön gerenderten Umgebung absuchen, der Spielverlauf ist streng vorgegeben.
Dialoge laufen automatisch ab und interessante Nebenhandlungsstränge gehen im Laufe der Ereignisse unter. Nur in wenigen Szenen, etwa wenn Cathryn moralische Zweifel an ihren Diebstählen äußert, blitzen jene Story-Qualitäten durch, die man von House of Tales erwartet. Zum Finale hin wird die Geschichte dann zunehmend unglaubwürdiger, sodass man bis zum Ende der acht Spielstunden kaum mitfiebern kann.
Charaktere wie der Polizist Jack Stern sind zwar solide vertont, wirken aber gerade in Großaufnahmen hölzern und damit nicht zeitgemäß. [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Selbst solche Mängel in der Story hätte gutes Puzzledesign sicherlich ausgleichen können - doch leider sind ausgerechnet die Rätsel die größte Schwäche des Spiels. Für die meisten Aufgaben muss man nur ein paar Hotspots durchklicken und auf den nächsten Dialog warten - mehr Beschäftigungstherapie als Knobelspaß. Zuweilen streuen die Entwickler teils nervige Minispiele ein, die man nach zwei Minuten aber überspringen darf. Ärgerlich: Mehrmals im Spiel muss man in einer Art Internetbrowser einen bestimmten Suchbegriff eingeben, der sich kurz zuvor aus einem Gespräch ergeben hat.
Das Problem: Man erhält keinen weiteren Anhaltspunkt zu diesem Suchbegriff! Wer den Dialogen also nicht aufmerksam lauscht oder im falschen Moment vom Spiel abgelenkt ist, droht in eine Rätselsackgasse zu geraten.
Kopierschutz-Info:
Protect DVD. Keine Online-Aktivierung, die Disc muss zum Starten im Laufwerk liegen.
Grafik:
Detailreich gerenderte Umgebungen, die aber etwas leblos wirken. Die Engine beherrscht tolle Zoom-Effekte, die jedoch nur selten zum Einsatz kommen. Eine Handvoll solider Videosequenzen unterstreicht den filmartigen Stil des Spiels. Die 3D-Charaktere wirken hölzern und zeigen kaum Gestik oder Mimik.
Sound:
Solide Sprecher - sie begeistern nicht, stören aber auch nicht. Die Musik ist passend und gut.
Steuerung:
Solide Mausbedienung.Einzelne gesprochene Sätze lassen sich nicht überspringen, man kann lediglich per Esc-Taste die gesamte Dialogsequenz abbrechen. Die Hotspot-Anzeige per Leertaste ist manchmal schwer zu erkennen.
